Ammerländer Versicherung gründet mit SYONICS eigenen IT-Plattformanbieter

Veröffentlichung: 14.10.2026, 08:10 Uhr - Lesezeit 16 Minuten

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Die SYONICS-Geschäftsführer Alexander-Otto Fechner (links) und Dr. Maik WaschkDie SYONICS-Geschäftsführer Alexander-Otto Fechner (links) und Dr. Maik WaschkSYONICS

Die Ammerländer Versicherung erweitert ihr Geschäftsmodell und steigt mit der SYONICS GmbH in den Markt für Versicherungs-IT ein. Der neue Plattformanbieter soll Versicherern und Assekuradeuren ermöglichen, bestehende IT-Landschaften schrittweise zu modernisieren. Geführt wird das Unternehmen von Dr. Maik Waschk und Alexander-Otto Fechner – zwei Managern mit unterschiedlichen, aber komplementären Erfahrungen in Versicherungs-IT, Software und digitalen Geschäftsmodellen.

Die Ammerländer Versicherung will sich künftig nicht mehr ausschließlich als Versicherer, sondern auch als Technologieanbieter positionieren. Mit der SYONICS GmbH hat der Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit einen neuen IT-Plattformanbieter für die Versicherungswirtschaft gegründet. Das Angebot richtet sich insbesondere an Versicherer und Assekuradeure, die ihre Prozesse digitalisieren und bestehende Systemlandschaften modernisieren wollen.

Nach Angaben der Ammerländer Versicherung ist sie alleinige Gesellschafterin von SYONICS. Damit erschließt sich der Versicherer ein zusätzliches Geschäftsfeld außerhalb seines klassischen Versicherungsgeschäfts.

Im Mittelpunkt steht eine modulare, cloudbasierte Plattform. Der Ansatz unterscheidet sich bewusst von Transformationsprojekten, bei denen bestehende Kernsysteme vollständig ersetzt werden. Stattdessen sollen Unternehmen einzelne Funktionen in ihre vorhandene IT integrieren und die Architektur schrittweise erweitern können.

Das könnte vor allem für kleinere und mittelgroße Versicherer sowie Assekuradeure interessant sein. Gerade dort stehen umfassenden Modernisierungsprojekten häufig hohe Investitionskosten, knappe IT-Ressourcen und die Risiken langwieriger Migrationen gegenüber.

Von der Bestandsverwaltung bis zum Schadenprozess

SYONICS will verschiedene Funktionen entlang der Versicherungswertschöpfungskette abdecken. Nach Unternehmensangaben gehören dazu unter anderem Produkt-, Vertrags- und Bestandsmanagement, Schaden- und Leistungsprozesse sowie Vertriebs- und Provisionsabrechnung. Ergänzt werden sollen diese Bereiche durch Kunden-, Daten- und Dokumentenservices.

Über Schnittstellen sollen bestehende Anwendungen angebunden werden können. Unternehmen könnten dadurch einzelne Prozesse modernisieren, ohne unmittelbar ihre gesamte Systemlandschaft austauschen zu müssen.

„Versicherungsunternehmen brauchen heute Lösungen, die sich an ihre strategischen Ziele und individuellen Geschäftsmodelle anpassen – und nicht umgekehrt“, erklärt SYONICS-Geschäftsführer Dr. Maik Waschk.

Neben Skalierbarkeit und Integrationsfähigkeit spielen regulatorische Anforderungen eine wichtige Rolle. SYONICS verweist unter anderem auf rollenbasierte Zugriffsmodelle und nachvollziehbare Prozessstrukturen.

Das ist für einen neuen Anbieter von Versicherungsplattformen von zentraler Bedeutung. Spätestens mit dem Digital Operational Resilience Act (DORA) sind die Anforderungen an das Management von Informations- und Kommunikationstechnologierisiken und an die Einbindung externer IT-Dienstleister weiter gestiegen.

Zwei Geschäftsführer mit unterschiedlichen Perspektiven

Interessant ist die personelle Besetzung der Geschäftsführung. Mit Dr. Maik Waschk und Alexander-Otto Fechner setzt SYONICS auf zwei Manager, deren berufliche Laufbahnen unterschiedliche Bereiche der Digitalisierung von Versicherungsunternehmen abdecken.

Waschk kommt unmittelbar aus dem Umfeld der Ammerländer Versicherung. Bereits 2023 trat er als Leiter der IT-Abteilung des Versicherers öffentlich in Erscheinung. Beim Messekongress Kundenmanagement der Versicherungsforen Leipzig beschäftigte er sich mit dem praktischen Einsatz künstlicher Intelligenz im Kundenmanagement und stellte Erfahrungen aus einem KI-Projekt der Ammerländer vor.

