DAV-Past President Dr. Maximilian HappacherDAV-Past President Dr. Maximilian HappacherDeutsche Aktuarvereinigung

Elementarschaden-Pflichtversicherung: DAV fordert klare Regeln

Veröffentlichung: 30.05.2025, 08:05 Uhr - Lesezeit 4 Minuten

Die Deutsche Aktuarvereinigung e.V. (DAV) warnt davor, eine verpflichtende Elementarschadenversicherung als einfache Antwort auf zunehmende Klimarisiken zu betrachten. Im Rahmen ihres digitalen Jahrespressegesprächs betonte die DAV, dass ein nachhaltiger Versicherungsschutz nur im Zusammenspiel mit risikogerechten Prämien, effektiver Prävention und einem gesicherten Kumulschutz funktionieren könne.

(PDF)

„Eine Pflichtversicherung allein verhindert keine Schäden. Wenn risikogerechte Prämien und gezielte Prävention fehlen, kann sie sogar Fehlanreize schaffen“, erklärt DAV-Past President Dr. Maximilian Happacher. Die DAV fordert daher ein Gesamtkonzept, das auf risikobasierten Prämien fußt. Solidarische Ausgleichsmechanismen sollen nur bei Extremrisiken greifen. Zentral sei zudem ein staatlich abgesicherter Rückversicherungsmechanismus – etwa in Form einer Stop-Loss-Garantie –, um Versicherer im Fall großer Schadenereignisse zu entlasten.

Wie bereits berichtet, plant die schwarz-rote Koalition konkrete Schritte: Künftig sollen Neuverträge in der Wohngebäudeversicherung verpflichtend einen Elementarschadenschutz enthalten. Auch bestehende Verträge könnten zu einem Stichtag erweitert werden. Ziel ist es, die massive Versicherungslücke – aktuell ist nur etwa jedes zweite Haus abgesichert – zu schließen.

Doch es regt sich Kritik: Der Eigentümerverband Haus & Grund warnt vor hohen Mehrkosten und einem Eingriff ins Eigentumsrecht. Auch Jakob Thevis, stellvertretender Vorstand des ZEV, hält wenig von einer Pflichtlösung mit Opt-Out: „Viele Haushalte würden sich gegen eine Elementarschadenversicherung entscheiden – und wir wären wieder am gleichen Punkt wie zuvor.“

Im Vergleich zur deutschen Debatte verweist Thevis auf das französische Modell, in dem sich Staat, Versicherer und Rückversicherer auf einen festen Zuschlag von rund 26 Euro pro Jahr bei jeder Gebäude- oder Hausratversicherung verständigen – ohne Versicherungspflicht. Der bürokratische Aufwand ist gering, eine individuelle Risikobewertung entfällt. Wer versichert ist, erhält im Schadenfall klare Entschädigungsregelungen. Wer nicht versichert ist, kann nicht auf staatliche Hilfe hoffen.

Aus Sicht der DAV kann eine Pflichtversicherung nur dann gesellschaftlich tragfähig und wirtschaftlich effizient sein, wenn sie Teil einer übergreifenden Reform ist. Diese müsse politische Verantwortung in der Bau- und Raumordnung, Prävention und Versicherungsschutz verbinden.

„Eine Pflichtversicherung ist kein Selbstzweck – sie kann nur im Zusammenspiel mit staatlicher Verantwortung, effektiven Risikomodellen und risikogerechten Prämien funktionieren“, betont Happacher. „Der beste Schaden ist immer noch der, der nicht eintritt.“

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Dr. Michael Zons, im Vorstand der DEVK für das Ressort Kunde verantwortlich.Dr. Michael Zons, im Vorstand der DEVK für das Ressort Kunde verantwortlich.DEVK
4 Wände

Mehrheit für Pflichtversicherung gegen Hochwasser und Naturgefahren

Hochwasser, Starkregen und Naturgefahren rücken wieder stärker in den politischen Fokus. Während die Bundesregierung über eine verpflichtende Elementarschadenversicherung nachdenkt, zeigt eine aktuelle Umfrage: Eine Mehrheit der Bevölkerung würde einen solchen Schritt unterstützen.
Während in Frankreich fast alle Haushalte gegen Naturkatastrophen versichert sind, liegt die Quote in Deutschland nur bei 50 Prozent. Verbraucherschützer fordern deshalb eine verpflichtende Elementarschadenversicherung nach französischem Vorbild.Während in Frankreich fast alle Haushalte gegen Naturkatastrophen versichert sind, liegt die Quote in Deutschland nur bei 50 Prozent. Verbraucherschützer fordern deshalb eine verpflichtende Elementarschadenversicherung nach französischem Vorbild.Grok
Wohngebäude

Elementarschadenversicherung: Ein französisches Modell für Deutschland?

Während in Frankreich fast alle Haushalte gegen Naturkatastrophen versichert sind, liegt die Quote in Deutschland nur bei 50 Prozent. Verbraucherschützer fordern deshalb eine verpflichtende Elementarschadenversicherung nach französischem Vorbild. Was macht das System so erfolgreich, und könnte es auch hierzulande funktionieren?
DALL-E
Politik

Elementarschutz: GDV warnt vor „System auf Sand“

Die Pflichtversicherung bleibt politisch heiß – der GDV hält dagegen: Pflicht allein verhindere keinen Schaden. Mit „Elementar Re“ skizziert der Verband ein Sicherungssystem für Hochrisikogebiete – samt Stop-Loss-Mechanismus ab 30 Milliarden Euro.
Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des GDV und geschäftsführendes Mitglied des PräsidiumsJörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des GDV und geschäftsführendes Mitglied des PräsidiumsGDV
4 Wände

Elementar Re: Versicherer legen Modell für neues Sicherungssystem vor

Die Klimaschäden in Deutschland haben sich seit 1980 verfünffacht – und die Kosten steigen weiter. Mit „Elementar Re“ präsentiert der GDV nun ein Modell, das bezahlbaren Versicherungsschutz in Hochrisikogebieten sichern soll. Doch die Vorschläge offenbaren auch: Ohne tiefgreifende Prävention bleibt jedes System auf Dauer instabil.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht