Steigende Bauzinsen: Bauherren-Schutzbund fordert bessere Förderung

Veröffentlichung: 12.10.2026, 14:10 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Der Traum vom Eigenheim wird für viele Haushalte zunehmend zur finanziellen Herausforderung. Steigende Bauzinsen verschärfen die Situation zusätzlich. Doch nach Einschätzung des Bauherren-Schutzbundes liegt das Problem nicht allein bei den monatlichen Kreditraten. Der Verband sieht an mehreren Stellen politischen Handlungsbedarf.

(PDF)
Steigende Bauzinsen und hohe Kaufnebenkosten erschweren die Finanzierung von Wohneigentum. Der Bauherren-Schutzbund fordert zusätzliche Entlastungen.Steigende Bauzinsen und hohe Kaufnebenkosten erschweren die Finanzierung von Wohneigentum. Der Bauherren-Schutzbund fordert zusätzliche Entlastungen.experten.de, KI-generiert

Die Finanzierung von Wohneigentum wird für private Bauherren und Immobilienkäufer zunehmend schwieriger. Nach Angaben des Bauherren-Schutzbundes e. V. (BSB) liegen die Zinsen für zehnjährige Baufinanzierungen inzwischen wieder bei rund 4,5 Prozent. Bei längeren Zinsbindungen zeichnet sich demnach eine Entwicklung in Richtung fünf Prozent ab.

„Bei den aktuellen Entwicklungen an den Finanzmärkten ist eine baldige Entspannung nicht in Sicht“, erklärt Henrik Fork-Weigel, Geschäftsführer des BSB. Besonders für Familien und Haushalte mit mittleren Einkommen werde der Erwerb von Wohneigentum dadurch zunehmend schwerer erreichbar.

Die Entwicklung der Bauzinsen hängt dabei nicht ausschließlich von den geldpolitischen Entscheidungen der Europäischen Zentralbank ab. Auch die Renditen am Anleihemarkt, die Inflation sowie geopolitische Unsicherheiten beeinflussen die Finanzierungskonditionen.

Fehlendes Eigenkapital als zusätzliche Hürde

Nach Einschätzung des Bauherren-Schutzbundes reichen günstigere Finanzierungskonditionen allein nicht aus, um den Zugang zu Wohneigentum nachhaltig zu verbessern. Ein wesentliches Hindernis sei für viele Haushalte das erforderliche Eigenkapital.

Neben dem Eigenanteil am Kaufpreis müssen Immobilienkäufer auch die Kaufnebenkosten finanzieren. Dazu zählen insbesondere die Grunderwerbsteuer sowie Notar- und Grundbuchkosten. Je nach Kauf und Bundesland können weitere Ausgaben, etwa für die Maklerprovision, hinzukommen.

Viele Haushalte könnten die laufenden Kreditraten grundsätzlich tragen, verfügten jedoch nicht über ausreichende Rücklagen für den Immobilienerwerb, argumentiert der Verband.

„Viele Haushalte scheitern nicht an der monatlichen Rate, sondern schon vorher: weil das Eigenkapital für Kaufnebenkosten und Finanzierungsanteil fehlt“, so Fork-Weigel.

KfW-Förderung soll attraktiver werden

Vor diesem Hintergrund fordert der BSB eine Weiterentwicklung der staatlichen Wohneigentumsförderung. Insbesondere die anstehende Neuordnung der KfW-Förderprogramme biete die Möglichkeit, bestehende Finanzierungshürden gezielter abzubauen.

Nach Vorstellungen des Verbandes sollten zinsgünstige Kreditprogramme langfristig gesichert und für selbstnutzende Bauherren sowie Immobilienkäufer attraktiver gestaltet werden. Entscheidend sei dabei ein spürbarer Zinsvorteil gegenüber vergleichbaren marktüblichen Darlehen.

Darüber hinaus spricht sich der BSB für eigenkapitalersetzende Fördermaßnahmen aus. Diese könnten Haushalte unterstützen, deren Einkommen zwar für die laufende Finanzierung ausreicht, die jedoch nicht über genügend Eigenmittel verfügen.

Grunderwerbsteuer stärker in den Blick nehmen

Ein weiterer Ansatzpunkt sind aus Sicht des Verbandes die hohen Kaufnebenkosten. Der BSB fordert deshalb eine Reform der Grunderwerbsteuer.

Freibeträge beim erstmaligen Erwerb selbstgenutzten Wohneigentums könnten die finanzielle Einstiegshürde reduzieren. Gerade für Haushalte mit begrenztem Eigenkapital würde dadurch weniger Geld bereits vor Beginn der eigentlichen Immobilienfinanzierung benötigt.

