Versicherungstarifrunde: 1.400 Beschäftigte in Baden-Württemberg im Warnstreik

Veröffentlichung: 27.06.2025, 12:06 Uhr - Lesezeit 3 Minuten

Rund 1.400 Beschäftigte privater Versicherungsunternehmen in Baden-Württemberg haben sich heute an bundesweiten Warnstreiks beteiligt. Mit der bislang größten Arbeitsniederlegung im laufenden Tarifkonflikt wollen die Angestellten kurz vor der vierten Verhandlungsrunde am 4. Juli den Druck auf die Arbeitgeberseite deutlich erhöhen.

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1.400 Versicherungsbeschäftigte streiken in Baden-Württemberg – Druck vor Tarifrunde steigt.1.400 Versicherungsbeschäftigte streiken in Baden-Württemberg – Druck vor Tarifrunde steigt.DALL E prompt by experten

Zentrale Kundgebungen fanden in Karlsruhe und Stuttgart statt. Aufgerufen zum Streik hatte die Gewerkschaft ver.di, die insbesondere auf die Diskrepanz zwischen Unternehmensgewinnen und Reallohnverlusten der Beschäftigten hinweist. Frank Hawel, ver.di-Landesfachbereichsleiter in Baden-Württemberg, betonte auf der Kundgebung in Karlsruhe: „Die Versicherungskonzerne sind mit Gewinnen aus den Krisenjahren gekommen, die Beschäftigten mit Reallohnverlusten. Dieses Ungleichgewicht wollen wir in dieser Tarifrunde wieder ausgleichen.“

Tarifforderungen treffen auf Widerstand der Arbeitgeber

ver.di fordert eine Gehaltserhöhung von zwölf Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten sowie eine Erhöhung der Ausbildungsvergütungen um 250 Euro. Die Arbeitgeber haben bisher lediglich eine gestaffelte Tariferhöhung in Aussicht gestellt: 4,8 Prozent ab August 2025 und weitere 3,3 Prozent ab September 2026 – bei einer Laufzeit von 28 Monaten.

Diese Angebote gelten vielen Beschäftigten als unzureichend, zumal die Branche während der Pandemie vergleichsweise stabil geblieben ist und teils erhebliche Gewinne erwirtschaften konnte. Laut ver.di verschärft das Angebot der Arbeitgeber die wirtschaftliche Unsicherheit der Angestellten angesichts hoher Inflation und gestiegener Lebenshaltungskosten.

Beteiligung quer durch die Branche

In Stuttgart legten Mitarbeitende großer Versicherer wie Allianz, Generali, WGV, SparkassenVersicherung sowie der Fahrlehrer Versicherung und der Württembergischen Versicherung die Arbeit nieder. In Karlsruhe beteiligten sich Beschäftigte von Allianz, Württembergische Versicherung, Generali sowie auswärtige Streikende der ERGO Versicherung und INTER Krankenversicherung aus Mannheim.

Die fortgesetzten Streikmaßnahmen unterstreichen die angespannte Atmosphäre in der Branche. Die kommende Verhandlungsrunde am 4. Juli dürfte entscheidend sein – nicht nur für die Einkommensperspektiven der Beschäftigten, sondern auch für die zukünftige Tariflandschaft im Versicherungswesen.


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