Sechs Mythen der Dividendenstrategie: Worauf Anleger achten sollten

Veröffentlichung: 06.03.2025, 05:03 Uhr - Lesezeit 4 Minuten

Die Dividendensaison im deutschen Leitindex DAX beginnt – ein guter Zeitpunkt, sich mit den häufigsten Irrtümern rund um Dividendenaktien auseinanderzusetzen. Benjardin Gärtner, Leiter Portfoliomanagement Aktien bei Union Investment, erläutert in seinem Gastbeitrag, welche Mythen Anleger kennen sollten.

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Benjardin Gärtner, Leiter Portfoliomanagement Aktien bei Union InvestmentBenjardin Gärtner, Leiter Portfoliomanagement Aktien bei Union InvestmentUnion Investment

Angesichts wieder sinkender Leitzinsen kann es für Anleger interessant sein, in Aktien mit hohen Dividendenrenditen zu investieren. Doch so attraktiv eine hohe Rendite ist, blind loszukaufen empfiehlt sich nicht.

Mythos 1: Dividendentitel bieten Ertrag bei weniger Risiko

Eine verbreitete Vorstellung ist, dass Unternehmen mit hohen Ausschüttungen oft reife und wenig zyklische Geschäftsmodelle haben. Damit verbunden ist die Erwartung, eine Dividendenstrategie sei weniger schwankungsanfällig als etwa die Anlage in Wachstumstitel. Dem ist nicht so. Das Chance-Risiko-Profil einer Dividendenstrategie ist verglichen mit Wachstumsaktien nicht vorteilhafter. Das zeigt die so genannte Sharpe Ratio. Diese Kennzahl misst, wie stark ein Anleger für das Eingehen von Risiken belohnt wird. Je höher sie ist, desto eher werden eingegangene Risiken „belohnt“. In den letzten sechs Jahren lag die Sharpe Ratio des MSCI Europe High Dividend Yield-Index etwas unter 0,8, während sie für den MSCI Europe Growth Index etwas darüber lag. Auch über einen längeren Zeitraum ab 2007 – also noch vor der Finanzkrise 2008/09 – liegt Growth leicht vorn. Das gleiche Ergebnis zeigt sich bei einem Blick auf US-Werte.

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Umgekehrt stehen aber Dividendenperlen den Wachstumsaktien in nichts nach, was das Risiko von Kursrückschlägen betrifft. Das lässt sich gut am sogenannten Maximum Drawdown ablesen, der zeigt, wie hoch der maximale Kursverlust innerhalb eines bestimmten Zeitraums war. Der Vergleich belegt, dass Dividendenperlen höhere Kursverluste als Wachstumsaktien erleiden können. Das überrascht, sind doch Wachstumsaktien grundsätzlich höheren Bewertungsrisiken etwa aufgrund von Zinsveränderungen ausgesetzt. Der Grund ist, dass ein Großteil ihrer Gewinne erst weit in der Zukunft erwirtschaftet wird. Das ist bei den Dividendenaristokraten nicht der Fall. Für den Anleger heißt das: Wer auf regelmäßige Ausschüttungen setzt, muss womöglich ein etwas weniger vorteilhaftes Chance-Risiko-Profil in Kauf nehmen. Zumindest zeigt dies der Blick in den Rückspiegel.

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