Touchscreens im Auto: Vier von zehn Fahrern berichten von kritischen Situationen

Veröffentlichung: 26.10.2026, 06:10 Uhr - Lesezeit 6 Minuten

Digitale Cockpits sollen die Fahrzeugbedienung vereinfachen. Doch viele Autofahrer erleben das Gegenteil: In einer Allianz-Umfrage berichten zahlreiche Befragte von gefährlichen Situationen durch die Nutzung von Touchscreens. Besonders bemerkenswert ist der Wunsch nach klassischen Schaltern – auch bei jungen Fahrern.

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Allianz-Umfrage: 39 Prozent der deutschen Autofahrer berichten von kritischen Situationen durch Touchscreens. Viele wünschen sich klassische Schalter.Allianz-Umfrage: 39 Prozent der deutschen Autofahrer berichten von kritischen Situationen durch Touchscreens. Viele wünschen sich klassische Schalter.Redaktion experten.de / KI-generiert

Touchscreens gehören in modernen Autos längst zur Standardausstattung. Doch ihre Bedienung während der Fahrt kann Autofahrer in kritische Situationen bringen. Das zeigt eine Befragung des Allianz Zentrums für Technik (AZT) zum Allianz Motor Day 2026. In Deutschland gaben 39 Prozent der Befragten an, innerhalb der vergangenen drei Jahre mindestens einmal aufgrund der Touchscreen-Nutzung während der Fahrt in eine kritische Situation geraten zu sein. Dazu zählen beispielsweise starkes Bremsen, Beinahe-Unfälle oder Unfälle. Die Ergebnisse beruhen auf Selbstauskünften der Fahrer. Sie zeigen damit, wie häufig die Befragten selbst einen Zusammenhang zwischen der Touchscreen-Bedienung und einer kritischen Verkehrssituation wahrgenommen haben.

Verschachtelte Menüs lenken besonders ab

Als problematisch empfinden die Befragten vor allem Bedienvorgänge, die mehrere Schritte erfordern. 48 Prozent nennen langes Scrollen durch Menüs als Ablenkungsquelle. Komplexe Menüstrukturen werden von 46 Prozent kritisiert, kleine oder schwer zu treffende Touchflächen von 40 Prozent. „Drei von vier Autofahrerinnen und Autofahrern fühlen sich durch moderne Fahrzeugtechnologien stärker abgelenkt als noch vor einigen Jahren“, sagt Michael Praxenthaler, Verkehrspsychologe im AZT und Leiter der Studie. Tatsächlich sind 77 Prozent der deutschen Befragten der Ansicht, dass die Ablenkung durch Fahrzeugtechnologien in den vergangenen Jahren zugenommen hat.

Autofahrer wünschen sich Knöpfe statt Touchscreens

Der Trend zu möglichst wenigen physischen Bedienelementen entspricht offenbar nicht den Wünschen vieler Fahrer. 70 Prozent der deutschen Befragten bevorzugen es, bestimmte Fahrzeugfunktionen weiterhin über klassische Schalter, Tasten oder Drehregler bedienen zu können. Besonders auffällig: Unter den 18- bis 25-Jährigen liegt dieser Anteil sogar bei 79 Prozent. Die Vorliebe für klassische Bedienelemente ist damit keineswegs auf ältere Autofahrer beschränkt. Auch im internationalen Vergleich fällt die Zustimmung in Deutschland hoch aus. Über alle neun untersuchten Länder hinweg bevorzugen durchschnittlich 65 Prozent der Befragten klassische Bedienelemente. In Deutschland liegt der Anteil bei 70 Prozent, in Brasilien bei 56 Prozent.

Kritische Situationen auch in anderen Ländern häufig

Die internationale Befragung zeigt deutliche Unterschiede zwischen den untersuchten Ländern. In Brasilien berichten 48 Prozent der Befragten von mindestens einer kritischen Situation aufgrund der Touchscreen-Nutzung innerhalb der vergangenen drei Jahre. In Italien sind es 45 Prozent, in Deutschland 39 Prozent. Niedriger fallen die Werte unter anderem in Österreich mit 31 Prozent sowie in Australien und Großbritannien mit jeweils 29 Prozent aus. Über alle neun Länder hinweg liegt der Anteil bei 37 Prozent.

Smartphone bleibt zusätzliche Gefahrenquelle

Neben den Fahrzeugdisplays stellt auch das Smartphone eine erhebliche Ablenkungsquelle dar. 42 Prozent der deutschen Befragten geben an, zumindest gelegentlich während der Fahrt ihr Smartphone in die Hand zu nehmen, um Nachrichten zu schreiben. Mehr als jeder vierte Befragte berichtet von einer kritischen Situation im Zusammenhang mit der Smartphone-Nutzung am Steuer. Trotz dieser Erfahrungen sehen 87 Prozent der deutschen Autofahrer die Hauptverantwortung für die Vermeidung von Ablenkung bei sich selbst. Gleichzeitig befürworten 60 Prozent höhere Bußgelder bei entsprechenden Verstößen.
Für die internationale Untersuchung befragte das Allianz Zentrum für Technik jeweils 1.200 regelmäßig fahrende Personen in neun Ländern, darunter Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien und Australien.

Quelle: Allianz Versicherungs-AG, „Allianz-Umfrage: Touchscreens bringen Autofahrer in kritische Situationen“, 21. Oktober 2026.

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