Antwort auf Kleine Anfrage zu Big Data und KI in der Versicherungsbranche

Die Bundesregierung hat auf eine Kleine Anfrage unter anderen der Abgeordneten Dr. Florian Toncar, Christian Dürr und Frank Schäffler zum Thema Big Data und künstliche Intelligenz im Versicherungssektor geantwortet.

In ihrer Anfrage beziehen sie sich auf die Studie „Big Data trifft auf künstliche Intelligenz – Herausforderungen und Implikationen von Finanzdienstleistungen“ der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Die Studie behandelt die technologischen Entwicklungen Big Data Analytics und künstliche Intelligenz, entwickelt Szenarien zum möglichen Einfluss auf den Finanzmarkt und seine Akteure sowie mögliche Implikationen für die Finanzaufsicht.

Wie viele Versicherer setzen BDAI ein?

Unter anderem wollen die Abgeordneten wissen, wie viele Versicherungsunternehmen nach Kenntnis oder Einschätzung der BaFin Big Data, Artificial Intelligence (BDAI) einsetzen.

Laut Antwort sind bei 34 Versicherungsunternehmen bestimmte Entscheidungsprozesse (insbesondere Underwriting und Schadenbearbeitung) vollautomatisiert. Mindestens vier Versicherungsunternehmen planen derzeit die Umstellung auf vollautomatisierte Entscheidungsprozesse.

Die Bundesregierung beziehungsweise die BaFin erwarten in den Bereichen Betrugserkennung und Prozessbeschleunigung schnellen Fortschritt durch den Einsatz von BDAI.

BDAI-Bestrebungen, die über eine Vollautomatisierung von Entscheidungsprozessen hinausgehen, befinden sich derzeit noch in einem Erprobungs- oder Teststadium.

Werden Daten zum Angebot von Produkten verwendet?

Nach Einschätzung der BaFin haben sich die Geschäftsmodelle von Versicherungsunternehmen im Wesentlichen nicht verändert: Kernaspekt ist das Angebot von Versicherungsschutz. Bezüglich der Verwendung von Verhaltensdaten sind elf Versicherungsunternehmen zu nennen, die Telematik-Tarife in der Kfz-Versicherung anbieten (Stand: Oktober 2018).

Vereinzelt gibt es Bestrebungen auf dem deutschen Versicherungsmarkt, das Angebot von Versicherungsprodukten mit bestimmten, oftmals präventiven Serviceleistungen zu verknüpfen, um die Kundenbindung zu erhöhen. Weiterhin wurde die Möglichkeit von Versicherungen on demand (zum Beispiel bei Reiseversicherungen) auf dem deutschen Versicherungsmarkt ausgebaut beziehungsweise beispielsweise durch Verwendung von Smartphone Applications digitalisiert.

Nach Einschätzung der BaFin gibt es derzeit kein Versicherungsunternehmen in Deutschland, das Kundendaten beziehungsweise Pakete von Kundendaten monetarisiert.

Wie haben sich InsurTechs seit 2000 entwickelt?

Die meisten InsurTechs des deutschen Versicherungsmarkts stehen nicht unter direkter Aufsicht der BaFin, sondern sind im Bereich Versicherungsvermittlung und IT-Dienstleistung aktiv. Daher kann zur Verbreitung von BDAI und Monetarisierung von Daten keine Aussage getroffen werden.

Die BaFin hat vier InsurTechs die Erlaubnis zum Betrieb des Versicherungsgeschäfts erteilt. Die Produkte unterscheiden sich derzeit nicht von traditionellen Versicherungsprodukten. Die InsurTechs setzen aber in höherem Maße moderne Technologien ein, etwa bei der Antrags- sowie der Schadenbearbeitung. In der Regel läuft die Kommunikation mit Kunden und Außendienst über E-Mails und Nutzerkonten. Weitere Neuentwicklungen aufgrund der Digitalisierung sind die „situativen Versicherungsprodukte“.

 

Bild: © peshkov / fotolia.com

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