Neue Gefahrstoffverordnung belastet Versicherer zusätzlich

Veröffentlichung: 29.08.2024, 07:08 Uhr - Lesezeit 4 Minuten

Photo credit: depositphotos.com

(PDF)
disinfector holding chemical sprayer and other equipment for sterilizationdisinfector holding chemical sprayer and other equipment for sterilization

Die neue Gefahrstoffverordnung verpflichtet vor der Sanierung älterer Gebäude zu Asbestprüfungen. Das hat Konsequenzen für die Wohngebäudeversicherer – indirekt auch für die Kunden.

Mit den geplanten Änderungen der Gefahrstoffverordnung kommen hohe Kosten auf die Wohngebäudeversicherer zu. Vorgesehen ist unter anderem, dass vor Reparaturen in Gebäuden unter bestimmten Voraussetzungen Asbestprüfungen durchgeführt werden müssen. „Allein durch Untersuchungen, ob Asbest im Gebäude ist, erwarten wir für die Wohngebäudeversicherer Mehrkosten von voraussichtlich über 190 Millionen Euro im Jahr“, sagt Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Diese Kosten werden die Prämien für die Wohngebäudeversicherung zusätzlich belasten.

Nach den Plänen der Bundesregierung soll die Gefahrstoffverordnung zu einem besseren Arbeits- und Gesundheitsschutz im Umgang mit Asbest führen. In Gebäuden, deren Baubeginn vor dem Asbestverbot im Jahr 1993 liegt, kann unter Umständen Asbest vorhanden sein. Deshalb dürfen Sanierungsmaßnahmen und wichtige Reparaturen an der Bausubstanz erst nach einer Gefährdungsbeurteilung durchgeführt werden. Betroffen wären drei Viertel des deutschen Wohnungsbestandes, also etwa 34 Millionen Wohnungen.

Umsetzung der Verordnung schwierig

Die praktische Umsetzung der Verordnung sieht Asmussen kritisch. „Es fehlen Fachkräfte und Labore, dadurch entstehen Wartezeiten und die Schadenbehebung am Gebäude verzögert sich”, so der GDV-Hauptgeschäftsführer. Aber gerade der Faktor Zeit spiele bei der Schadenregulierung eine entscheidende Rolle. Zeitliche Verzögerungen könnten dazu führen, dass die Versicherer in vielen Fällen praktisch handlungsunfähig würden. „Nur wenn Versicherer und ihre Dienstleister schnell auf Schadenmeldungen reagieren, kann das Ausmaß des Schadens begrenzt und die Kosten minimiert werden”, sagt Asmussen. Wird beispielsweise ein Leck bei einem Leitungswasserschaden nicht zügig gefunden und repariert, könne es zu Folgeschäden wie Schimmelbefall kommen und sich der Schaden ohne Not vergrößern.

Asbestprüfung durch anerkannte emissionsarme Verfahren

Beim Umgang mit Asbest könnten nach Ansicht der Versicherer anerkannte emissionsarme Verfahren (BT-Verfahren) eingesetzt werden. Dadurch könnten Instandhaltungsarbeiten oder kleinere Sanierungsarbeiten bei festgebundenem Asbest zügig durchgeführt werden. Für bestimmte Anwendungsfälle müssten solche BT-Verfahren aber erst noch entwickelt, erprobt und anerkannt werden. Die Anerkennung von Verfahren läuft in Deutschland allerdings nur schleppend. Daher appellieren die Versicherer an die Verantwortlichen, zusätzliche Übergangsfristen zumindest für die Behebung von akuten Schäden festzulegen. Zugleich fordern die Versicherer die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) auf, die Anerkennung emissionsarmer Verfahren zu beschleunigen und die damit verbundenen Verfahren zu vereinfachen. Voraussichtlich im Oktober berät der Bundesrat über die Gefahrstoffverordnung. Das eigentlich für das vierte Quartal geplante Inkrafttreten zieht sich damit weiter hin.

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Der Tornado in Glückstadt zeigt eindrucksvoll, welche Schäden Extremwetter innerhalb weniger Minuten verursachen kann.Der Tornado in Glückstadt zeigt eindrucksvoll, welche Schäden Extremwetter innerhalb weniger Minuten verursachen kann.Redaktion experten.de / KI-generiert
4 Wände

Tornado in Glückstadt: Welche Versicherung zahlt bei Sturmschäden?

Ein Tornado hat in Glückstadt Dutzende Gebäude beschädigt und Schäden in Millionenhöhe verursacht. Doch welche Versicherung übernimmt die Kosten für zerstörte Dächer oder umherfliegende Gebäudeteile?
Flugzeugabstürze auf Wohnhäuser gehören zu den außergewöhnlichsten Schadenereignissen in der Wohngebäudeversicherung.Flugzeugabstürze auf Wohnhäuser gehören zu den außergewöhnlichsten Schadenereignissen in der Wohngebäudeversicherung.Redaktion experten.de / KI-generiert
4 Wände

Flugzeug stürzt auf Wohnhaus: Warum die Wohngebäudeversicherung die Schadenregulierung beschleunigen kann

Der Absturz eines Kleinflugzeugs auf ein Wohnhaus in Korschenbroich wirft neben der Unfallursache auch versicherungsrechtliche Fragen auf. Welche Versicherung reguliert den Gebäudeschaden, warum kann die Wohngebäudeversicherung die Schadenabwicklung beschleunigen
Dr. Per-Johan Horgby, Mitglied des Vorstands der Württembergischen Versicherung AGDr. Per-Johan Horgby, Mitglied des Vorstands der Württembergischen Versicherung AGWürttembergischen Versicherung AG
4 Wände

Wohngebäudeversicherung: „Bestandssanierung ist auch Führungsaufgabe“

Ein vergleichsweise ruhiges Naturgefahrenjahr hat die Wohngebäudeversicherung 2025 spürbar entlastet. Doch nach Einschätzung von Simon-Kucher wäre es ein Fehler, die verbesserten Ergebnisse als nachhaltige Trendwende zu interpretieren. Viele Bestände gelten weiterhin als strukturell unterkalkuliert.
Versicherungsschutz gegen Elementarschäden gewinnt angesichts zunehmender Starkregen- und Hochwasserereignisse an Bedeutung. Experten betonen jedoch, dass langfristiger Schutz nur durch die Kombination aus Versicherung, Prävention und kommunaler Vorsorge erreicht werden kann.Versicherungsschutz gegen Elementarschäden gewinnt angesichts zunehmender Starkregen- und Hochwasserereignisse an Bedeutung. Experten betonen jedoch, dass langfristiger Schutz nur durch die Kombination aus Versicherung, Prävention und kommunaler Vorsorge erreicht werden kann.Redaktion experten.de / KI-generiert
4 Wände

Pflichtversicherung allein reicht nicht: Warum die Elementarschaden-Debatte neu geführt wird

Hochwasser, Starkregen und Überschwemmungen sorgen regelmäßig für Milliardenschäden. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Diskussion über eine Pflichtversicherung gegen Elementarschäden erneut an Dynamik. Doch nach Einschätzung von Assekurata greift die Debatte zu kurz. Versicherungsschutz allein verhindert keine Schäden – und löst zentrale Herausforderungen der Klimaanpassung nicht.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"
Ausgabe 07/26

"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"

Klaus Liebig und Robert Schmidt, Geschäftsführer der vfm Gruppe
"Nicht laut, aber immer noch relevant"
Ausgabe 05/26

"Nicht laut, aber immer noch relevant"

Wibke Becker - Generalbevollmächtigte & Leiterin Maklervertrieb - Continentale - Mannheimer - EUROPA
"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht