Mobilitätswende? Deutsche setzen wieder stärker aufs Auto

Veröffentlichung: 23.04.2026, 10:04 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Die Mobilität in Deutschland steht unter Druck: Laut aktueller Studie der HUK-COBURG verliert die Bahn massiv an Vertrauen, während das Auto weiter an Bedeutung gewinnt – besonders bei jungen Menschen.

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Dr. Jörg Rheinländer, Vorstandsmitglied der HUK-COBURGDr. Jörg Rheinländer, Vorstandsmitglied der HUK-COBURGHUK-COBURG

Vertrauen in die Bahn sinkt deutlich

Die Zuverlässigkeitsprobleme im Bahnverkehr zeigen laut der aktuellen Mobilitätsstudie der HUK-COBURG spürbare Auswirkungen auf das Verhalten der Bevölkerung. Demnach versucht inzwischen mehr als jeder dritte Bundesbürger (35 Prozent), Bahnfahrten möglichst zu vermeiden. Darüber hinaus geben 26 Prozent der Befragten an, wichtige Termine grundsätzlich nicht mehr mit der Bahn zu planen. Weitere 28 Prozent kalkulieren bei Bahnreisen deutlich mehr Zeitpuffer ein als noch vor wenigen Jahren. Die Ergebnisse basieren auf einer repräsentativen Befragung von 4.114 Personen ab 16 Jahren.

Auto baut Spitzenposition weiter aus

Parallel dazu gewinnt das Auto weiter an Bedeutung. Mit 76 Prozent erreicht es einen neuen Höchstwert bei der Einschätzung als Verkehrsmittel der Zukunft und liegt damit deutlich vor allen anderen Mobilitätsformen. Auffällig ist dabei die Entwicklung bei jungen Menschen. Besonders in der Altersgruppe der 16- bis 24-Jährigen hat das Auto im Vergleich zum Vorjahr am stärksten an Zustimmung gewonnen. Gleichzeitig sinkt in dieser Gruppe die Bewertung der Bahn als zukunftsfähiges Verkehrsmittel am deutlichsten.

Auch im längerfristigen Vergleich zeigt sich eine klare Verschiebung: Die Präferenz für das Auto ist bei den unter 40-Jährigen in den vergangenen Jahren deutlich stärker gestiegen als bei älteren Befragten. Unterschiede zwischen den Generationen haben sich damit weitgehend angeglichen.

Öffentlicher Verkehr verliert an Strahlkraft

Während das Auto an Zustimmung gewinnt, bleiben andere Verkehrsmittel deutlich zurück. Busse, Straßen- und S-Bahnen werden seit Jahren nur von maximal 13 Prozent der Bevölkerung als Verkehrsmittel der Zukunft gesehen. Auch das Fahrrad hat an Attraktivität verloren. Seit der Corona-Pandemie ist die Einschätzung als zukunftsfähiges Verkehrsmittel um mehr als ein Drittel zurückgegangen und liegt aktuell nur noch bei 16 Prozent.
Die Ergebnisse deuten auf eine wachsende Diskrepanz zwischen politischen Zielsetzungen und der Wahrnehmung in der Bevölkerung hin.

Wunsch nach Verbesserungen bleibt hoch

Trotz der zunehmenden Orientierung am Auto zeigt die Studie eine hohe Zustimmung zu Maßnahmen zur Verbesserung der Mobilität. Rund 71 Prozent der Befragten sprechen sich für ein bundesweit nutzbares Deutschland-Ticket aus, 67 Prozent für einen grundsätzlich kostenfreien öffentlichen Nahverkehr. Auch eine höhere Taktung im ÖPNV wird von 66 Prozent der Befragten befürwortet. Gleichzeitig wächst die Zustimmung zu staatlicher Förderung von E-Autos, die inzwischen von mehr als der Hälfte der Bevölkerung unterstützt wird.

Dr. Jörg Rheinländer, Vorstandsmitglied der HUK-COBURG, ordnet die Ergebnisse ein: „Unsere langjährige Mobilitäts-Studie zeigt, wie gespalten die Deutschen sind. Sie sehen den schlechten Zustand der Mobilität, beschränken sich aber nicht aufs Klagen, sondern unterstützen vehement Verbesserungsvorschläge.“

Über die Studie:
Die HUK-Mobilitätsstudie 2026 basiert auf einer Online-Umfrage der YouGov Deutschland GmbH mit Mitgliedern des YouGov Panels, an der 4114 Personen zwischen dem 21.01. und 18.02.2026 teilnahmen. Die Daten wurden mit den Quotenmerkmalen Alter und Geschlecht innerhalb der einzelnen Bundesländer erhoben. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die Bevölkerung in jedem einzelnen Bundesland ab 16 Jahren nach Alter und Geschlecht sowie für die Bevölkerung in Deutschland gesamt ab 16 Jahren nach Alter, Geschlecht und Region.

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