Seine berufliche Perspektive ist damit stark durch die operative Versicherungs-IT geprägt: Wie lassen sich neue Technologien in bestehende Prozesse integrieren? Welche Anforderungen entstehen im laufenden Versicherungsbetrieb? Und wie können gewachsene Systemlandschaften weiterentwickelt werden, ohne deren Funktionsfähigkeit zu gefährden?

Anfang 2025 übernahm Waschk zusätzlich Verantwortung als Geschäftsführer der A V Assekuranzvermittlungs GmbH in Westerstede. Damit kam zur technologischen Perspektive auch die Beschäftigung mit Prozessen der Versicherungsvermittlung und -verwaltung hinzu.

Im Juli 2026 wurde er schließlich gemeinsam mit Alexander-Otto Fechner zum Geschäftsführer der heutigen SYONICS GmbH bestellt.

Alexander-Otto Fechner bringt Erfahrung aus dem Plattformgeschäft mit

Während Waschk insbesondere die operative Versicherungs-IT der Ammerländer kennt, bringt Alexander-Otto Fechner langjährige Erfahrung aus dem Software- und Plattformgeschäft mit.

Seine berufliche Laufbahn in der Finanz- und Versicherungs-IT reicht mehrere Jahrzehnte zurück. Unter anderem war Fechner bei Siemens Business Services im Banken- und Versicherungsumfeld tätig. Später folgten Führungspositionen bei Mummert Consulting beziehungsweise Steria Mummert und im Umfeld von ISS Software.

Von besonderer Bedeutung für seine heutige Aufgabe ist seine Zeit bei Neodigital. Zum November 2020 wechselte Fechner in die Geschäftsleitung des Digitalversicherers und verantwortete dort als Managing Director und Chief Business Officer B2B insbesondere den Ausbau des Insurance-as-a-Service-Geschäfts.

Damit beschäftigte er sich bereits vor SYONICS mit einer Frage, die auch für den neuen Plattformanbieter zentral ist: Wie lassen sich Versicherungsprozesse und technologische Infrastruktur so aufbereiten, dass andere Marktteilnehmer darauf aufbauen können?

Während seiner Zeit bei Neodigital war Fechner nach Unternehmensangaben unter anderem am Ausbau der digitalen Versicherungsfabrik sowie an verschiedenen Kooperationen und Gesellschaftsgründungen beteiligt. Dazu gehörte die gemeinsam mit HDI gegründete MachDigital GmbH. Auch White-Label-Projekte und Kooperationen mit Versicherern waren Teil des B2B-Geschäfts.

Zum 30. Juni 2024 verließ Fechner Neodigital. Bereits zum 1. Juli 2024 übernahm er bei den Uelzener Versicherungen die Leitung des Bereichs IT und Business Services. Dort sollte er die Weiterentwicklung der IT-Organisation und der technischen Prozesse vorantreiben.

Mit SYONICS kehrt Fechner nun in eine Funktion zurück, die seine Erfahrungen mit Versicherungssoftware, B2B-Geschäftsmodellen und Plattformstrategien miteinander verbindet.

Waschk und Fechner ergänzen sich strategisch

Die Zusammensetzung der Geschäftsführung lässt Rückschlüsse darauf zu, wie die Ammerländer Versicherung SYONICS positionieren will.

Waschk kennt die Anforderungen aus der Perspektive eines Versicherers, der seine eigene IT modernisieren und neue Technologien in bestehende Geschäftsprozesse integrieren muss. Fechner wiederum verfügt über Erfahrung mit der Entwicklung und Vermarktung technologischer Lösungen für andere Versicherungsunternehmen.

Diese Kombination könnte für SYONICS wichtig werden. Denn eine technisch funktionierende Plattform allein reicht für den Erfolg im B2B-Versicherungsmarkt nicht aus. Sie muss sich in unterschiedliche Systemlandschaften integrieren lassen, regulatorische Anforderungen erfüllen und zugleich ein Geschäftsmodell bieten, das für externe Versicherer und Assekuradeure wirtschaftlich attraktiv ist.

Fechner beschreibt die Herausforderung entsprechend breiter: „Die Transformation der Versicherungswirtschaft ist weit mehr als ein IT-Projekt.“

Technologie, Prozesse und Organisation müssten zusammengedacht werden. Dieser Ansatz entspricht zugleich der Positionierung von SYONICS, das sich nicht ausschließlich als Softwarelieferant verstehen will.

