Rückzahlung von Corona-Hilfen: „Die Schuldenbremse darf keine Ausrede sein“

Veröffentlichung: 08.10.2024, 10:10 Uhr - Lesezeit 4 Minuten

Die DAK-Gesundheit fordert eine Rückzahlung von sechs Milliarden Euro Corona-Hilfen an die Pflegeversicherung, um eine drohende Beitragserhöhung zu verhindern. Ein Rechtsgutachten bestätigt, dass die Nutzung von Pflegebeiträgen für pandemiebedingte Maßnahmen verfassungswidrig war.

(PDF)
cms.lfonrDAK-Gesundheit/Läufer

Die DAK-Gesundheit fordert von der Bundesregierung die Rückzahlung von sechs Milliarden Euro an die Pflegeversicherung, um eine drohende Beitragserhöhung im Jahr 2025 zu verhindern. Ein im Auftrag der Kasse erstelltes Rechtsgutachten zeigt auf, dass die Verwendung von Beitragsgeldern für Corona-Maßnahmen verfassungswidrig war. DAK-Vorstand Andreas Storm mahnt die Regierung zur Eile: „Die Schuldenbremse darf nicht als Ausrede für rechtswidriges Handeln zulasten der Pflegeversicherung dienen. Eine Beitragserhöhung muss unbedingt vermieden werden.“

Laut Gutachten wurden den Pflegekassen im Zuge der Pandemie gesetzliche Zahlungsverpflichtungen auferlegt, die nicht der Pflegeversicherung, sondern gesamtgesellschaftlichen Aufgaben dienten. Finanziert wurden diese Maßnahmen vor allem aus den Rücklagen der Pflegeversicherung, was laut Prof. Dr. Dagmar Felix (Universität Hamburg) eine Zweckentfremdung von Beitragsgeldern darstellt.

„Verfassungswidrige Zweckentfremdung“

Das Gutachten betont, dass Sozialversicherungsbeiträge streng zweckgebunden sind und ausschließlich für den Schutz der Beitragszahler verwendet werden dürfen. „Ein Zugriff auf Sozialversicherungsbeiträge ist verwehrt, weil ansonsten Sozialversicherungsbeiträge zur Finanzierung des allgemeinen Staatshaushalts verwendet würden“, so Felix. Insbesondere die Corona-Tests in Pflegeheimen und die Pflege-Boni seien gesamtgesellschaftliche Aufgaben, die aus Steuermitteln hätten finanziert werden müssen. Die Verwendung der Gelder sei verfassungswidrig und müsse dringend korrigiert werden.

Zahlungsunfähigkeit der Pflegeversicherung droht

Ohne die Rückzahlung der Corona-Hilfen könnte die Pflegeversicherung in wenigen Monaten zahlungsunfähig werden, warnt Andreas Storm. Ein Beitragsanstieg um 0,3 Prozentpunkte sei ohne die Finanzspritze unausweichlich. Bislang wurden von den versprochenen Steuermitteln nur 5,5 Milliarden Euro ausgezahlt – weniger als die Hälfte der entstandenen Kosten.

„Wenn die Rückzahlung nicht umgehend erfolgt, ist dies verfassungswidrig und hätte fatale Folgen“, so Storm weiter. Er fordert die Bundesregierung auf, die zugesagten Mittel rasch bereitzustellen, um die Beitragserhöhung zu verhindern und der Pflegeversicherung Zeit für die angekündigte große Pflegereform zu verschaffen, die 2026 starten soll.

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Die gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen sehen auf Versicherte und Arbeitgeber massive Mehrbelastungen zukommen.Die gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen sehen auf Versicherte und Arbeitgeber massive Mehrbelastungen zukommen.DALL-E
Politik

Krankenkassen warnen vor Beitrags-Tsunami: Scharfe Kritik an der Gesundheitspolitik des Koalitionsvertrags

Die GKV warnt vor einem Beitrags-Tsunami: Die Spitzen der gesetzlichen Krankenkassen üben deutliche Kritik am Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD. Es drohen massive Beitragssteigerungen – bereits 2025.
Die Expertenkommission fordert strengere Regeln für digitale Plattformen. Die eigentliche Herausforderung liegt jedoch im Gesundheitswesen, das die Folgen auffangen soll.Die Expertenkommission fordert strengere Regeln für digitale Plattformen. Die eigentliche Herausforderung liegt jedoch im Gesundheitswesen, das die Folgen auffangen soll.Experten
Politik

Der digitale Kinderschutz wird zum Stresstest für das Gesundheitssystem

Die Expertenkommission zum digitalen Kinder- und Jugendschutz fordert mehr Prävention, Regulierung und Versorgung. Der Bericht zeigt erhebliche Belastungen für das Gesundheitssystem auf.
GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg AsmussenGDV-Hauptgeschäftsführer Jörg AsmussenGDV
Politik

Rentenkommission löst erste Grundsatzdebatte aus: Wer soll die Kapitalrente verwalten?

Noch bevor der Abschlussbericht der Rentenkommission offiziell vorgestellt wurde, formiert sich Widerstand gegen zentrale Vorschläge. Während Versicherer und Vermittler mehr Kapitaldeckung in der Altersvorsorge grundsätzlich begrüßen, warnen sie vor einer zu starken Konzentration neuer Vorsorgeelemente beim Staat. Im Mittelpunkt der Debatte stehen die geplante Kapitalrente, die Zukunft der Frühstart-Rente und die Rolle privater Anbieter.
Die Rentenkommission hat die Reformdebatte eröffnet. Nun beginnt der politische Konflikt darüber, wer die Kosten des demografischen Wandels tragen soll.Die Rentenkommission hat die Reformdebatte eröffnet. Nun beginnt der politische Konflikt darüber, wer die Kosten des demografischen Wandels tragen soll.Experten/ KI
Fürs Alter

Rentenkommission verschiebt die Rentendebatte – vom Leistungsversprechen zur Finanzierungsfrage

Die Vorschläge der Rentenkommission spalten Parteien, Gewerkschaften und Ökonomen. Im Zentrum stehen Rentenalter, Kapitaldeckung und Generationengerechtigkeit.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Nicht laut, aber immer noch relevant"
Ausgabe 05/26

"Nicht laut, aber immer noch relevant"

Wibke Becker - Generalbevollmächtigte & Leiterin Maklervertrieb - Continentale - Mannheimer - EUROPA
"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht