Identitätsprüfung endet nicht mehr beim Vertragsabschluss
Die digitale Identitätsprüfung galt lange vor allem als Voraussetzung für den Vertragsabschluss. Nach Einschätzung von Sicherheitsexperten reicht das heute nicht mehr aus. Betrugsversuche verlagern sich zunehmend auf bestehende Kundenkonten, sensible Transaktionen und Passwort-Resets.
Die digitale Identitätsprüfung entwickelt sich zunehmend von einem einmaligen Kontrollschritt zu einer dauerhaften Sicherheitsaufgabe. Während Unternehmen bislang vor allem das Onboarding neuer Kunden absicherten, richten Betrüger ihre Angriffe heute verstärkt auf bestehende Kundenbeziehungen.
Betrug verlagert sich auf bestehende Kundenkonten
Nach Angaben des Identitätsspezialisten Signicat nutzen Kriminelle zunehmend Social Engineering, Phishing, manipulierte Dokumente oder KI-gestützte Betrugsversuche, um bestehende Nutzerkonten zu übernehmen oder sensible Änderungen an Kontodaten vorzunehmen. Besonders betroffen seien Login-Prozesse, Passwort-Resets, Änderungen von Zahlungsdaten oder Auszahlungsinformationen.
Diese Entwicklung deckt sich mit aktuellen europäischen Analysen zum Zahlungsverkehr, nach denen sich Betrugsversuche zunehmend auf die Manipulation legitimer Nutzer verlagern.
Identitätsprüfung wird zum kontinuierlichen Prozess
Nach Einschätzung von Signicat genügt deshalb eine einmalige Identitätsprüfung beim Vertragsabschluss heute nicht mehr. Stattdessen sollten Unternehmen digitale Identitäten über den gesamten Lebenszyklus hinweg absichern und dabei risikobasierte Authentifizierungsverfahren einsetzen.
„Identitätsbetrug ist kein punktuelles Risiko mehr, das sich mit einer einmaligen Prüfung beim Onboarding beherrschen lässt. Angriffe verlagern sich in die Nutzung bestehender Konten, in Transaktionen und in Recovery-Prozesse“, sagt Philipp Wegmann, Country Manager DACH bei Signicat. Unternehmen benötigten deshalb „ein Sicherheitsmodell, das digitale Identität über den gesamten Lebenszyklus hinweg prüft und schützt – risikobasiert, nutzerfreundlich und regulatorisch belastbar.“
Je nach Situation könnten dabei zusätzliche Sicherheitsstufen aktiviert werden, etwa biometrische Prüfungen, eID-basierte Identifizierung oder weitere Authentifizierungsverfahren.
KI verändert auch den Versicherungsbetrug
Die Entwicklung passt zu einem Trend, der sich auch im Versicherungsmarkt zunehmend zeigt. Künstliche Intelligenz erleichtert nicht nur die Automatisierung von Prozessen, sondern wird zugleich für gefälschte Dokumente, manipulierte Bilder oder personalisierte Betrugsversuche eingesetzt. (Zum Hintergrund: Experten.de berichtete bereits über den zunehmenden Einsatz von KI beim Versicherungsbetrug sowie die wachsenden Schäden durch Versicherungsbetrug.)
Gleichzeitig kann KI Unternehmen dabei unterstützen, verdächtige Muster früher zu erkennen und ungewöhnliche Aktivitäten automatisiert zu bewerten.
Neue Regulierung erhöht die Anforderungen
Neben den technischen Entwicklungen kommen neue regulatorische Vorgaben hinzu. Unternehmen müssen ihre KYC- und Geldwäscheprozesse auf die europäische Anti-Geldwäscheverordnung vorbereiten, die ab Juli 2027 gilt. Dabei rückt nicht nur die Identifizierung neuer Kunden, sondern die laufende Aktualisierung und Überprüfung von Kundendaten stärker in den Mittelpunkt.
Digitale Identität wird zur Daueraufgabe
Nach Einschätzung von Signicat entsteht wirksamer Schutz künftig nur durch das Zusammenspiel verschiedener Verfahren. Dazu gehören kontinuierliche Datenvalidierung, risikobasierte Authentifizierung, KI-gestützte Betrugserkennung sowie die Sensibilisierung von Mitarbeitern und Kunden.
„Ein mehrschichtiger Ansatz hat sich hierbei bewährt. Frühe Risikosignale, starke Identitätsprüfung, kontinuierliche Datenvalidierung, sichere Authentifizierung, KI-gestützte Betrugserkennung sowie die Sensibilisierung von Mitarbeitenden und Kunden müssen zusammen gedacht werden“, betont Wegmann.
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