Vier Tage statt fünf? Beschäftigte unterstützen Reformpläne

Veröffentlichung: 23.05.2025, 10:05 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Die Beschäftigten in Deutschland sprechen sich mehrheitlich für die Einführung einer wöchentlichen statt einer täglichen Höchstarbeitszeit aus. Das ist das Ergebnis einer aktuellen, repräsentativen YouGov-Umfrage im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur.

(PDF)
Mehrheit der Deutschen spricht sich für 4-Tage-Woche aus.Mehrheit der Deutschen spricht sich für 4-Tage-Woche aus.DALL-E

Längere Tage, weniger Wochenarbeitstage – ein attraktives Modell?

Demnach unterstützen 38 Prozent der Befragten die Pläne der Bundesregierung, die tägliche Obergrenze von acht Arbeitsstunden durch eine wöchentliche Regelung zu ersetzen. Nur 20 Prozent lehnen den Vorstoß ab, während 37 Prozent sich neutral äußern.

Ziel der geplanten Reform ist es, die Arbeitszeitregelung im Sinne der europäischen Arbeitszeitrichtlinie zu flexibilisieren. Der Koalitionsvertrag der schwarz-roten Bundesregierung sieht vor, das Arbeitszeitgesetz entsprechend anzupassen. Beschäftigte und Unternehmen sollen künftig eigenverantwortlicher über die Verteilung der Arbeitszeit innerhalb einer Woche entscheiden können – beispielsweise, indem statt fünf Arbeitstagen à acht Stunden künftig vier Tage mit je zehn Stunden gearbeitet wird. Auch andere Varianten wären denkbar. Die derzeit geltenden Rahmenbedingungen wurden bereits im Beitrag „Mehr Flexibilität, klare Grenzen: Das ändert sich bei der Arbeitszeitregelung“ genauer beleuchtet.

Sorge vor Überlastung und Leistungseinbußen

Kritiker der Wochenarbeitszeit äußern dagegen deutliche Bedenken. Zwei Drittel (66 Prozent) der Gegner befürchten, dass längere tägliche Arbeitszeiten die Leistungsfähigkeit verringern könnten. Für 61 Prozent steht zudem die gesundheitliche Belastung im Vordergrund. Sie sehen die Gefahr, dass ein zehnstündiger Arbeitstag für viele Beschäftigte auf Dauer nicht zumutbar ist – insbesondere in Berufen mit hoher körperlicher oder emotionaler Beanspruchung.

Vier Tage vor fünf

Gefragt nach konkreten Präferenzen bei der Gestaltung der Arbeitswoche, sprechen sich 37 Prozent der Befragten für das Modell einer Vier-Tage-Woche mit jeweils zehn Stunden Arbeitszeit aus – vorausgesetzt, der Lohn bleibt gleich. Die klassische Fünf-Tage-Woche mit acht Stunden bevorzugen hingegen 28 Prozent. Hauptargumente der Befürworter des Acht-Stunden-Tags sind die begrenzte Konzentrationsfähigkeit (60 Prozent) sowie der Wunsch nach täglicher Freizeit und Familienzeit (gut 40 Prozent). Die Anhänger der Vier-Tage-Woche hingegen nennen vor allem das zusätzliche freie Zeitfenster (80 Prozent) sowie eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben (43 Prozent).

Die Umfrageergebnisse zeigen ein differenziertes, aber insgesamt flexibles Stimmungsbild in der Bevölkerung. Während nicht alle Befragten dem Konzept einer Wochenarbeitszeit zustimmen, ist der Wunsch nach neuen, anpassbaren Arbeitsmodellen deutlich erkennbar. Die Politik dürfte sich durch die Zustimmung in ihrer Reformabsicht bestätigt fühlen. Ob und wie die wöchentliche Höchstarbeitszeit tatsächlich gesetzlich verankert wird, dürfte maßgeblich von der weiteren Diskussion mit Sozialpartnern und Branchenverbänden abhängen.

Ein Signal für arbeitsrechtliche Modernisierung

Die Umfrageergebnisse zeigen ein differenziertes, aber insgesamt flexibles Stimmungsbild in der Bevölkerung. Während nicht alle Befragten dem Konzept einer Wochenarbeitszeit zustimmen, ist der Wunsch nach neuen, anpassbaren Arbeitsmodellen deutlich erkennbar. Die Politik dürfte sich durch die Zustimmung in ihrer Reformabsicht bestätigt fühlen. Ob und wie die wöchentliche Höchstarbeitszeit tatsächlich gesetzlich verankert wird, dürfte maßgeblich von der weiteren Diskussion mit Sozialpartnern und Branchenverbänden abhängen.

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Mitarbeitende beim Ein- und Ausstempeln am digitalen Terminal im Büro – neue Arbeitszeitmodelle setzen auf flexible ZeiterfassunMitarbeitende beim Ein- und Ausstempeln am digitalen Terminal im Büro – neue Arbeitszeitmodelle setzen auf flexible ZeiterfassunExperten
Wirtschaft

Arbeitszeitgesetz 2026: Was die geplante Flexibilisierung für Arbeitnehmer bedeutet

Die Bundesregierung plant eine Reform des Arbeitszeitgesetzes. Ab 2026 soll eine wöchentliche statt tägliche Höchstarbeitszeit gelten. Überblick und Einordnung.
DALL-E
Studien

Arbeitszeiterfassung: Nur drei Viertel der Unternehmen setzen gesetzliche Vorgaben um

Drei Viertel der Unternehmen erfassen inzwischen die Arbeitszeit ihrer Beschäftigten – ein deutlicher Anstieg seit dem Urteil des Bundesarbeitsgerichts. Doch viele Betriebe sehen darin einen bürokratischen Mehraufwand und fordern eine Reform des Arbeitszeitrechts: weniger Kontrolle, mehr Flexibilität und praxisnahe Regeln für die digitale Arbeitswelt.
Die rasante Verbreitung künstlicher Intelligenz verändert Arbeitsprozesse – gleichzeitig wachsen Unsicherheit und neue Anforderungen an Führung und Qualifizierung.Die rasante Verbreitung künstlicher Intelligenz verändert Arbeitsprozesse – gleichzeitig wachsen Unsicherheit und neue Anforderungen an Führung und Qualifizierung.Redaktion experten.de / KI-generiert
Studien

Führung als Engpass der Produktivität – was der Gallup Engagement Index Deutschland 2025 zeigt

Der Gallup Engagement Index Deutschland 2025 zeigt: KI verändert den Arbeitsalltag rasant, doch fehlende Führung bleibt der größte Produktivitätsengpass in Unternehmen.
Was passiert mit Überstunden und was ist steuerlich zu beachten?Was passiert mit Überstunden und was ist steuerlich zu beachten?adobe.stock
Chefsache

Überstundenabgeltung: Was rechtlich und steuerlich gilt

Was passiert mit geleisteten Überstunden? Viele Arbeitnehmer fragen sich gerade zum Ende des Jahres, welche Ansprüche sie haben und was sich steuerlich lohnt. Auch für Unternehmen ist klar geregelter Überstundenausgleich unerlässlich: Ein Überblick über die gängigen Modelle und Fallstricke.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht