Lebensversicherung: ZZR-Rückflüsse bringen Spielraum
Zinsanstieg, ZZR-Rückflüsse und demografischer Wandel verändern das Geschäftsmodell der Lebensversicherer grundlegend. Die Branche steht finanziell stabil da – doch das Neugeschäft bleibt unter Druck.
Die deutsche Lebensversicherungsbranche profitiert 2024 spürbar von der veränderten Zinssituation und der Entspannung bei der Zinszusatzreserve (ZZR). Laut Assekurata liegt deren Volumen zum Bilanzstichtag bei rund 84 Milliarden Euro. „Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass die Anbieter von den Mitteln profitieren, die aus der Zinszusatzreserve frei werden“, erklärt Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse und Bewertung bei Assekurata. Die Überschüsse steigen, die laufende Verzinsung liegt im Neugeschäft bei durchschnittlich 2,52 Prozent.
Gleichzeitig belasten jedoch stille Lasten in Höhe von knapp 80 Milliarden Euro die Kapitalanlagestrategien. „Bei stillen Lasten handelt es sich um verdeckte Buchverluste, die zwar handelsrechtlich nicht realisiert werden müssen, aber die Handlungsfähigkeit in der Kapitalanlage einschränken“, so Heermann. Die Nettoverzinsung liegt mit 2,4 % nur leicht über dem Vorjahreswert (2,2 %).
Beim Wachstum zeigt sich ein differenziertes Bild: Der Prämienzuwachs von 3,1 % ist größtenteils auf Einmalbeiträge zurückzuführen. Die Allianz trägt allein 2,5 Milliarden Euro zum Gesamtanstieg bei. „Ohne die Zahlen des Marktführers sähe das Branchenwachstum weniger positiv aus“, kommentiert Heermann. Zudem sinkt die Anzahl der Verträge auf 80,3 Millionen – ein Rückgang von 1,4 %.
Assekurata sieht Potenziale in der Wiederanlage aus Ablaufleistungen und in der Zielgruppe der Babyboomer, die in den Ruhestand eintreten. Auch im Bereich der Biometrie – insbesondere bei der Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) – bestehen Chancen. In der Grundfähigkeitsversicherung hingegen herrsche „eine gewisse Ernüchterung“ – uneinheitliche Leistungsauslöser sorgen für Vertriebszurückhaltung.
Dr. Reiner Will, Geschäftsführer von Assekurata, sieht verstärkten Konsolidierungsdruck: „Die enormen Herausforderungen tragen dazu bei, dass mehrere Versicherer einen Zusammenschluss angekündigt haben oder diesen bereits vollziehen. Eine schlagartige Fusionswelle erwarten wir allerdings nicht.“ Zugleich mahnt er politische Klarheit an: „Die von der neuen Bundesregierung geplante Frühstartrente könnte zwar zu vielen Neuverträgen führen. Allerdings dürften die einzelnen Vertragsvolumina bei einem geplanten Förderbetrag von zehn Euro zu klein sein, um insgesamt zu einem echten Wachstumsschub zu führen.“
Will fordert, dass das Thema Altersvorsorge nicht aus dem Fokus rückt: „Auch wenn geopolitische Faktoren derzeit im Vordergrund stehen, sollte die Politik angesichts der drängenden demografischen Probleme das Thema Altersvorsorge nicht auf die lange Bank schieben.“
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