Anlegervertrauen wächst: Aktien und Fonds so beliebt wie nie
Das von der Bundesregierung beschlossene Investitionsprogramm wird von vielen Bürgern eher als Konjunkturspritze denn als direkte Entlastung empfunden. Für die eigene Finanzlage erwarten die meisten keine Besserung. Gleichzeitig steigt die Attraktivität von Aktien und Fonds auf Rekordniveau – vor allem bei jüngeren Sparern.
Sondervermögen schafft Impulse – aber nicht für den Geldbeutel
Laut Anlegerbarometer von Union Investment sind 61 Prozent der Befragten überzeugt, dass das Investitionsprogramm die wirtschaftliche Situation in Deutschland „etwas“ verbessern wird. Acht Prozent erwarten sogar deutliche Fortschritte, während 27 Prozent keine Effekte sehen. Für den eigenen Geldbeutel allerdings rechnet eine überwältigende Mehrheit (80 Prozent) nicht mit Verbesserungen.
Anders fällt die Einschätzung für Kapitalanlagen aus: 43 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass Aktien und Investmentfonds durch die Maßnahmen profitieren. „Das noch vom letzten Bundestag verabschiedete Sondervermögen setzt wichtige Impulse für Infrastruktur- und Transformationsprojekte – davon profitieren die Auftragsbücher der Unternehmen und bieten Anlegerinnen und Anlegern langfristige Chancen, wenn sie entsprechend investiert sind“, sagt Kerstin Knoefel, Leiterin des Privatkundensegments von Union Investment.
Stabile Finanzen, stabiles Sparverhalten
Während die Erwartungen an das Investitionsprogramm für den Privatbereich gedämpft sind, bleibt der Blick auf die eigenen Finanzen stabil. 61 Prozent erwarten im nächsten halben Jahr keine Veränderung ihrer persönlichen Situation, 24 Prozent hoffen auf Verbesserungen. Das Sparverhalten zeigt sich weitgehend unverändert: Fast sechs von zehn Befragten wollen ihre Gewohnheiten nicht ändern, knapp ein Drittel plant, künftig mehr zu sparen.
Aktienanlagen auf Rekordniveau
Besonders auffällig ist die Entwicklung der Kapitalmarktpräferenzen. Mehr als die Hälfte der Befragten (52 Prozent) findet das Sparen mit Aktien attraktiv – ein Höchstwert in der Historie der Umfrage. Investmentfonds folgen mit 51 Prozent dicht dahinter. Nur Immobilien werden von den Befragten noch häufiger genannt (67 Prozent). Tagesgeld erreicht mit 47 Prozent den vierten Platz.
Die Analyse von Bundesbankdaten durch Prof. Oscar A. Stolper (Universität Marburg) bestätigt diesen Trend: Zum Jahresende 2024 stiegen die Investmentfondsbestände privater Haushalte um 205 Milliarden Euro auf insgesamt 1.167 Milliarden Euro – stärker als der Zuwachs bei Bargeld, Einlagen und Anleihen zusammen. Auch der Bestand in börsennotierten Aktien erreichte mit 590 Milliarden Euro einen Rekordwert.
Junge Erwachsene als Treiber der Aktienkultur
Vor allem junge Erwachsene zwischen 20 und 29 Jahren prägen den Aufwärtstrend. Zwei Drittel dieser Gruppe finden Aktien attraktiv, 58 Prozent Investmentfonds. Damit treibt die junge Generation die Aktienkultur in Deutschland spürbar an. „Junge Erwachsene geben der Aktienkultur spürbar Rückenwind: Viele blicken nicht nur auf ihre Sparleistung, sondern auch darauf, welcher Ertrag sich daraus ergibt – ein wichtiger Schritt zur langfristigen Vermögensbildung", so Knöfel.
Gender-Gap beim Investieren
Ein deutlicher Unterschied zeigt sich zwischen Männern und Frauen: Während 41 Prozent der Männer den Kapitalmarkt als Sparziel nennen, sind es nur 22 Prozent der Frauen. Frauen legen stattdessen größeren Wert auf Rücklagen für größere Ausgaben (75 Prozent vs. 62 Prozent bei Männern) oder Notfälle (86 Prozent vs. 77 Prozent). Entsprechend investieren signifikant mehr Männer in Aktien (48 Prozent) und Fonds (71 Prozent) als Frauen (26 Prozent bzw. 64 Prozent).
Methodik:
Für die repräsentative Befragung im Mai 2025 interviewte Forsa im Auftrag von Union Investment 1.006 Personen zwischen 20 und 59 Jahren, die über Finanzen im Haushalt entscheiden und mindestens eine Geldanlage besitzen. Ergänzende Daten stammen aus einer Sonderauswertung der Bundesbankzahlen (Stichtag 31.12.2024) durch Prof. Oscar A. Stolper.
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