Versicherungskammer und Provinzial starten 2027 gemeinsame Altersvorsorgelösungen

Veröffentlichung: 27.10.2026, 19:10 Uhr - Lesezeit 10 Minuten

Die Versicherungskammer erweitert ihr Angebot für Makler um Investmentdepots und neue Rentenlösungen. Gemeinsam mit der Provinzial sollen ab 2027 drei Vorsorgemodelle zur Verfügung stehen. Auf der DKM stellt der Konzern zudem Neuerungen bei Beihilfe und betrieblicher Krankenversicherung vor.

(PDF)
v.l.n.r.: Andreas Dinkheller, Martin Fleischer und Frank A. Werner.v.l.n.r.: Andreas Dinkheller, Martin Fleischer und Frank A. Werner.Versicherungskammer

Der Konzern Versicherungskammer baut sein Geschäft mit unabhängigen Vermittlern weiter aus. Im Mittelpunkt des DKM-Auftritts 2026 stehen neue Altersvorsorgeprodukte, ein Beihilfe-Ergänzungstarif und die betriebliche Krankenversicherung (bKV). Besonders weitreichend ist die Erweiterung des Altersvorsorgegeschäfts: Gemeinsam mit dem Provinzial Konzern will die Versicherungskammer ab dem 1. Januar 2027 neben klassischen Versicherungslösungen erstmals auch Investmentprodukte für die geförderte private Altersvorsorge anbieten.

Die Versicherungskammer Maklermanagement GmbH (VKM), die bundesweit unter den Marken Versicherungskammer Bayern und Union Krankenversicherung auftritt, verweist dabei auf eine überdurchschnittliche Entwicklung ihres Maklergeschäfts. Bis 2025 habe das jährliche Wachstum 17 Prozent betragen und damit mehr als doppelt so hoch gelegen wie im Gesamtmarkt. Angaben zur konkreten Berechnungsgrundlage und zum betrachteten Geschäftsvolumen enthält die Mitteilung nicht.
„Unsere Geschäftsentwicklung zeigt, dass wir uns im Maklermarkt nachhaltig eine starke Position erarbeitet haben“, erklärt Andreas Dinkheller, Hauptgeschäftsführer der Versicherungskammer Maklermanagement.

Drei Modelle für die neue geförderte Altersvorsorge

Mit der Reform der privaten Altersvorsorge erweitert die Versicherungskammer ihr bisheriges Produktangebot um kapitalmarktorientierte Lösungen. Die strategische Partnerschaft mit der Provinzial sieht drei Modelle vor, die unterschiedliche Anforderungen an Kosten, Anlageauswahl und Sicherheit abdecken sollen.
Den Einstieg bilden digitale Standarddepots für kostenbewusste Selbstentscheider. Nach Unternehmensangaben sollen die Effektivkosten einschließlich Fondskosten bei etwa 0,5 Prozent jährlich beginnen. Zur Auswahl stehen zwei Fonds, die vom konzerneigenen Asset Manager Versicherungskammer Tecta Invest verwaltet werden. Eine Versicherungslösung mit lebenslanger Rentenoption kann optional ergänzt werden.
Daneben sind Altersvorsorgedepots mit einer größeren Anlageauswahl vorgesehen. Sie sollen Zugang zu rund 60 Fonds sowie fünf aktiv gemanagten Vermögensverwaltungslinien bieten. Damit richtet sich dieses Modell insbesondere an Kunden, die ihre Kapitalanlage stärker an individuellen Anlagezielen und Risikopräferenzen ausrichten möchten.
Als dritte Variante sind Garantieprodukte geplant. Diese sollen zum Rentenbeginn eine Beitragsgarantie von 80 oder 100 Prozent der eingezahlten Beiträge einschließlich staatlicher Zulagen ermöglichen. Ergänzend ist eine Auswahl aus etwa 49 Fonds vorgesehen.

