BVI-Studie zur Fondsrente: Versicherer üben deutliche Kritik
“Grundsätzlich sind die BVI-Berechnungen äußerst problematisch, weil sie auf sehr optimistischen, zum Teil auch falschen Annahmen bezüglich der Sterblichkeit sowie des Kapitalmarktes beruhen”, so Norbert Rollinger, Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) und Vorstandsvorsitzender der R+V Versicherung. „Die Annahmen gehen sowohl an der Wirtschafts- als auch an der Lebensrealität vorbei. Wenn sich ältere Menschen darauf verlassen, stehen sie womöglich ohne Zusatz-Rente da“, so auch GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen.
Auch die in der Studie gewählte Bezeichnung „Fondsrente“ ist irreführend. Es handelt sich schlicht um einen Fonds-Auszahlplan. Dagegen ist eine echte Alters-Rente eine garantierte, meist monatliche Zahlung während des Ruhestandes bis ans Lebensende. So ist es in der gesetzlichen Rentenversicherung, der betrieblichen Altersversorgung und in der geförderten privaten Altersvorsorge, die aktuell noch Riester-Rente heißt. „Es werden Äpfel mit Birnen verglichen. Das täuscht Sparerinnen und Sparer, die sich auf garantiert lebenslange Auszahlungen verlassen möchten. Die verlässliche Finanzierung lebenslanger Grundbedürfnisse, das ist unser gesellschaftlicher Anspruch als Lebensversicherer “, so Katja de la Viña, Vorsitzende des GDV-Präsidialausschusses Altersvorsorge und Zukunftssicherung und CEO der Allianz Lebensversicherung.
Kritik an unrealistischen Annahmen des BVI
Der GDV hat die Annahmen des BVI überprüft und stellt fest, dass der BVI mit sehr hohen Renditen und einer verkürzten Lebenserwartung rechnet. So entsteht der falsche Eindruck, dass das Geld in den meisten Fällen bis zum Lebensende reiche. Die Annahme, dass die deutschen Staatsanleihen (REXP ca. 4,5 Prozent) und Aktien (DAX ca. 9,3 Prozent) dieselben Renditen wie in den letzten 30 Jahren erzielen, ist sehr optimistisch. Zudem wird dauerhaft die Sterblichkeit der Coronaphase zugrunde gelegt. Am 21. August 2024 hat das Statistische Bundesamt jedoch neue Daten vorgelegt. Danach ist die Lebenserwartung zuletzt bei beiden Geschlechtern im Vergleich zum Vorjahr um etwa 0,4 Jahre angestiegen. Die verwendete aktuelle statistische Sterbewahrscheinlichkeit berücksichtigt nicht, dass die Lebenserwartung etwa aufgrund des medizinischen Fortschritts noch weiter ansteigen wird. Der BVI berechnet, dass das Geld in über 95,7 Prozent der Fälle lebenslang ausreicht.
„Das stimmt so nicht, denn: Zwei Drittel der Frauen und mehr als die Hälfte der Männer dürfen damit rechnen, in Zukunft das Alter von 85 deutlich zu überschreiten: Dann reicht ein Auszahlungsplan nicht aus, um die Lücken aus der gesetzlichen Rente zu schließen. Wichtig ist daher eine lebenslange Rente, die das Einkommen auch im hohen Alter sichert“, so Katja de la Viña.
Position der Lebensversicherer
Die von der Bundesregierung eingesetzte Fokusgruppe zur Reform der privaten Altersvorsorge hat ihre Empfehlungen ausgesprochen. Eine Reform der privaten Altersvorsorge soll nach den Plänen der Bundesregierung bis zum Ende der Legislatur umgesetzt werden. Aus Sicht der Versicherer wird die Bedeutung von lebenslangen Renten und Mindestgarantien unterschätzt. Eine sichere Rente bis zum Lebensende ist das zentrale Versprechen der Rentenversicherer.
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