22 Stunden weniger pro Vertrag: Warum KI jetzt das Vertragswesen verändert

Veröffentlichung: 10.06.2026, 14:06 Uhr - Lesezeit 6 Minuten

Viele Unternehmen verbinden Künstliche Intelligenz vor allem mit Chatbots, Kundenservice oder Automatisierung im Vertrieb. Eine neue Studie von Deloitte und Docusign zeigt jedoch: Besonders große Effizienzpotenziale liegen in einem Bereich, der bislang oft wenig Aufmerksamkeit erhält – dem Vertragsmanagement. Deutsche Unternehmen sparen laut der Untersuchung bereits heute durchschnittlich 22 Stunden pro Vertragsprozess.

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Künstliche Intelligenz unterstützt Unternehmen zunehmend bei der Erstellung, Prüfung und Verwaltung von Verträgen. Laut einer Studie von Deloitte und Docusign lassen sich dadurch Vertragsprozesse beschleunigen und erhebliche Zeitgewinne erzielen.Künstliche Intelligenz unterstützt Unternehmen zunehmend bei der Erstellung, Prüfung und Verwaltung von Verträgen. Laut einer Studie von Deloitte und Docusign lassen sich dadurch Vertragsprozesse beschleunigen und erhebliche Zeitgewinne erzielen.Redaktion experten.de / KI-generiert

Künstliche Intelligenz hält zunehmend Einzug in die Verwaltungs- und Kernprozesse von Unternehmen. Während öffentliche Debatten häufig um generative KI, Assistenten oder automatisierte Kundenkommunikation kreisen, verlagert sich der praktische Nutzen vieler Anwendungen zunehmend in den Hintergrund des Unternehmensalltags. Ein Beispiel dafür ist das Vertragsmanagement. Dort geht es weniger um spektakuläre Anwendungen als um die Frage, wie Verträge erstellt, geprüft, verwaltet und ausgewertet werden.

Deutschland gehört zu den Vorreitern

Für die gemeinsame Studie von Deloitte und Docusign wurden weltweit mehr als 1.100 Führungskräfte befragt, darunter über 100 Teilnehmer aus Deutschland. Die Ergebnisse zeigen eine hohe Akzeptanz von KI-Lösungen: Bereits 84 Prozent der deutschen Befragten nutzen Künstliche Intelligenz in ihren Vertragsprozessen.
Gleichzeitig deutet die Studie darauf hin, dass der wirtschaftliche Nutzen stark vom Reifegrad der eingesetzten Systeme abhängt. Unternehmen, die auf durchgängige Plattformen mit KI-gestützten End-to-End-Prozessen setzen, erzielen demnach deutlich höhere Renditen als Organisationen mit isolierten Einzellösungen. In Deutschland lag der durchschnittliche Return on Investment der befragten Unternehmen innerhalb der vergangenen zwölf Monate bei 33 Prozent.

Die eigentlichen Zeitfresser liegen oft im Detail

Besonders bemerkenswert ist, wo Unternehmen nach wie vor Zeit verlieren. Laut Studie suchen 61 Prozent der Befragten weltweit noch manuell nach Informationen in Verträgen. Fristen werden überwacht, Klauseln verglichen oder Vertragsstände geprüft – häufig mit erheblichem personellem Aufwand. Genau an dieser Stelle entfalten KI-gestützte Systeme ihren Nutzen. Vertragsdaten werden automatisiert ausgewertet, Fristen erkannt und relevante Inhalte strukturiert bereitgestellt. Für deutsche Unternehmen ergibt sich daraus laut Untersuchung eine durchschnittliche Zeitersparnis von 22 Stunden pro Vertragsprozess. Gleichzeitig verkürzen sich die Durchlaufzeiten um rund 35 Prozent.

Compliance wird zum wichtigsten Anwendungsfeld

Besonders stark profitieren deutsche Unternehmen nach eigenen Angaben bei regulatorischen Fragestellungen. 40 Prozent der Befragten sehen die größten Verbesserungen bei gesetzlicher und regulatorischer Compliance. Weitere 37 Prozent nennen eine stärkere Standardisierung von Vertragsklauseln als wichtigsten Vorteil. Zudem berichten 68 Prozent der deutschen Teilnehmer von fehlerfreien Verträgen durch den Einsatz KI-gestützter Prozesse. Fast 70 Prozent der Unternehmen, die entsprechende Kennzahlen erfassen, verzeichnen eine verbesserte Compliance-Quote und weniger Vertragskonflikte.

KI ersetzt nicht Juristen – aber Routinearbeit

Die Studie zeigt zugleich, dass die größten Effekte weniger im Ersatz von Fachkräften als in der Entlastung von Routinetätigkeiten liegen. So berichten Rechtsabteilungen von durchschnittlich 37 Prozent Zeitersparnis. Im Vertrieb werden Vertragsprozesse um 43 Prozent beschleunigt. Personalabteilungen erreichen laut Untersuchung sogar Einsparungen von 45 Prozent bei Standarddokumenten wie Arbeitsverträgen. Damit verändert KI nicht nur einzelne Arbeitsschritte, sondern zunehmend komplette Prozessketten.

Das Ende des Tool-Wildwuchses?

Ein weiteres Ergebnis der Studie betrifft die technische Infrastruktur vieler Unternehmen. Rund 65 Prozent der Befragten nutzen derzeit vier oder mehr unterschiedliche Werkzeuge für ihre Vertragsprozesse. Medienbrüche und doppelte Datenerfassung gelten dabei als wesentliche Ursachen für Ineffizienzen.
Die Untersuchung legt nahe, dass Unternehmen künftig weniger von einzelnen KI-Werkzeugen profitieren könnten als von integrierten Plattformen, die Daten über den gesamten Vertragslebenszyklus hinweg zusammenführen.

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