Versicherungskammer entwickelt Investmentprodukte

Die Aufgaben innerhalb der Partnerschaft sind aufgeteilt: Die Versicherungskammer verantwortet die Entwicklung der Investmentprodukte, während die Provinzial für die Versicherungslösungen zuständig ist.
Bei der technischen Bereitstellung der Investmentangebote arbeiten die Partner mit der investify S.A. und der lemon.markets brokerage GmbH, einer Tochtergesellschaft der dwpbank, zusammen.
„Gemeinsam mit unseren Vertriebspartnern können wir für unsere Kundinnen und Kunden passgenaue Vorsorgelösungen entwickeln – von renditeorientierten Depots bis zu garantiebasierten Rentenlösungen“, erklärt Frank A. Werner, Vertriebsvorstand Personenversicherung im Konzern Versicherungskammer.

Damit erweitert die Versicherungskammer die Möglichkeiten ihrer Vertriebspartner über das klassische Versicherungsgeschäft hinaus. Zugleich stellt die größere Produktvielfalt neue Anforderungen an die Beratung: Kosten, Garantien, Anlagerisiken und spätere Auszahlungsformen müssen zwischen unterschiedlichen Produktmodellen vergleichbar gemacht werden.

Ungeförderte Vermögensverwaltung ergänzt das Angebot

Ab Januar 2027 soll zusätzlich eine ungeförderte Investmentlösung angeboten werden. Sie richtet sich an Anleger mit höherem Anlagebedarf und ermöglicht sowohl einmalige als auch wiederkehrende Einzahlungen ohne feste Laufzeit.
Die Vermögensverwaltung übernimmt ebenfalls die Versicherungskammer Tecta Invest. Vorgesehen sind fünf Anlagestrategien mit unterschiedlichen Risikoprofilen, die von defensiv bis renditeorientiert reichen.
Damit erschließt die Versicherungskammer neben dem staatlich geförderten Vorsorgemarkt auch ein weiteres Geschäftsfeld für die freie Kapitalanlage.

Neuer Beihilfe-Ergänzungstarif für Beamte

Auch in der privaten Krankenversicherung erweitert der Konzern sein Angebot. Hintergrund ist nach Unternehmensangaben der bevorstehende Generationenwechsel im öffentlichen Dienst. In den kommenden zehn Jahren sollen rund 30 Prozent der heutigen Beamten in den Ruhestand gehen.
Die Versicherungskammer erwartet daraus neue Beratungsmöglichkeiten, weil frei werdende Stellen im öffentlichen Dienst vielfach nachbesetzt werden.
Der neue Beihilfe-Ergänzungstarif ist als Premium-Erweiterung konzipiert. Er soll unter anderem unbegrenzte Psychotherapie, verbesserte Erstattungen für Heil- und Hilfsmittel sowie Honorarvereinbarungen oberhalb der geltenden Höchstsätze ermöglichen. Hinzu kommen Leistungen für Zahnersatz und Behandlungen im Ausland. Konkrete Angaben zu Beiträgen, Tarifbedingungen und zum Marktstart enthält die Mitteilung nicht.

Betriebliche Krankenversicherung soll Versorgungslücken schließen

Ein weiteres Wachstumsfeld sieht die Versicherungskammer in der betrieblichen Krankenversicherung. Nach Einschätzung des Konzerns erhöhen Veränderungen in der gesetzlichen Krankenversicherung den Bedarf an ergänzenden Gesundheitsleistungen. „Der langfristige Erhalt der Arbeitsfähigkeit der Belegschaft wird zunehmend zu einer strategischen Aufgabe“, erklärt Martin Fleischer, Produktvorstand Personenversicherung im Konzern Versicherungskammer.
Die Versicherungskammer verweist insbesondere auf ihren Vorsorge- und Präventionsbaustein für Firmenkunden. Zudem können Beschäftigte unter bestimmten Voraussetzungen ihren Versicherungsschutz ohne erneute Risikoprüfung erweitern.
Für Neukunden und neu eingestellte Mitarbeitende ist dazu ein sechsmonatiger Zeitraum vorgesehen. Innerhalb dieser Frist soll eine Höherversicherung ohne Gesundheitsprüfung, Leistungsausschlüsse und Wartezeiten möglich sein.

