86 Prozent der Deutschen fordern Reform des Krankenversicherungssystems

Veröffentlichung: 15.01.2025, 15:01 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Steigende Beiträge und strukturelle Probleme belasten das deutsche Krankenversicherungssystem zunehmend. Eine Finanztip-Umfrage zeigt: Die Mehrheit der Deutschen fordert Veränderungen. Finanztip-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen nennt drei konkrete Reformansätze, um die gesetzliche Krankenversicherung langfristig zu stabilisieren.

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Die Mehrheit der Deutschen will Reformen im Gesundheitswesen. Welche Ansätze dafür diskutiert werden, skizziert Finanztip-Cehfredakteur Hermann-Josef Tenhagen.Die Mehrheit der Deutschen will Reformen im Gesundheitswesen. Welche Ansätze dafür diskutiert werden, skizziert Finanztip-Cehfredakteur Hermann-Josef Tenhagen.DALL-E

Das deutsche Krankenversicherungssystem steht unter Druck: Stark steigende Beiträge, wachsende Kosten durch politische Entscheidungen und eine alternde Gesellschaft belasten die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) massiv. Eine aktuelle Umfrage von Finanztip zeigt, dass 86 Prozent der Deutschen eine Reform des Krankenversicherungssystems fordern – unabhängig davon, ob sie gesetzlich oder privat versichert sind.

Laut Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur des Geldratgebers Finanztip, gibt es drei zentrale Reformansätze, um das System langfristig zu stabilisieren:

1. Mehr staatliche Finanzierung statt steigender Beiträge

„Wenn politische Entscheidungen, wie etwa die Krankenhausreform, zusätzliche Kosten im Gesundheitswesen verursachen, sollten diese aus Steuermitteln finanziert werden“, fordert Tenhagen. Ob dies über höhere Steuern, neue Schulden oder Umschichtungen im Haushalt geschehe, müsse die Politik entscheiden. Auch die vollständige Finanzierung der Versicherungskosten für Bürgergeld-Beziehende durch den Staat sei ein wichtiger Schritt.

2. Effizientere Krankenkassen

Finanztip vergleicht regelmäßig die Leistungen und Beitragssätze der Krankenkassen. Das Ergebnis: Zwischen teuren und günstigen Anbietern liegen Beitragssatz-Unterschiede von bis zu 2,5 Prozentpunkten – was einem zweistelligen Milliardenbetrag entspricht. „Versicherte sollten einen Kassenwechsel in Betracht ziehen, um Kosten zu sparen, da nicht alle Krankenkassen effizient arbeiten“, so Tenhagen.

3. Zusätzliche Beitragszahler und faire Verteilung

Seit Jahrzehnten wird diskutiert, ob Beamte in die gesetzliche Krankenversicherung eingebunden werden sollten. Dies würde die Einnahmen der GKV erhöhen und Privilegien reduzieren. Darüber hinaus könnten auch Pflichtversicherte stärker einbezogen werden: „Warum zahlen Angestellte mit 5.000 Euro Kapitaleinkünften im Jahr keine Krankenkassenbeiträge, während Boni und Betriebsrenten belastet werden?“, fragt Tenhagen. Eine Reform müsse sicherstellen, dass die Finanzierung nach Leistungsfähigkeit fairer gestaltet wird.

Umfrageergebnisse: Unzufriedenheit über Ungleichheit und hohe Beiträge

Die Umfrage zeigt, dass die Deutschen vor allem folgende Probleme im Krankenversicherungssystem sehen:

  • Ungleichheit zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung: 48 %
  • Lange Wartezeiten auf Arzttermine: 45 %
  • Hohe Beiträge: 42 %

Die Belastungen der Versicherten steigen weiter. Nach Finanztip-Berechnungen können die Beiträge für viele Versicherte um bis zu 313 Euro pro Jahr höher ausfallen. Zudem wird bereits jetzt mit weiteren Preissteigerungen für 2026 gerechnet. Der Chef der Techniker Krankenkasse prognostiziert Kassenbeiträge von bis zu 20 Prozent.

Die Ergebnisse der Umfrage unterstreichen den Reformbedarf im deutschen Krankenversicherungssystem. „Die Belastung der Versicherten ist nicht mehr tragbar. Eine grundlegende Reform ist unausweichlich“, resümiert Tenhagen. Dabei müsse die Politik Verantwortung übernehmen und Lösungen finden, um langfristige Stabilität zu gewährleisten.

Über die Studie:

Die Umfragedaten beruhen auf einer Online-Befragung von Innofact im Auftrag von Finanztip, an der im Dezember 2024 1.019 Personen teilgenommen haben. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren. Mit einer Screening-Frage wurden die Ergebnisse für gesetzlich Krankenversicherte, beitragsfrei gesetzlich Krankenversicherte (jeweils mit und ohne private Zusatzversicherungen) sowie privat Krankenversicherte ausgewertet.

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