Vom internen Know-how zum externen Geschäftsmodell

Für die Ammerländer Versicherung ist die Gründung auch deshalb bemerkenswert, weil Know-how aus dem eigenen Versicherungsbetrieb in ein eigenständiges Marktangebot überführt werden soll.

Christian Buschkotte, Vorstandsmitglied der Ammerländer Versicherung und verantwortlicher Projektleiter für SYONICS, bezeichnet den Plattformanbieter entsprechend als strategischen Baustein des Versicherers.

„SYONICS ist für uns mehr als ein neues Geschäftsfeld – es ist ein strategischer Baustein der Ammerländer Versicherung“, erklärt Buschkotte.

Damit geht das Projekt über die Modernisierung der eigenen IT hinaus. SYONICS muss seine Technologie künftig auch bei externen Versicherern und Assekuradeuren etablieren und sich damit dem Wettbewerb mit bereits vorhandenen Plattform- und Softwareanbietern stellen.

Gerade Fechners berufliche Vergangenheit zeigt, dass dieser Markt keineswegs unbesetzt ist. Anbieter von Kernversicherungssystemen, Cloud-Plattformen und Insurance-as-a-Service-Lösungen arbeiten seit Jahren daran, Versicherungsprozesse stärker zu standardisieren und als modulare Dienstleistungen verfügbar zu machen.

SYONICS muss deshalb nicht nur technologisch überzeugen, sondern auch deutlich machen, worin die eigene Positionierung gegenüber bestehenden Angeboten liegt.

Modernisierung ohne Big Bang als Verkaufsargument

Ein wesentlicher Ansatzpunkt könnte die schrittweise Modernisierung sein. Viele Versicherer stehen vor einem grundlegenden Dilemma: Ihre gewachsenen Kernsysteme erfüllen zwar weiterhin zentrale Aufgaben, erschweren aber häufig die schnelle Einführung neuer Produkte und digitaler Prozesse.

Ein vollständiger Austausch kann Jahre dauern und erhebliche Risiken verursachen. Modulare Plattformen versprechen dagegen, neue Funktionen um bestehende Kernsysteme herum aufzubauen und diese nach und nach zu modernisieren.

Genau dieses Prinzip stellt SYONICS in den Mittelpunkt. Für potenzielle Kunden wird allerdings entscheidend sein, wie gut die Integration unter realen Bedingungen funktioniert. Schnittstellen, Datenmigration, Prozessautomatisierung und die Zusammenarbeit mit vorhandenen Anwendungen werden darüber bestimmen, ob aus dem modularen Versprechen tatsächlich ein wirtschaftlicher Vorteil entsteht.

Hinzu kommen Fragen der Informationssicherheit und Governance. Da SYONICS vollständig zur Ammerländer Versicherung gehört, dürften externe Versicherer genau darauf achten, wie Daten verarbeitet werden, welche organisatorische Trennung zwischen Versicherungs- und Plattformgeschäft besteht und wie die Vertraulichkeit wettbewerblich sensibler Informationen gewährleistet wird.

SYONICS will mehr als Software liefern

Neben dem eigentlichen Plattformgeschäft formuliert das Unternehmen einen weitergehenden Anspruch. SYONICS will auch als Denkfabrik für die technologische und organisatorische Weiterentwicklung der Versicherungswirtschaft auftreten.

Gemeinsam mit Versicherern, Assekuradeuren und Technologiepartnern sollen neue Ansätze rund um Automatisierung, künstliche Intelligenz, Cloud-Technologien und digitale Geschäftsmodelle entwickelt werden.

Auch hier passen die beruflichen Hintergründe der beiden Geschäftsführer zur strategischen Ausrichtung. Waschk hat sich bereits innerhalb eines Versicherungsunternehmens mit der praktischen Einführung neuer Technologien beschäftigt. Fechner wiederum verfügt über Erfahrung darin, digitale Versicherungsprozesse in B2B- und Plattformmodelle zu überführen.

Damit bringt die Ammerländer Versicherung für ihr neues Geschäftsfeld zwei unterschiedliche Perspektiven zusammen: die des Anwenders und die des Plattformgeschäfts.

Ob daraus ein eigenständiger Wettbewerber im Markt für Versicherungs-IT entsteht, wird sich allerdings erst zeigen. Entscheidend dürfte sein, ob SYONICS neben der Technologie auch externe Kunden gewinnt und nachweisen kann, dass der modulare Ansatz komplexe Transformationsprojekte tatsächlich vereinfacht.

Die personelle Aufstellung macht zumindest deutlich, wohin die Reise gehen soll: Aus den Erfahrungen mit der eigenen Versicherungs-IT soll ein skalierbares Angebot für die Branche entstehen.


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