Tagesgeldzinsen sinken weiter: Historischer Einbruch trifft Sparer
Die Tagesgeldzinsen rutschen weiter ab: Im Juni sank der Durchschnittszins von 1,27 auf 1,19 Prozent – der stärkste Rückgang seit 13 Jahren. Das zeigt eine aktuelle Auswertung von Verivox unter rund 800 Banken und Sparkassen.
Stärkster Zinsrückgang seit über einem Jahrzehnt
Der Abwärtstrend bei den Tagesgeldzinsen hat sich zuletzt deutlich beschleunigt: Bundesweit tätige Banken bieten aktuell im Schnitt nur noch 1,17 Prozent Zinsen – ein Rückgang um rund ein Viertel seit Februar, als der Durchschnittszins noch bei 1,56 Prozent lag. Besonders stark war der Einbruch im Juni: Innerhalb eines Monats sank der Durchschnittswert von 1,27 auf 1,19 Prozent – der stärkste Monatsverlust seit Juli 2012, als die EZB mit der Senkung ihres Einlagezinses auf null Prozent das Zeitalter der Null- und Negativzinsen einläutete.
Besonders betroffen sind regionale Kreditinstitute – Sparkassen zahlen aktuell im Schnitt nur noch 0,39 Prozent, Volks- und Raiffeisenbanken 0,43 Prozent. Im Vergleich dazu bieten überregional tätige Banken mit 1,17 Prozent noch deutlich höhere Zinsen.
Einfluss der EZB-Geldpolitik
Maßgeblich für die Zinsentwicklung ist die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Mit den bislang erfolgten Leitzinssenkungen hat die EZB deutliche Signale gesetzt. Sollte sie bei der nächsten Sitzung erstmals pausieren, könnte dies zu einer Stabilisierung auch bei Sparzinsen führen. Verivox-Geschäftsführer Oliver Maier rechnet mit einer leichten Entspannung: Zumindest dürfte sich der rasante Rückgang der Zinsen verlangsamen.
Zinstrend beim Festgeld stabilisiert sich
Bei den Festgeldzinsen zeichnet sich bereits eine Stabilisierung ab: Während kurzfristige Laufzeiten weiterhin leicht rückläufig sind, zeigen sich bei längeren Bindungsfristen erste gegenläufige Tendenzen. Fünfjährige Festgelder verharren seit April auf einem Niveau von 2,09 Prozent, bei zehnjährigen Anlagen stiegen die Zinsen im selben Zeitraum um 0,1 Prozentpunkte auf 2,26 Prozent.
Zinsmarkt bleibt in Bewegung
Die aktuellen Zahlen unterstreichen die hohe Dynamik am Zinsmarkt. Während Bestandskunden beim Tagesgeld kaum noch attraktive Konditionen finden, zeichnen sich bei langfristigen Anlagen und im Neukundengeschäft erste positive Signale ab. Wer flexibel bleibt und regelmäßig vergleicht, kann weiterhin vom Wettbewerb profitieren.
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