Corgi will Unternehmen gegen Schäden durch künstliche Intelligenz absichern
Künstliche Intelligenz übernimmt zunehmend Aufgaben, die bislang Menschen vorbehalten waren. Sie erstellt Software, trifft Entscheidungen und automatisiert Geschäftsprozesse. Doch was geschieht, wenn eine KI einen kostspieligen Fehler verursacht? Genau auf diese Frage will das US-Startup Corgi eine Antwort liefern. Das Unternehmen entwickelt Versicherungsprodukte speziell für KI-Risiken und gehört inzwischen zu den am höchsten bewerteten Insurtechs der Welt. Darüber berichten sowohl Forbes als auch TechCrunch.
Versicherungsschutz für Schäden durch künstliche Intelligenz
Während klassische Cyberversicherungen vor Hackerangriffen oder Datenschutzverletzungen schützen, konzentriert sich Corgi auf ein neues Risiko: Schäden, die unmittelbar durch den Einsatz von KI-Systemen entstehen.
Der Versicherer richtet sich insbesondere an technologieorientierte Unternehmen und Start-ups. Nach Angaben von TechCrunch bietet Corgi unter anderem Betriebshaftpflichtversicherungen, Versicherungen gegen technologiebezogene Haftungsrisiken, Arbeitgeberhaftpflicht sowie gewerbliche Kfz- und Geschäftsinhaltsversicherungen an. Das Besondere ist dabei der konsequente Einsatz künstlicher Intelligenz sowohl im Vertrieb als auch in der Schadenbearbeitung. Angebote sollen innerhalb kürzester Zeit erstellt werden, während Schäden mithilfe von KI deutlich schneller reguliert werden können.
Der eigentliche Wachstumstreiber dürfte jedoch ein noch junges Marktsegment sein: Policen, die Unternehmen finanziell absichern, wenn KI-Systeme Fehlentscheidungen treffen oder eigenständig Schäden verursachen. Mit der zunehmenden Verbreitung autonom arbeitender KI-Agenten wächst auch der Bedarf nach entsprechenden Versicherungslösungen.
Vom Start-up zum Vier-Milliarden-Unternehmen innerhalb weniger Monate
Das Wachstum von Corgi verläuft außergewöhnlich schnell. Laut Forbes sammelte das Unternehmen innerhalb von weniger als drei Monaten bereits zum dritten Mal frisches Kapital ein. Nach einer Series-B-Finanzierung über 160 Millionen US-Dollar im Mai folgte wenige Wochen später eine weitere Finanzierungsrunde über 106 Millionen US-Dollar. Nun soll die Unternehmensbewertung bereits bei rund vier Milliarden US-Dollar liegen – nahezu eine Verdoppelung gegenüber Ende Mai.
Auch TechCrunch bestätigt diese Entwicklung. Demnach handelt es sich bereits um die dritte Finanzierungsrunde innerhalb von acht Wochen. Investoren begründen die hohe Bewertung vor allem mit dem erwarteten Umsatzwachstum. Während Corgi Anfang des Jahres einen annualisierten Umsatz von rund 40 Millionen US-Dollar meldete, soll dieser nach Informationen von Forbes bis Ende des Jahres auf rund 450 Millionen US-Dollar steigen.
Wer hinter Corgi steckt
Gegründet wurde Corgi von Nico Laqua und Emily Yuan. Das Unternehmen stammt aus dem renommierten Start-up-Programm Y Combinator und wird unter anderem von den Venture-Capital-Gesellschaften TCV und Kindred Ventures finanziert. Beide Investoren beteiligten sich bereits an den vorherigen Finanzierungsrunden.
Corgi versteht sich dabei längst nicht nur als klassischer Versicherer. Das Unternehmen entwickelt eine vollständig KI-gestützte Versicherungsplattform, die möglichst viele Prozesse automatisiert. Angebote, Risikoprüfung und Schadenregulierung sollen weitgehend ohne menschliche Eingriffe erfolgen. Parallel hat das Unternehmen sein Geschäft auf Softwarelösungen ausgeweitet und betreibt sogar rund um die Uhr geöffnete Cafés in San Francisco und Atlanta. Diese ungewöhnliche Kombination gehört ebenso zur Firmenstrategie wie eine Unternehmenskultur, die durch Aussagen von Gründer Nico Laqua über eine Sieben-Tage-Arbeitswoche international Aufmerksamkeit erregte.
Besonderes Versicherungsmodell mit Chancen und Risiken
Auffällig ist auch die regulatorische Struktur des Unternehmens. Nach Angaben von TechCrunch arbeitet Corgi teilweise über sogenannte Risk Retention Groups (RRG). Dabei schließen sich Unternehmen mit ähnlichen Risiken zu einer gemeinschaftlichen Versicherungslösung zusammen und tragen Schäden aus einem gemeinsamen Kapitalpool. Anders als klassische Versicherer unterliegen RRGs nicht vollständig den einzelstaatlichen Versicherungsvorschriften in den USA und verfügen auch nicht über staatliche Garantiefonds. Reichen die vorhandenen Mittel nicht aus, tragen die Mitglieder das Risiko gemeinschaftlich. Im Extremfall kann eine solche Struktur selbst insolvent werden. Gleichzeitig nutzt Corgi für einzelne Versicherungsprodukte auch traditionelle, staatlich regulierte Versicherungsgesellschaften.
Neue Chancen für Versicherer und Makler
Für die Versicherungsbranche könnte sich hier ein völlig neues Geschäftsfeld entwickeln. Immer mehr Unternehmen setzen KI-Agenten für Softwareentwicklung, Kundenservice, Vertragsprüfung oder automatisierte Entscheidungen ein. Fehler dieser Systeme können erhebliche Vermögensschäden verursachen, ohne dass klassische Berufshaftpflicht-, Vermögensschaden- oder Cyberversicherungen sämtliche Risiken eindeutig abdecken.
Spezialisierte KI-Versicherungen könnten daher künftig eine ähnliche Entwicklung nehmen wie Cyberversicherungen in den vergangenen Jahren. Für Versicherungsmakler eröffnet sich damit ein neues Beratungsfeld. Unternehmen werden künftig nicht nur prüfen müssen, welche KI-Systeme sie einsetzen, sondern auch, welche finanziellen Folgen deren Fehlentscheidungen auslösen können und ob hierfür ausreichender Versicherungsschutz besteht.
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