Neue Kasko-Idee aus der Schweiz: Warum eine Totalschadenkasko gerade für ältere Autos interessant sein kann

Veröffentlichung: 27.08.2026, 18:08 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Mit einer neuen Kaskovariante sorgt die Helvetia Baloise Gruppe in der Schweiz für Aufmerksamkeit. Die sogenannte Totalschadenkasko soll die Lücke zwischen Teil- und Vollkaskoversicherung schließen und richtet sich insbesondere an Halter älterer Fahrzeuge. Für deutsche Autofahrer gibt es ein vergleichbares Angebot bislang nicht – obwohl der Ansatz auch hierzulande auf großes Interesse stoßen könnte.

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Die Helvetia Baloise Gruppe bringt in der Schweiz eine neue Totalschadenkasko auf den Markt und schließt damit die Lücke zwischen Teil- und Vollkasko.Die Helvetia Baloise Gruppe bringt in der Schweiz eine neue Totalschadenkasko auf den Markt und schließt damit die Lücke zwischen Teil- und Vollkasko.Foto Helvetia

Helvetia hat die Totalschadenkasko zunächst ausschließlich auf dem Schweizer Markt eingeführt. Das Produkt kombiniert den Schutz einer klassischen Teilkaskoversicherung mit einer zusätzlichen Absicherung bei einem wirtschaftlichen Totalschaden nach einem selbst verschuldeten Unfall. Schäden durch kleinere Kollisionen werden hingegen nicht ersetzt. Nach Angaben des Versicherers kostet der Versicherungsschutz im Durchschnitt rund ein Drittel weniger als eine Vollkaskoversicherung. Damit spricht Helvetia vor allem Autofahrer an, denen eine Vollkasko aufgrund des gesunkenen Fahrzeugwertes inzwischen zu teuer geworden ist.

Für deutsche Leser ist jedoch ein Punkt besonders wichtig: Das Angebot gilt ausschließlich in der Schweiz und kann derzeit in Deutschland nicht abgeschlossen werden.

Interessant für ältere Fahrzeuge

Die Ausrichtung auf ältere Fahrzeuge ist kein Zufall. Helvetia gibt an, dass das durchschnittliche Alter der bislang versicherten Fahrzeuge bei rund zehn Jahren liegt. In dieser Altersklasse stehen viele Fahrzeughalter vor der Frage, ob sich eine Vollkaskoversicherung überhaupt noch wirtschaftlich lohnt. Während kleinere Blechschäden häufig aus eigener Tasche bezahlt oder gar nicht mehr repariert werden, stellt ein wirtschaftlicher Totalschaden weiterhin ein erhebliches finanzielles Risiko dar.

Gerade vor dem Hintergrund der weiterhin hohen Gebrauchtwagenpreise gewinnt dieser Gedanke an Bedeutung. Auch ältere Fahrzeuge besitzen häufig noch einen beachtlichen Marktwert, sodass ein Totalschaden den Besitzer deutlich stärker belastet als noch vor einigen Jahren. Gleichzeitig steigen die Reparaturkosten aufgrund teurer Ersatzteile, moderner Fahrzeugtechnik und höherer Werkstattlöhne kontinuierlich. Viele Unfallschäden werden dadurch schneller als wirtschaftlicher Totalschaden eingestuft.

Kein vergleichbares Angebot in Deutschland

Auf dem deutschen Versicherungsmarkt existiert bislang keine Police, die sich in dieser Form mit der Schweizer Totalschadenkasko vergleichen lässt. Zwar bieten zahlreiche Versicherer besonders günstige Vollkaskotarife mit eingeschränkten Leistungen oder hohen Selbstbeteiligungen an. Auch spezielle Tarife für Youngtimer und Oldtimer sowie individuell kombinierbare Kaskobausteine gehören mittlerweile zum Marktangebot. Eine Versicherung, die ausschließlich den wirtschaftlichen Totalschaden nach einem selbst verschuldeten Unfall übernimmt und gleichzeitig bewusst auf die Regulierung kleinerer Kollisionsschäden verzichtet, wird derzeit jedoch von keinem größeren deutschen Kfz-Versicherer angeboten.

Könnte auch in Deutschland eine Marktlücke schließen

Das Durchschnittsalter der in Deutschland zugelassenen Pkw steigt seit Jahren kontinuierlich an. Gleichzeitig verzichten viele Fahrzeughalter aus Kostengründen auf eine Vollkaskoversicherung und wechseln in die Teilkasko. Vielen ist dabei nicht bewusst, dass damit jeglicher Versicherungsschutz bei selbst verschuldeten Unfällen entfällt.

Die Schweizer Lösung zeigt, dass zwischen Teil- und Vollkasko durchaus Raum für neue Versicherungskonzepte besteht, die sich stärker am tatsächlichen Risiko und am Wert älterer Fahrzeuge orientieren. Angesichts steigender Reparaturkosten und einer immer älter werdenden Fahrzeugflotte dürfte die Diskussion über solche modularen Kaskomodelle künftig auch in Deutschland an Bedeutung gewinnen.


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