Maklerförderung und KI sollen Vertrieb unterstützen

Neben der Produktentwicklung setzt die VKM auf die Unterstützung junger Makler. Spezialisierte Experten sollen sie beim Aufbau ihres Geschäfts begleiten. Dazu gehören die Qualifizierung für den Vertrieb von Krankenversicherungsprodukten, Netzwerkangebote und interaktive Formate.
Auch Künstliche Intelligenz soll die Vertriebsprozesse verbessern. Gemeinsam mit dem KI-Hub der Versicherungskammer setzt die VKM entsprechende Anwendungen unter anderem zur schnelleren Bearbeitung von Rückfragen ein.
Die strategische Richtung wird damit deutlich: Die Versicherungskammer will ihre Position im Maklermarkt nicht allein über zusätzliche Versicherungsprodukte ausbauen. Mit Investmentlösungen, neuen Gesundheitsangeboten und digitalisierten Prozessen erweitert sie zugleich das Geschäftsspektrum ihrer Vertriebspartner.

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Christian Machts, Country Head Germany & Austria bei Franklin TempletonChristian Machts, Country Head Germany & Austria bei Franklin TempletonFranklin Templeton
Unternehmen

Altersvorsorgedepot: Franklin Templeton und Ginmon bauen White-Label-Lösung

Banken, Versicherer und Finanzvertriebe bringen ihre Kunden mit – Investmentkonzerne und Plattformanbieter liefern die Infrastruktur dahinter. Franklin Templeton und Ginmon positionieren sich gemeinsam für den Start des Altersvorsorgedepots 2027. Ihr Angebot zeigt zugleich, an welcher Stelle sich der Wettbewerb um die neue geförderte Altersvorsorge entscheiden könnte.
Die Alte Leipziger plant ALfonds-Plus ab Januar 2027: drei Vorsorgelösungen, 170 Fonds, 80 Prozent Garantie und flexible Rentenauszahlung.Die Alte Leipziger plant ALfonds-Plus ab Januar 2027: drei Vorsorgelösungen, 170 Fonds, 80 Prozent Garantie und flexible Rentenauszahlung.Redaktion experten.de / KI-generiert
Produkte

Alte Leipziger startet mit 170 Fonds in die neue Altersvorsorge

Die Alte Leipziger stellt ihre Produktfamilie für die geplante Reform der geförderten privaten Altersvorsorge vor. ALfonds-Plus umfasst drei Varianten mit und ohne Beitragsgarantie sowie ein digital abschließbares Standarddepot. Bei den Premiumlösungen können Kunden aus rund 170 Fonds wählen.
Barbara Ries, Vorständin Leben bei Helvetia DeutschlandBarbara Ries, Vorständin Leben bei Helvetia DeutschlandHelvetia Deutschland
Produkte

Helvetia macht beim Altersvorsorgedepot Tempo

Helvetia bereitet sich auf das Altersvorsorgedepot vor und startet bereits jetzt eine digitale Investmentplattform. Gemeinsam mit ODDO BHF Asset Management und der Xaver Group will der Versicherer den Zugang zur privaten Altersvorsorge vereinfachen. Zum Jahreswechsel soll das Angebot erweitert werden.
Dr. Günther Blaich, Vorstand der INTER VersicherungsgruppeDr. Günther Blaich, Vorstand der INTER VersicherungsgruppeINTER Versicherungsgruppe
Produkte

INTER startet neue PKV für Beamte

Die INTER bringt mit „BeMed“ ein neues Krankenversicherungssystem für Beihilfeberechtigte auf den Markt. Der Versicherer setzt damit gezielt auf ein Segment, das innerhalb der PKV an Bedeutung gewinnt. Im aktuellen expertenReport erklären die Verantwortlichen, warum das Beamtengeschäft strategisch wichtiger wird – und weshalb ein neuer Tarif allein dafür nicht ausreicht.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

Beihilfe im Wandel
Ausgabe 10/26

Beihilfe im Wandel

Dr. Günther Blaich, Dr. Gerd Sautter und Fabian Ober - INTER
"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"
Ausgabe 07/26

"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"

Klaus Liebig und Robert Schmidt, Geschäftsführer der vfm Gruppe
"Nicht laut, aber immer noch relevant"
Ausgabe 05/26

"Nicht laut, aber immer noch relevant"

Wibke Becker - Generalbevollmächtigte & Leiterin Maklervertrieb - Continentale - Mannheimer - EUROPA
"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht