Frühstart-Rente: Ohne Riester-Reform verpufft der Effekt

Veröffentlichung: 10.07.2025, 15:07 Uhr - Lesezeit 3 Minuten

Die Frühstart-Rente könnte ein neuer Baustein für generationengerechte Altersvorsorge in Deutschland sein – vorausgesetzt, die geplante Reform wird mit einem modernen Riester-Nachfolger verzahnt. Zu diesem Schluss kommt Versicherungsmathematiker Axel Kleinlein, der verschiedene Rechenbeispiele zur Rentenwirkung analysiert hat.

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Versicherungsmathematiker Axel KleinleinVersicherungsmathematiker Axel Kleinleinmathconcepts

Das Konzept sieht vor, dass der Staat zwischen dem 6. und dem 18. Lebensjahr monatlich 10 Euro in ein Altersvorsorgeprodukt für jedes Kind einzahlt. Die Beträge sollen langfristig verzinst und ab dem 67. Lebensjahr verrentet werden. In der Grundausstattung – ohne weitere private Sparleistung – ergibt sich laut Kleinlein bei günstigen Produktkosten und optimistischer Kapitalmarktentwicklung (6 % brutto, 0,4 % Effektivkosten) eine inflationsbereinigte Monatsrente von 26,37 Euro. Bei Produkten mit hohen Kosten (2,5 % Effektivkosten) sinkt der Rentenwert auf nur 7,20 Euro.

Kleinlein plädiert deshalb für eine Ergänzung der Frühstart-Rente durch eine reformierte Riester-Komponente. Wird ab dem 18. Lebensjahr zusätzlich monatlich gespart, beispielsweise mit der vollen Riester-Förderung (2.100 Euro jährlich), entstehen inflationsbereinigte Renten von bis zu 491,71 Euro (ETF-basiert) bzw. 207,95 Euro (versicherungsförmig). „Die Frühstart-Rente kann ein effizienter Beitrag zur Altersvorsorge sein, wenn sie mit einer reformierten Riester-Rente kombiniert wird“, lautet sein Fazit.

Zugleich mahnt Kleinlein an, bestehende Hemmnisse zu beseitigen. „Verrentungspflicht und Kapitalerhaltsgarantie machen die Riester-Rente bislang unflexibel und ineffizient.“ Er verweist auf den Reformentwurf zur steuerlich geförderten Altersvorsorge aus dem vergangenen Jahr, der nun konsequent weiterverfolgt werden sollte.

Neben dem Spareffekt nennt Kleinlein auch einen pädagogischen Mehrwert: Die Frühstart-Rente könne Kindern und Jugendlichen helfen, sich frühzeitig mit Geld und Sparprozessen auseinanderzusetzen. Produkte sollten jedoch aus seiner Sicht „günstig, transparent und effizient“ gestaltet sein – und nicht mit klassischer Lebensversicherungslogik verbunden werden.

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