„Wer Wohneigentum für die Mitte der Gesellschaft erhalten will, darf Förderung nicht auf Kredite reduzieren. Es braucht ein Zusammenspiel aus guter Zinsförderung, Eigenkapitalhilfe und reduzierten Nebenkosten“, betont Fork-Weigel.

Der Verband plädiert damit für einen breiteren Förderansatz, der sowohl die laufenden Finanzierungskosten als auch die finanziellen Voraussetzungen für den Immobilienerwerb berücksichtigt.

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Für viele Menschen bleibt das eigene Haus ein wichtiges Lebensziel. Steigende Baukosten, hohe Immobilienpreise und schwierige Finanzierungsbedingungen erschweren jedoch den Weg ins Eigenheim.Für viele Menschen bleibt das eigene Haus ein wichtiges Lebensziel. Steigende Baukosten, hohe Immobilienpreise und schwierige Finanzierungsbedingungen erschweren jedoch den Weg ins Eigenheim.Redaktion experten.de / KI-generiert
Immobilien

Eigenheim bleibt Wunschtraum: Viele Käufer unterschätzen den Weg zum Eigenkapital

Der Wunsch nach Wohneigentum bleibt in Deutschland ungebrochen. Gleichzeitig zeigt eine aktuelle Studie von Interhyp: Viele Kaufinteressenten kalkulieren zu optimistisch. Mehr als die Hälfte glaubt, das notwendige Eigenkapital innerhalb von fünf Jahren ansparen zu können. Die Erfahrungen tatsächlicher Käufer zeichnen jedoch ein deutlich anderes Bild.
IVD-Präsident Dirk WohltorfIVD-Präsident Dirk WohltorfIVD, Thomas Rafalzyk
Immobilien

Eigentum als Aufstiegsversprechen: IVD kritisiert Hürden beim Immobilienerwerb

Wohneigentum gilt für viele Menschen als wichtiger Baustein für Vermögensaufbau und Altersvorsorge. Doch nach Ansicht des Immobilienverbands Deutschland (IVD) wird der Weg ins Eigenheim zunehmend erschwert. Auf dem Deutschen Immobilientag in Erfurt forderte der Verband einen wohnungspolitischen Kurswechsel und mehr Unterstützung für Ersterwerber.
Banken werden bei Immobilienkrediten vorsichtiger. Besonders folgenreich: Die Energieeffizienz eines Hauses beeinflusst zunehmend seine Finanzierbarkeit – und könnte damit auch stärker über seinen Marktwert entscheiden.Banken werden bei Immobilienkrediten vorsichtiger. Besonders folgenreich: Die Energieeffizienz eines Hauses beeinflusst zunehmend seine Finanzierbarkeit – und könnte damit auch stärker über seinen Marktwert entscheiden.Experten/KI
Immobilien

Hauskauf wird zur Finanzierungsfrage: Warum Käufer trotz sinkender Zinsen unter Druck bleiben

Hohe Finanzierungskosten, Eigenkapitalbedarf und knapper Neubau verändern den Hauskauf. Warum sinkende Zinsen allein das Problem nicht lösen.
Hohe Kaufnebenkosten erschweren vielen Haushalten den Erwerb von Wohneigentum – insbesondere die Grunderwerbsteuer gilt als zentrale Hürde.Hohe Kaufnebenkosten erschweren vielen Haushalten den Erwerb von Wohneigentum – insbesondere die Grunderwerbsteuer gilt als zentrale Hürde.Redaktion experten.de / KI-generiert
Immobilien

Grunderwerbsteuer als Kaufbremse: Bündnis fordert Reform für mehr Wohneigentum

Ein breites Bündnis aus Bau-, Finanz- und Verbraucherschutzorganisationen fordert eine spürbare Entlastung bei der Grunderwerbsteuer. Ziel ist es, insbesondere Familien den Zugang zu Wohneigentum zu erleichtern – und strukturelle Hürden im Immobilienmarkt abzubauen.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

Beihilfe im Wandel
Ausgabe 10/26

Beihilfe im Wandel

Dr. Günther Blaich, Dr. Gerd Sautter und Fabian Ober - INTER
"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"
Ausgabe 07/26

"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"

Klaus Liebig und Robert Schmidt, Geschäftsführer der vfm Gruppe
"Nicht laut, aber immer noch relevant"
Ausgabe 05/26

"Nicht laut, aber immer noch relevant"

Wibke Becker - Generalbevollmächtigte & Leiterin Maklervertrieb - Continentale - Mannheimer - EUROPA
"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht