Ein Vermögen von 500.000 Euro gilt für viele als erreichbar. Doch wenn es um den Weg dorthin geht, hoffen zahlreiche Menschen weniger auf eigene Strategien als auf Zufall und Glück. Eine aktuelle Umfrage zeigt, wie verbreitet diese Erwartung ist – und warum sie problematisch sein kann.
Der Wunsch nach finanziellem Wohlstand ist in Deutschland weit verbreitet. Zwei von drei Menschen können sich vorstellen, im Laufe ihres Lebens ein Vermögen von rund 500.000 Euro aufzubauen. Doch bei der Frage, wie dieses Ziel erreicht werden könnte, zeigt sich eine auffällige Diskrepanz zwischen Anspruch und Planung. Das verdeutlicht eine YouGov-Umfrage für die Postbank zum Spar- und Anlageverhalten.
Demnach hält jeder fünfte Befragte einen Lottogewinn für den wahrscheinlichsten Weg zur halben Million. Weitere zwölf Prozent setzen auf eine größere Erbschaft. Beide Erwartungen stehen jedoch auf unsicherem Fundament. Die statistische Chance auf einen hohen Lottogewinn ist äußerst gering, und auch Erbschaften sind in Deutschland sehr ungleich verteilt. Nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung entfällt rund die Hälfte aller Erbschaften auf die reichsten zehn Prozent der Erben. Der durchschnittliche Erbschaftsbetrag liegt zwar rechnerisch bei rund 85.000 Euro, realistisch sind jedoch deutlich geringere Summen, da hohe Vermögen den Mittelwert verzerren.
Besonders ausgeprägt ist die Hoffnung auf einen finanziellen Glücksfall bei jüngeren Menschen. In den Altersgruppen der 18- bis 24-Jährigen sowie der 25- bis 34-Jährigen zählt eine Erbschaft zu den am häufigsten genannten Wegen zum Vermögensaufbau. Diese Erwartungshaltung birgt Risiken, da sie die eigene Vorsorgeaktivität in den Hintergrund rücken kann.
Demgegenüber vertrauen nur neun Prozent der Befragten darauf, ein größeres Vermögen durch die gezielte Anlage in Aktien oder Fonds aufzubauen. Selbst unter denjenigen, die bereits Wertpapiere besitzen, ist es lediglich jeder Fünfte. Klassisches Sparen spielt bei der Vermögensbildung kaum noch eine Rolle: Nur rund zwei Prozent halten diesen Weg für geeignet, um langfristig ein größeres Vermögen aufzubauen.
Die Ergebnisse zeigen eine verbreitete Abhängigkeit von Zufallserwartungen bei der Vermögensplanung. Lotto und Erbe ersetzen jedoch keine tragfähige Strategie. Langfristiger Vermögensaufbau erfordert kontinuierliches Sparen, realistische Renditeannahmen und die Bereitschaft, Verantwortung für die eigene finanzielle Zukunft zu übernehmen.
Über die Studie:
Erhebung: YouGov. Auftraggeber: Postbank. Stichprobe: 2.004 Befragte. Kontext: Spar- und Anlageverhalten in Deutschland.
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