Kommunalversicherung: GVV setzt auf Resilienz statt nur auf Wachstum
Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, kommunale Infrastruktur und Ehrenamt: Die GVV Kommunal versteht Resilienz zunehmend als strategisches Leitmotiv. Gleichzeitig investiert der Versicherer in neue Produkte, moderne IT und den Ausbau seiner Organisationsstrukturen.
Während viele Versicherer derzeit vor allem über Digitalisierung oder Künstliche Intelligenz sprechen, verbindet die GVV Kommunal beide Themen mit einem größeren Ziel: der Widerstandsfähigkeit von Kommunen und kommunaler Infrastruktur. Auf der Mitgliederversammlung 2026 stellte der Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit seine strategischen Schwerpunkte für die kommenden Jahre vor.
Resilienz als Leitbild
„2025 war für uns ein Jahr zwischen Stabilität und Transformation“, sagte Vorstandsvorsitzende Katharina Stecher auf der Mitgliederversammlung in Köln. „Resilienz bedeutet nicht, dass alles ruhig bleibt. Resilienz bedeutet, auch in dynamischen Zeiten handlungsfähig zu bleiben.“
Nach Angaben des Unternehmens reicht dieses Verständnis weit über klassische Schadenprävention hinaus. Digitalisierung, Organisationsentwicklung, moderne Führung und der Einsatz Künstlicher Intelligenz sollen dazu beitragen, Kommunen langfristig handlungsfähig zu halten.
KI soll Mitarbeitende entlasten
Im Zuge der Modernisierung investiert die GVV unter anderem in ihre IT-Landschaft, digitale Arbeitsplattformen sowie eine unternehmensweite KI-Strategie. „Für uns geht es bei Künstlicher Intelligenz nicht nur um Technologie. Entscheidend ist die Frage, wie wir diese Entwicklungen sinnvoll für Mitarbeitende und Mitglieder nutzen. Zukunft entsteht nicht durch Abwarten, sondern dadurch, dass wir sie aktiv gestalten.“ Bereits heute unterstützt KI nach Unternehmensangaben Mitarbeitende bei der Informationsauswertung, der Wissensaufbereitung und der Bearbeitung von Routinetätigkeiten. Dadurch sollen mehr Kapazitäten für Beratung und Mitgliederbetreuung entstehen.
Wachstum schafft Investitionsspielraum
Die strategischen Investitionen werden durch eine positive Geschäftsentwicklung getragen. Die Bruttobeitragseinnahmen des GVV-Konzerns stiegen 2025 um sechs Prozent auf 265,2 Millionen Euro. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit erhöhte sich auf 55,9 Millionen Euro, der Jahresüberschuss nach Steuern lag bei 9,1 Millionen Euro. „Unsere wirtschaftliche Stärke ermöglicht es uns, konsequent in Innovation, Digitalisierung und Organisationsentwicklung zu investieren. So schaffen wir die Grundlage, unsere Mitglieder auch künftig zuverlässig zu begleiten“, sagte Finanzvorstand Stefan Rupp.
Versicherungsangebot wird erweitert
Parallel entwickelt die GVV ihr Produktportfolio weiter. Neu hinzu kommen unter anderem Versicherungslösungen für Abwasseranlagen, Wassergewinnungsanlagen und eine Globale Elektronikversicherung. Darüber hinaus wurden bestehende Angebote in der Kfz-, Umweltschaden- und Schülerunfallversicherung überarbeitet sowie die Allgemeine Unfallversicherung um zusätzliche Leistungen für Feuerwehrkräfte in Niedersachsen ergänzt. „Mit der Weiterentwicklung unserer Versicherungsprodukte reagieren wir gezielt auf die veränderten Anforderungen unserer Mitglieder“, erklärte Vorstand Matthias Schulte. Ziel sei ein zeitgemäßer und praxisgerechter Versicherungsschutz für kommunale Einrichtungen.
Ehrenamt als Teil kommunaler Resilienz
Dass Resilienz für die GVV nicht nur ein organisatorisches Thema ist, zeigte sich auch im Rahmenprogramm der Mitgliederversammlung. Im Mittelpunkt standen die Bedeutung ehrenamtlicher Einsatzkräfte und die Widerstandsfähigkeit kommunaler Strukturen. Den mit 10.000 Euro dotierten GVV-Ehrenamtspreis erhielt die BRH Rettungshundestaffel Rheingau-Taunus e. V. für ihr Engagement bei der Suche nach vermissten Menschen. „Am Ende sind es nicht Strategien, Strukturen oder Prozesse, die den Unterschied machen, sondern die Menschen, die sie mit Leben füllen. Deshalb war 2025 für uns das Jahr der Menschen“, sagte Stecher.
Kommunalversicherer erweitern ihr Selbstverständnis
Die Mitgliederversammlung zeigt zugleich, wie sich das Selbstverständnis kommunaler Versicherer verändert. Neben dem klassischen Versicherungsgeschäft rücken zunehmend Themen wie Digitalisierung, KI, kritische Infrastruktur, kommunale Resilienz und Krisenvorsorge in den Mittelpunkt. Damit entwickelt sich Resilienz immer stärker zu einem strategischen Leitbegriff der öffentlichen Daseinsvorsorge.
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