Zwischen Zauber und Zahlen: Warum deutsche Aktien wieder Chancen bieten

Veröffentlichung: 08.07.2025, 09:07 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Trotz Konjunktursorgen, geopolitischer Spannungen und struktureller Probleme sehen viele Anleger wieder Potenzial im deutschen Aktienmarkt. Portfoliomanager Olgerd Eichler von MainFirst nennt sechs gute Gründe – mit überraschend positiven Langfristaussichten.

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Olgerd Eichler, Portfoliomanager im Team Blend / European Equities bei MainFirstOlgerd Eichler, Portfoliomanager im Team Blend / European Equities bei MainFirstMainFirst

Die deutsche Wirtschaft steht unter Druck – und dennoch gibt es überzeugende Argumente, warum deutsche Aktien derzeit in den Fokus von Investoren rücken. Portfoliomanager Olgerd Eichler vom Team Blend / European Equities bei MainFirst zeigt in einer aktuellen Marktanalyse sechs Gründe auf, warum ein genauerer Blick lohnen kann.

  1. Politischer Neustart mit Unsicherheiten – und Potenzial
    Die neue Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz sei mit vielen Erwartungen gestartet, so Eichler – auch wenn der schwierige Start im zweiten Wahlgang für erste Risse im „Zauber des Anfangs“ gesorgt habe. Entscheidender werde nun, ob sich politische Reformimpulse in konkrete Maßnahmen übersetzen lassen. Besonders wichtig: Der Umgang mit geopolitischen Risiken wie dem schwelenden Zollkonflikt mit den USA.
  2. Sondervermögen mit Wirkung – wenn konsequent genutzt
    Das angekündigte Sondervermögen für Investitionen und Sicherheit sieht Eichler als „konstruktives Signal“. Noch in diesem Jahr sei keine große Wirkung zu erwarten – mittelfristig jedoch könnten gezielte Ausgaben für Infrastruktur und Sicherheit spürbare Wachstumsimpulse liefern, sofern sie planvoll umgesetzt werden.
  3. Local-for-local statt Globaldominanz
    Im neuen multipolaren Wirtschaftsgefüge sind zentral gesteuerte Exportmodelle an ihre Grenzen geraten. Deutsche Unternehmen punkten laut Eichler durch ihre hohe Anpassungsfähigkeit. Volkswagen etwa entwickle vermehrt Fahrzeuge in China für den dortigen Markt – ein Paradebeispiel für die neue „Local-for-local“-Strategie.
  4. DAX überraschend robust
    Der DAX sei weit weniger krisenanfällig als oft behauptet, meint Eichler. Trotz Pandemie, Ukrainekrieg und Inflation habe sich der deutsche Leitindex seit dem Corona-Tief bis Frühjahr 2025 um rund 167 Prozent gesteigert – nahezu gleichauf mit dem Nasdaq. „Viele haben diese Entwicklung gar nicht registriert“, so der Portfoliomanager.
  5. Günstige Bewertung als Einstiegschance
    Während US-Indizes mit einem hohen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bewertet sind, ist der DAX laut aktuellen Schätzungen für 2026 mit dem 14,7-fachen der Unternehmensgewinne vergleichsweise günstig. Das ermögliche langfristig orientierten Anlegern einen disziplinierten, risikobewussten Einstieg.
  6. Nebenwerte mit Nachholpotenzial
    Insbesondere im SDAX gebe es laut Eichler viele Hidden Champions, die zuletzt stark unter Druck geraten seien. Doch gerade kleinere, exportorientierte Unternehmen könnten künftig überdurchschnittlich profitieren – nicht zuletzt durch Impulse aus der Politik und eine mögliche Neubewertung.

Chancen in stürmischen Zeiten

„Viele Indizes haben neue Höchststände erreicht, Euphorie herrscht aber nicht – im Gegenteil“, sagt Eichler. Die Märkte blieben anfällig für neue Eskalationen und zeigten sich gleichzeitig bemerkenswert robust. Wer gezielt auswählt und auf Langfristchancen setzt, könne von attraktiven Bewertungen profitieren – gerade in einem Umfeld, das eher durch Unsicherheit als Überhitzung geprägt sei.

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