Tarifverhandlungen Versicherungen 2025: Drei Runden – kein Durchbruch, ver.di verschärft den Ton

Veröffentlichung: 25.05.2025, 18:05 Uhr - Lesezeit 6 Minuten

Die Tarifverhandlungen für die rund 160.000 Innendienstbeschäftigten im privaten Versicherungsgewerbe sind nach drei Gesprächsrunden weiter festgefahren. Die Gewerkschaft ver.di kritisiert das Verhalten der Arbeitgeber als „verweigernd“ und hat die dritte Verhandlungsrunde am späten Abend des 23. Mai 2025 in Düsseldorf ohne Ergebnis abgebrochen. Mit dem Scheitern der Gespräche geht die Auseinandersetzung in eine neue Eskalationsstufe: Weitere Warnstreiks sind angekündigt, der Druck auf die Versicherungsunternehmen wächst.

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Verhandlungsverlauf: Enttäuschung auf ganzer Linie

Die Tarifverhandlungen hatten Ende März 2025 mit der ersten Runde in München begonnen. Schon dort machte ver.di deutlich, dass die Erwartungen an die Arbeitgeberseite hoch seien. Im Zentrum der Forderungen steht eine Gehaltserhöhung um 12 Prozent bei einer Laufzeit von nur zwölf Monaten. Zusätzlich fordert ver.di eine Erhöhung der Ausbildungsvergütung um monatlich 250 Euro sowie soziale Komponenten wie eine unbefristete Übernahme der Auszubildenden und die Möglichkeit, Gehaltsbestandteile in Freizeit umzuwandeln.

In der zweiten Verhandlungsrunde, Ende April in Frankfurt am Main, wurden diese Forderungen bekräftigt – und das erste Angebot der Arbeitgeberseite, das lediglich eine durchschnittliche Erhöhung von 2,8 Prozent bei einer Laufzeit von 35 Monaten vorsah, scharf kritisiert. ver.di sprach von einem „Respektverlust gegenüber den Beschäftigten“ und warnte eindringlich vor einem Attraktivitätsverlust der Branche im Ringen um qualifizierte Fachkräfte.

Dritte Runde ohne Ergebnis – Angebot bleibt weit unter Erwartungen

Am 23. Mai folgte die dritte Verhandlungsrunde in Düsseldorf. Der Arbeitgeberverband der Versicherungsunternehmen in Deutschland e.V. (AGV) hatte im Vorfeld ein geringfügig verbessertes Angebot angekündigt: 4,8 Prozent ab August 2025 sowie 3,3 Prozent ab September 2026 – verteilt auf 28 Monate. Doch auch dieses Angebot stieß bei ver.di auf entschiedene Ablehnung. Die Gewerkschaft kritisierte, dass damit die Reallohnverluste der vergangenen Jahre – die ver.di mit 8,1 Prozent beziffert – nicht einmal ansatzweise ausgeglichen würden. Das Einkommen der Beschäftigten bleibe unter dem Niveau von 2020, trotz wachsender Unternehmensgewinne und steigender Dividenden.

Martina Grundler, ver.di-Verhandlungsführerin, erklärte nach dem Abbruch der Verhandlungen:

„In einer wirtschaftlich starken Branche mit Rekordgewinnen ist den Beschäftigten erneut ein absolut inakzeptables Angebot präsentiert worden.“

Massive Beteiligung an Warnstreiks

Parallel zu den Verhandlungen mobilisierte ver.di ihre Mitglieder bundesweit zu Warnstreiks. Bereits vor dem dritten Treffen beteiligten sich nach Angaben der Gewerkschaft mehr als 7.000 Beschäftigte an Protestaktionen. Am Tag der Verhandlungen selbst begleiteten rund 700 Streikende die Gespräche in Düsseldorf. Für den 28. Mai ist ein weiterer Warnstreik in München angesetzt – andere Standorte sollen folgen.

Silke Murawa, Beschäftigte bei der ERGO Group AG in Berlin und Mitglied der Verhandlungskommission, kritisierte die Haltung der Arbeitgeber deutlich:

„Wir können uns von unserem Lohn wesentlich weniger leisten als noch vor drei Jahren. Die Arbeitgeber erkennen das zwar an, aber ihr Angebot zementiert den Reallohnverlust. Unsere Antwort darauf lautet: Streik!“

Forderung nach sozialer Flankierung der Transformation

Neben der kurzfristigen Einkommensfrage treibt ver.di auch eine langfristige Perspektive an: Mit einem „Tarifvertrag Transformation“ will die Gewerkschaft Regelungen schaffen, die den digitalen Wandel der Versicherungsbranche sozial absichern. Die Branche steht angesichts zunehmender Automatisierung und dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz vor tiefgreifenden Veränderungen. ver.di fordert deshalb Qualifizierungsangebote, berufliche Entwicklungsperspektiven und Sicherheit im Wandel.

Martina Grundler betont:

„Es ist entscheidend, dass wir die Beschäftigten nicht nur finanziell, sondern auch in ihrer beruflichen Weiterentwicklung und der sozialen Absicherung stärken.“

Ausblick: Konflikt mit offenem Ende

Ein neuer Verhandlungstermin ist bislang nicht anberaumt. Die Fronten zwischen ver.di und dem AGV sind verhärtet, und die Eskalation durch flächendeckendere Streiks ist absehbar. Ob die Arbeitgeberseite in der nächsten Runde zu einem substanziell verbesserten Angebot bereit ist, bleibt offen.


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