Wohngebäudeversicherung: „Preisanstieg zieht sich durch den gesamten Markt“
Eine Wohngebäudeversicherung bleibt ein essenzieller Bestandteil des privaten Risikomanagements. Doch wie steht es um Qualität und Preisentwicklung aktueller Tarife? Das aktuelle Rating von Franke und Bornberg gibt Antworten – und zeigt: Während die Tarifqualität tendenziell steigt, ziehen die Prämien weiter spürbar an. Hintergrund sind massive Schadenkosten, die Versicherer zur Anpassung zwingen.
„Das eigene Haus ist für viele Menschen nicht nur ein Zuhause, sondern auch der mit Abstand größte Vermögenswert. Es unzureichend abzusichern, wäre extrem leichtsinnig“, betont Michael Franke, Gründer und Geschäftsführer der Franke und Bornberg GmbH. Im aktuellen Rating 2025 erreichten 14,3 Prozent der untersuchten Tarife die Bestnote „FFF+ hervorragend“. Im Vorjahr waren es lediglich zehn Prozent. Damit zeigt sich eine moderate Verbesserung, doch rund 13 Prozent der Tarife erhielten nur die Bewertung „mangelhaft“ oder „ungenügend“.
Große Unterschiede bei Leistungen und Tariftiefe
Wohngebäudetarife sind häufig in mehrere Leistungsstufen gegliedert – von Basis- bis Premiumschutz. Hinzu kommen Bausteine wie Photovoltaik, nachhaltige Sanierung oder erweiterte Elementarschäden. Die Spanne bei Leistungsinhalten ist groß, was Auswahl und Vergleich für Kunden und Vermittler erschwert.
Auffällig: Viele Top-Tarife sind relativ neu am Markt. Michael Franke rät daher zu regelmäßiger Überprüfung bestehender Policen: „Kunden und Vermittler sollten regelmäßig prüfen, ob Versicherungsumfang und versicherte Leistungen noch zeitgemäß sind.“
Echte Innovationen bleiben selten
Der Fortschritt bei Leistungsmerkmalen fällt verhalten aus. „Echte Mehrleistungen kosten Geld und würden die Tarife noch teurer machen“, erklärt Franke. Zu den wenigen nennenswerten Innovationen zählt der integrierte Schutz für Photovoltaikanlagen, der mittlerweile bei hochwertigen Tarifen zum Standard gehört – teilweise auch mit ergänzender Deckung für Ertragsausfall oder technische Schäden.
Viele Schwächen bei niedrig bewerteten Tarifen
Tarife mit der Bewertung „FF befriedigend“ oder schlechter patzen laut Rating häufig bei folgenden Punkten:
- Schäden durch Tiere, Graffiti und Vandalismus
- Diebstahl von Zubehör wie Wärmepumpen
- Hotelkosten im Schadenfall
- unzureichender Schutz bei Versichererwechsel
- fehlende Leistungen bei Seng- und Schmorschäden
- Baumfäll- und Wiederaufforstungskosten nach Sturm
- Preisentwicklung: Versicherer reagieren auf Verluste
Die Schadenaufwendungen in der Sparte stiegen zwischen 2022 und 2024 von 7,7 auf 9,7 Milliarden Euro. Dies zwingt Anbieter zum Handeln. „Der Preisanstieg zieht sich durch den gesamten Markt“, sagt Christian Monke, Leiter Ratings Gesundheit und Private Risiken bei Franke und Bornberg. „Nach anfänglichem Zögern haben viele Unternehmen ihre WGV-Prämien jetzt deutlich heraufgesetzt, auch über den Anpassungsfaktor hinaus. So wollen sie in absehbarer Zeit aus der Verlustzone kommen.“
Für ein Beispielobjekt in Hannover kostet ein Top-Schutz mit Elementardeckung inzwischen zwischen 500 und 900 Euro pro Jahr – 50 Euro mehr als noch 2024.
Nachhaltigkeit als Zusatznutzen – mit Luft nach oben
Nachhaltige Leistungen wie die Übernahme von Mehrkosten für energetische Sanierung, umweltfreundliche Baustoffe oder Energieberatung gewinnen an Bedeutung. Versicherer bieten hierfür Deckungen von 5.000 bis 50.000 Euro, manche sogar bis zur Versicherungssumme. Doch es geht mehr, findet Monke: „Schäden zu verhindern oder deren Folgen zu begrenzen, ist immer nachhaltig. Doch viele Versicherer lassen Chancen zur Prävention noch verstreichen.“ Nachlässe für Schutzmaßnahmen oder senkbare Selbstbehalte bei Schadenvermeidung seien bislang selten.
Qualität steigt – aber Kunden müssen genauer hinschauen
Mehr Top-Tarife, aber auch weiter große Leistungsunterschiede und steigende Prämien: So lässt sich die Marktsituation der Wohngebäudeversicherung 2025 zusammenfassen. Franke und Bornberg empfiehlt Kunden und Vermittlern, bestehende Verträge regelmäßig zu überprüfen und auf neue Tarifgenerationen umzustellen, wenn diese bessere Leistungen bei vergleichbarem Preis bieten.
Das vollständige Rating inklusive Bewertungsrichtlinien ist auf der Website von Franke und Bornberg abrufbar.
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