Beamten-PKV: Nur 26 Tarife schaffen die Bestnote
Im aktuellen Rating der Krankenversicherung für Beamte erreichen nur 26 von 959 Tarifen die Höchstnote. Franke und Bornberg bewertet die wirtschaftliche Stabilität der Versicherer stärker und verschärft einzelne Leistungsanforderungen. Gleichzeitig stehen Beihilfeberechtigten deutliche Beitragserhöhungen bevor.
Nur 2,7 Prozent der untersuchten Tarife erreichen im aktuellen Rating „Krankenversicherung für Beamte 2026“ von Franke und Bornberg die Höchstnote FFF+ („hervorragend“). Von 959 Tarifen im veröffentlichten Notenspiegel schaffen lediglich 26 diese Bewertung. Sie stammen von fünf der insgesamt 26 untersuchten Versicherer.
Die Ratingagentur hat ihre Bewertungskriterien überarbeitet und legt mehr Gewicht auf die Finanzstärke der Gesellschaften, die langfristige Beitragsentwicklung sowie die Unterstützung der Versicherten durch Gesundheits- und Serviceangebote. Das Rating erscheint vor dem Hintergrund deutlicher Beitragsanpassungen. Nach Angaben des PKV-Verbands steigen die Beiträge für rund 53 Prozent der Privatversicherten zum 1. Januar 2027 voraussichtlich um durchschnittlich 13,4 Prozent. Bei Tarifen für Beihilfeberechtigte liegt die durchschnittliche Anpassung bei 11,4 Prozent.
Mehr als jeder zweite Tarif nur befriedigend oder schlechter
Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede zwischen den untersuchten Angeboten. Neben den 26 hervorragend bewerteten Tarifen erhalten 86 Tarife (9,0 Prozent) die Note FFF („sehr gut“). Die größte Gruppe bilden 471 Tarife (49,1 Prozent) mit der Bewertung FF („befriedigend“). Weitere 364 Tarife (38,0 Prozent) erreichen FF+ („gut“). Zwölf Tarife werden lediglich mit F+ („ausreichend“) bewertet. Damit erreichen insgesamt 483 Tarife beziehungsweise 50,4 Prozent höchstens die Note „befriedigend“. Mangelhafte oder ungenügende Bewertungen vergibt Franke und Bornberg im aktuellen Notenspiegel nicht.
Ein häufiger Grund für eine niedrigere Bewertung liegt im stationären Leistungsumfang. Tarife, die im Krankenhaus lediglich Regelleistungen vorsehen, erfüllen nicht die Mindestanforderungen für die Note „gut“. Dafür müssen unter anderem Leistungen für Chefarztbehandlung und Zweibettzimmer enthalten sein.
Finanzkraft und Beitragsentwicklung gewinnen an Gewicht
Franke und Bornberg übernimmt für das Beamtenrating die Änderungen, die bereits beim aktuellen Rating der privaten Krankenvollversicherung eingeführt wurden. Stärker berücksichtigt werden Kennzahlen aus dem map-report zur finanziellen Stabilität der Versicherer, zur langfristigen Beitragsentwicklung und zum Gesundheitsmanagement. Neu hinzu kommt ein Nachhaltigkeits-Score. Auch bei einzelnen Leistungen ändern sich die Bewertungsmaßstäbe. So dürfen Versicherer die vollständige Erstattung von Hilfsmitteln künftig an ein Beschaffungsmanagement knüpfen, ohne dadurch automatisch von den höchsten Ratingklassen ausgeschlossen zu werden. Strenger bewertet werden dagegen Transportkosten zu ambulanten Behandlungen. Fehlt beispielsweise ein Anspruch auf Erstattung von Fahrten zur Dialyse oder Strahlentherapie, erhält der betreffende Tarif höchstens die Note „ausreichend“. Erstmals berücksichtigt das Rating zudem Leistungen für ambulante Palliativmedizin und stationäre Hospizdienste. „Steuerung ist kein Leistungsabbau, solange am Ende die volle Erstattung steht“, erklärt Christian Monke, Leiter Ratings Gesundheit und Private Risiken bei Franke und Bornberg. Fehlende Fahrtkostenleistungen könnten Versicherte dagegen gerade dann belasten, wenn sie auf regelmäßige Behandlungen angewiesen seien.
Mehr als 6.000 Tarifkombinationen untersucht
Für das Rating analysiert Franke und Bornberg mehr als 6.000 Tarife und Tarifkombinationen. Die große Zahl ergibt sich aus den unterschiedlichen Beihilferegelungen von Bund und Ländern sowie den individuellen Ansprüchen der Versicherten. Für den veröffentlichten Notenspiegel verwendet die Ratingagentur eine festgelegte Konstellation aus Bundesland und Familienstand. Dadurch werden 959 Tarife miteinander vergleichbar gemacht. Die Untersuchung umfasst 134 Detailkriterien in 20 Bereichen. Um die Höchstnote FFF+ zu erreichen, müssen Tarife mindestens 85 Prozent der maximal erreichbaren Punktzahl erzielen und zusätzliche Mindeststandards erfüllen. Dazu gehören unter anderem freie Arztwahl, ein offener Hilfsmittelkatalog und ein festgelegter Mindestumfang ambulanter Psychotherapie. „Für Beamte ist die Wahl der Krankenversicherung eine Entscheidung fürs Leben“, sagt Michael Franke, Geschäftsführer von Franke und Bornberg. Angesichts zweistelliger Beitragsanpassungen komme es nicht allein auf die Tarifbedingungen an, sondern ebenso auf die wirtschaftliche Stabilität des Versicherers und die Begleitung der Kunden durch das Gesundheitssystem.
Beamtengeschäft rückt stärker in den Fokus der Versicherer
Die Ergebnisse erscheinen in einer Phase, in der mehrere private Krankenversicherer ihr Geschäft mit Beamten und Beihilfeberechtigten ausbauen. Zu den fünf Gesellschaften, die im aktuellen Rating mindestens eine Tarifkombination mit der Höchstnote FFF+ erreichen, gehört auch die INTER Krankenversicherung.
Die INTER hat im Oktober mit BeMed ein neues Tarifsystem für Beamte und Beihilfeberechtigte eingeführt. Über die Neuausrichtung des Angebots und die strategische Bedeutung des Beamtengeschäfts hat experten.de bereits berichtet.
Auch aus Vermittlersicht verändert sich der Markt. Im Interview mit experten.de beschreibt der auf Beamte spezialisierte Versicherungsmakler Daniel Dietrich, weshalb Kunden heute stärker vergleichen und warum fachliche Spezialisierung bei Beihilfe und privater Krankenversicherung entscheidend ist.
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