Mobilität 2025: Zwischen Wunsch und Wirklichkeit – Die Deutschen fordern Umsteuern in der Verkehrspolitik

Veröffentlichung: 10.04.2025, 10:04 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Die Mobilitätsbedürfnisse der Deutschen verändern sich spürbar – und mit ihnen die Erwartungen an Staat und Infrastrukturpolitik. Die aktuelle HUK-Mobilitätsstudie 2025 belegt eindrücklich: Der Frust über überlastete Straßen, unzuverlässige Fahrpläne und hohe Kosten wächst. Drei von vier Befragten fordern inzwischen mehr staatliche Investitionen in die Verkehrswege – selbst dann, wenn dies zulasten anderer gesellschaftlicher Ausgaben geht. Eine Entwicklung, die politische und planerische Weichenstellungen erzwingt.

(PDF)
Bildrechte:HUK-COBURG
Fotograf:HUK-COBURGBildrechte:HUK-COBURG Fotograf:HUK-COBURG

Mobilität wird zur Priorität – vor allem aus Frust

Für 42 % der über 4.000 befragten Personen ab 16 Jahren ist Mobilität heute ein zentrales Thema – ein Viertel mehr als noch 2022. Getrieben wird dieses wachsende Interesse nicht nur durch gestiegene Mobilitätskosten, sondern vor allem durch die als zunehmend unzuverlässig empfundene Planbarkeit. Für 57 % sind hohe Kosten das größte Mobilitätshemmnis, dicht gefolgt von mangelnder zeitlicher Verlässlichkeit (51 %). Gerade diese Entwicklung offenbart eine zunehmende Erosion des Vertrauens in bestehende Infrastrukturen.

Das Auto bleibt Favorit – getrieben vom Sicherheitsgefühl

Inmitten dieser Unzufriedenheit gewinnt das Auto weiter an Bedeutung: 75 % der Befragten sehen es als das Verkehrsmittel der Zukunft – ein Rekordwert seit Beginn der Erhebungen 2021. Entscheidender Faktor ist dabei nicht nur Flexibilität, sondern das ausgeprägte Sicherheitsgefühl. Mit der Schulnote 2,5 schneidet das Auto deutlich besser ab als Bahn oder Bus (jeweils 2,8). Selbst das Zufußgehen wird nur geringfügig sicherer wahrgenommen (2,4).

Diese Sicherheitswahrnehmung hat direkte Konsequenzen für die infrastrukturelle Schwerpunktsetzung: Während 2024 noch primär das Schienennetz als Sanierungsfall galt, rückt nun auch das Straßennetz verstärkt in den Fokus. 23 % der Befragten sehen hier den dringendsten Handlungsbedarf – ein Anstieg um fünf Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr.

Elektroautos holen auf – mit überraschender Zustimmung aus der älteren Generation

Ein bemerkenswerter Trend betrifft die Elektro-Mobilität. Während lange Zeit vor allem Jüngere deren staatliche Förderung befürworteten, wächst die Zustimmung nun deutlich auch unter älteren Befragten über 40 Jahren – von 31 % auf 39 %. Insgesamt sprechen sich 45 % für staatliche Unterstützung von E-Autos aus, mit Spitzenwerten in Berlin und NRW (je 52 %), Schlusslichtern in Sachsen-Anhalt (32 %) und Thüringen (33 %).

Parallel gewinnen nicht nur Elektroautos, sondern auch Verbrenner wieder an Sympathie – insbesondere in Großstädten über 500.000 Einwohnern. Ein Indiz dafür, dass Mobilitätswünsche nicht nur ökologisch, sondern auch praktisch motiviert sind – etwa durch Reichweite, Verfügbarkeit und wahrgenommene Sicherheit.

Regionale Unterschiede verdeutlichen Spaltung

Die Studie offenbart auch eine zunehmende regionale Differenzierung: Während in Hamburg und Bremen die Sicherheit im ÖPNV vergleichsweise positiv bewertet wird, fühlen sich Menschen in Brandenburg und Thüringen dort besonders unsicher. Diese Wahrnehmungsunterschiede könnten langfristig zur Herausforderung für eine bundeseinheitliche Verkehrspolitik werden, die sowohl urbane als auch ländliche Lebensrealitäten berücksichtigen muss.

Mobilität als politische Nagelprobe

„Ein politisches Umsteuern ist jetzt definitiv angezeigt“, resümiert HUK-COBURG-Vorstand Dr. Jörg Rheinländer. Die Daten der Mobilitätsstudie belegen nicht nur ein wachsendes öffentliches Interesse, sondern auch einen klar artikulierten Handlungsauftrag. Die Herausforderung besteht darin, vielfältige Anforderungen – von Verlässlichkeit über Kosten bis hin zu Sicherheit – in einer zukunftsgerichteten Mobilitätsstrategie zu vereinen. Der Ruf nach Investitionen ist laut – die politische Reaktion steht aus.




(PDF)

LESEN SIE AUCH

Frau-liest-in-Zug-22711994-FO-HenlisathoFrau-liest-in-Zug-22711994-FO-HenlisathoHenlisatho – fotolia.com
Finanzen

Pendler: Hier lohnt sich der Immobilienkauf im Umland

Leben im Umland, arbeiten in der City - das ist für viele Menschen Alltag. Denn der Wohnungskauf im Umland scheint meist günstiger als in der Metropole. Dafür fallen Pendelkosten an. Lohnt sich das? Das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) hat für die Postbank die Lage in den sieben größten deutschen Städten untersucht.
Der Mittelstand zieht sich vom Kredit zurück – und gefährdet damit langfristig seine Investitionsfähigkeit.Der Mittelstand zieht sich vom Kredit zurück – und gefährdet damit langfristig seine Investitionsfähigkeit.Adobe
Studien

Kreditverzicht im Mittelstand: Stabilitätsstreben verdrängt Investitionsdynamik

Immer weniger Mittelständler nutzen Kredite -strukturelle Folgen für Investitionen, Wachstum und Finanzierungsverhalten.
Repräsentative Umfrage zeigt: Mehr als jeder Zweite unter 25 Jahren kann sich vorstellen, ein eigenes Unternehmen zu gründen.Repräsentative Umfrage zeigt: Mehr als jeder Zweite unter 25 Jahren kann sich vorstellen, ein eigenes Unternehmen zu gründen.DALL-E
Studien

Generation Gründung? Junge Angestellte neigen zur Selbständigkeit

Die Bereitschaft zur beruflichen Selbständigkeit nimmt in Deutschland wieder zu. Einer aktuellen repräsentativen Befragung zufolge kann sich mehr als jeder zweite Angestellte unter 25 Jahren vorstellen, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Dagegen zeigen sich ältere Beschäftigte deutlich zurückhaltender.
Sondervermögen stößt auf breite Zustimmung in der Bevölkerung.Sondervermögen stößt auf breite Zustimmung in der Bevölkerung.pixabay
Studien

Mehrheit der Bevölkerung befürwortet gelockerte Schuldenbremse

Eine repräsentative Umfrage des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) zeigt: Die im Frühjahr beschlossene Lockerung der Schuldenbremse trifft auf breite Zustimmung in der Bevölkerung. Vor allem das geplante Sondervermögen für Investitionen in Infrastruktur und Klimaschutz überzeugt.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht