Mehr Bürokratie statt Klarheit? EU-Pläne sorgen für Verunsicherung bei Versicherern

Veröffentlichung: 19.03.2025, 09:03 Uhr - Lesezeit 4 Minuten

Die EU-Kleinanlegerstrategie soll private Kleinanleger ermutigen, doch die aktuellen Vorschläge drohen, das Gegenteil zu bewirken. Versicherer sehen sich mit steigenden Kosten und unklaren Anforderungen konfrontiert. Der Versicherer-Verband GDV fordert deshalb pragmatische Lösungen in den Trilog-Verhandlungen.

(PDF)
In Brüssel laufen die Verhandlungen zur Kleinanleger-Strategie. Die Versicherer teilen zwar die Ziele, befürchten aber steigenden bürokratischen Aufwand (Symbolbild).In Brüssel laufen die Verhandlungen zur Kleinanleger-Strategie. Die Versicherer teilen zwar die Ziele, befürchten aber steigenden bürokratischen Aufwand (Symbolbild).Grok

In Brüssel finden derzeit die Trilog-Verhandlungen zur EU-Kleinanlegerstrategie statt. Deren Ziel: private Anleger sollen stärker an den Kapitalmärkten beteiligt werden, Vertrauen gefördert und Investitionen attraktiver werden. Doch während Versicherer dieses Ziel grundsätzlich unterstützen, warnen sie vor einer praxisfernen Umsetzung, die das Gegenteil bewirken könnte. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) fordert daher pragmatische Lösungen, die Verbrauchern und Unternehmen gleichermaßen zugutekommen.

Statt die Kapitalanlage zu vereinfachen, droht eine Überregulierung, die vor allem Versicherer belastet und am Ende auch die Kunden trifft. Die geplanten neuen Regelungen könnten erhebliche Zusatzkosten für die Branche verursachen, ohne erkennbaren Mehrwert für Kleinanleger zu schaffen.

Eine der größten Sorgen der Versicherer ist die steigende Bürokratielast. Neue Dokumentations-, Reporting- und Aufbewahrungspflichten würden den Verwaltungsaufwand erheblich steigern. Dadurch könnten Produktentwicklung und Beratung erschwert und letztlich verteuert werden. Besonders problematisch ist aus Sicht der Branche, dass viele wichtige Details erst in späteren Verordnungen und technischen Standards festgelegt werden sollen.

Lange Phasen der Unsicherheit erschweren eine verlässliche Planung. Versicherer wissen nicht, welche konkreten Anforderungen sie erfüllen müssen“, warnt der GDV. Dies mache es für Unternehmen nahezu unmöglich, sich rechtzeitig auf die neuen Vorgaben einzustellen. Besonders problematisch sehen die Versicherer die Umsetzungsfristen der geplanten Regulierung. Wenn Unternehmen neue Vorschriften einhalten sollen, bevor alle Detailregelungen feststehen, führt das zu unnötigem Zeitdruck und Risiken für die Produktverfügbarkeit.

Der GDV fordert daher:

  • Eine klare, abschließende Regelung direkt in der Richtlinie, anstatt nachträglicher Anpassungen durch zusätzliche Verordnungen.
  • Eine Verhältnismäßigkeit der neuen Vorgaben, insbesondere bei Reporting- und Dokumentationspflichten.
  • Praxistaugliche Umsetzungsfristen, die erst dann starten, wenn alle Details endgültig geregelt sind.
(PDF)

LESEN SIE AUCH

Bastian Roeder und Ralf Berndt, beide Vorstände der BCA AG.Bastian Roeder und Ralf Berndt, beide Vorstände der BCA AG.BCA AG
Kommentar

Lebensversicherung: Warum sich der Vertrieb wandeln muss

Regulatorische Vorgaben, Kostendruck und veränderte Kundenpräferenzen stellen den Vertrieb von Lebens- und Rentenversicherungen vor einen tiefgreifenden Wandel. In ihrem Kommentar zeigen Ralf Berndt und Bastian Roeder, beide Vorstände der BCA AG, warum der Erfolg künftig von Effizienz, Kooperation und digitaler Beratungskompetenz abhängen wird.
GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen auf einer GDV-Konferenz 2022 (Archiv).GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen auf einer GDV-Konferenz 2022 (Archiv).GDV
International

Privates Kapital für Europa: Versicherer unterstützen Pläne für EU-Label

Die EU will privates Kapital mobilisieren – mit einem neuen Label für Finanzprodukte. Doch was genau steckt dahinter, und warum setzen Versicherer dabei auf die Lebensversicherung?
Marode Brücken, überlastete Schienennetze und sanierungsbedürftige Wasserstraßen gefährden die wirtschaftliche Zukunft des Landes.Marode Brücken, überlastete Schienennetze und sanierungsbedürftige Wasserstraßen gefährden die wirtschaftliche Zukunft des Landes.Grok
Politik

Infrastrukturprojekte: Versicherer wollen mehr Verantwortung übernehmen

Deutschland braucht neue Straßen, sichere Brücken und moderne Bahntrassen – doch vielerorts fehlt es an Tempo und Geld. Das vom Bundestag beschlossene Sondervermögen für die Verkehrsinfrastruktur wird vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ausdrücklich begrüßt. Gleichzeitig mahnt der Verband an, privates Kapital stärker in die Umsetzung öffentlicher Bauprojekte einzubeziehen.
Franziska Geusen, Vorständin des AfWFranziska Geusen, Vorständin des AfWAfW
Studien

Gewerbekunden? Lieber nicht!

Die zunehmende Komplexität bei Produkten, fehlender Service und wachsende Frustration: Immer mehr Vermittlerinnen und Vermittler meiden das Gewerbegeschäft. Das zeigt das aktuelle Vermittlerbarometer des AfW – und birgt zugleich Chancen für Versicherer.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht