Nachhaltige Geldanlage: Mehrheit der Deutschen bleibt trotz Krisen orientiert
Nachhaltigkeit verliert weltweit an Aufmerksamkeit – doch bei der Geldanlage in Deutschland zeigt sich ein anderes Bild. Eine aktuelle Studie der BarmeniaGothaer belegt: Für viele Anleger bleibt Nachhaltigkeit ein zentraler Faktor, auch wenn sie selten das wichtigste Entscheidungskriterium ist.
Während Inflation, geopolitische Konflikte und wirtschaftliche Unsicherheiten global dazu führen, dass Nachhaltigkeitsthemen in den Hintergrund rücken, zeigt sich in Deutschland ein stabileres Bild. Laut einer aktuellen Studie der BarmeniaGothaer, durchgeführt gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut forsa, spielt Nachhaltigkeit für eine Mehrheit der Anleger weiterhin eine wichtige Rolle.
Demnach halten 53 Prozent der Deutschen Nachhaltigkeit bei der Geldanlage für wichtig – ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr (50 Prozent). 18 Prozent bewerten den Aspekt sogar als sehr wichtig, weitere 35 Prozent als eher wichtig. Gleichzeitig bleibt ein relevanter Anteil skeptisch oder indifferent: 18 Prozent stehen dem Thema neutral gegenüber, während 27 Prozent Nachhaltigkeit für eher unwichtig oder gar nicht wichtig halten.
Nachhaltigkeit: relevant, aber selten ausschlaggebend
Trotz der insgesamt hohen Bedeutung zeigt sich in der Detailbetrachtung eine klare Prioritätenstruktur. Nachhaltigkeit ist für viele Anleger ein Zusatzkriterium – aber nur selten das entscheidende.
Lediglich acht Prozent der Befragten nennen Nachhaltigkeit als wichtigsten Faktor bei der Geldanlage. Deutlich stärker gewichtet werden klassische Kriterien:
- Sicherheit (47 Prozent)
- Flexibilität (26 Prozent)
- Rendite (13 Prozent)
Damit bleibt Nachhaltigkeit häufig Teil einer Gesamtbetrachtung, steht aber selten allein im Zentrum der Entscheidung.
Bereitschaft zum Renditeverzicht – aber nicht ohne Grenzen
Bemerkenswert ist die wachsende Bereitschaft, für nachhaltige Kriterien finanzielle Abstriche in Kauf zu nehmen. 51 Prozent der Befragten geben an, zugunsten nachhaltiger Investments auf einen Teil der Rendite verzichten zu wollen. 45 Prozent lehnen dies hingegen ab. Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass Nachhaltigkeit für viele Anleger mittlerweile ein ähnliches Gewicht wie Rendite erreicht hat – zumindest auf der Werteebene. Gleichzeitig bleibt die praktische Umsetzung oft von klassischen Zielkonflikten geprägt.
Soziale Aspekte rücken in den Fokus
Ein differenzierter Blick auf das Nachhaltigkeitsverständnis zeigt: Anleger interpretieren Nachhaltigkeit zunehmend über soziale Kriterien.
- 38 Prozent nennen soziale Gerechtigkeit als wichtigsten Aspekt
- 33 Prozent priorisieren Umwelt- und Klimaschutz
- 25 Prozent sehen verantwortungsvolle Unternehmensführung im Vordergrund
Im Vergleich zum Vorjahr hat insbesondere der soziale Aspekt an Bedeutung gewonnen, während ökologische Themen leicht zurücktreten. Das deutet auf eine breitere, gesellschaftlich geprägte Definition von Nachhaltigkeit hin.
Zwischen Anspruch und Umsetzung: Beratungsbedarf bleibt hoch
Die Studie zeigt auch, dass viele Anleger unsicher sind, wie sich nachhaltige Investments konkret bewerten lassen. Die Abgrenzung zwischen tatsächlich nachhaltigen Produkten und reinem „Green Marketing“ bleibt eine zentrale Herausforderung. Hier kommt der Beratung eine Schlüsselrolle zu. Orientierung bieten unter anderem:
- regulatorische Einstufungen (z. B. nach Offenlegungsverordnung)
- ESG-Labels
- detaillierte Produktinformationen wie Factsheets oder Basisinformationsblätter
Gerade vor dem Hintergrund zunehmender Produktvielfalt und regulatorischer Anforderungen gewinnt die qualifizierte Beratung weiter an Bedeutung.
Über die Studie:
Die Anlegerstudie wurde im Auftrag der BarmeniaGothaer Asset Management AG vom Institut forsa durchgeführt. Im Zeitraum vom 5. bis 8. Januar 2026 wurden 1.002 Bundesbürger ab 18 Jahren im Rahmen computergestützter Telefoninterviews befragt. Die Auswahl erfolgte nach einem systematischen Zufallsverfahren und gilt als repräsentativ.
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