Risiken sozialer Medien: Krankenkassen setzen auf Prävention

Veröffentlichung: 04.03.2026, 11:03 Uhr - Lesezeit 7 Minuten

Die Diskussion über ein mögliches Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche hat in Deutschland zuletzt an Fahrt aufgenommen. Eine aktuelle Befragung zeigt jedoch: Statt pauschaler Altersverbote setzt die Bevölkerung vor allem auf Prävention und Medienkompetenz. Für Krankenkassen eröffnet sich damit ein wachsendes Handlungsfeld der Gesundheitsprävention.

(PDF)
Die Risiken sozialer Medien für Kinder und Jugendliche werden zunehmend diskutiert. Eine Umfrage zeigt: Statt Verboten wünschen sich viele mehr Prävention. Krankenkassen reagieren mit Programmen zur Förderung von Medienkompetenz.Die Risiken sozialer Medien für Kinder und Jugendliche werden zunehmend diskutiert. Eine Umfrage zeigt: Statt Verboten wünschen sich viele mehr Prävention. Krankenkassen reagieren mit Programmen zur Förderung von Medienkompetenz.Experten

Bevölkerung sieht Risiken und fordert Prävention

Eine Kurzbefragung des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) zeigt, dass die Nutzung sozialer Medien durch Kinder und Jugendliche von der Bevölkerung überwiegend kritisch gesehen wird. Rund 90 Prozent der Befragten sehen darin Risiken. Gleichzeitig erkennen 63 Prozent auch Chancen, etwa für Information, Kommunikation und gesellschaftliche Teilhabe. Mehr als die Hälfte der Befragten bewertet soziale Medien daher sowohl als Risiko als auch als Chance.

Bei der Frage nach möglichen Regulierungen zeigt sich eine differenzierte Haltung. Ein Verbot sozialer Medien für Kinder bis zwölf Jahre wird von 71 Prozent der Befragten unterstützt. Ein deutlich weitergehendes Altersverbot bis 16 Jahre findet hingegen nur bei rund einem Drittel Zustimmung.

Deutlich größere Einigkeit besteht bei präventiven Maßnahmen. Über 90 Prozent der Befragten sprechen sich für eine stärkere Förderung von Medienkompetenz aus. Ebenso hoch ist die Zustimmung zu verbindlichen Vorgaben für Plattformanbieter sowie zu einer stärkeren Begleitung durch Eltern und Bildungseinrichtungen.

Die Ergebnisse der Studie deuten damit auf eine klare Tendenz hin: Statt umfassender Verbote bevorzugt die Bevölkerung Maßnahmen, die Kinder und Jugendliche zu einem bewussten und verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien befähigen.

Medienkompetenz als Teil der Gesundheitsprävention

Auch aus gesundheitlicher Perspektive gewinnt das Thema an Bedeutung. Fachleute sehen einen Zusammenhang zwischen intensiver Social-Media-Nutzung und Risiken wie Cybermobbing, Schlafstörungen, psychischer Belastung oder problematischer Mediennutzung. Gerade im Jugendalter können solche Faktoren langfristige Auswirkungen auf das Wohlbefinden haben.

Vor diesem Hintergrund engagieren sich zunehmend auch gesetzliche Krankenkassen im Bereich der digitalen Prävention. Grundlage dafür ist unter anderem die gesetzliche Präventionsförderung nach § 20 und § 20a Sozialgesetzbuch V. Diese verpflichtet die gesetzlichen Krankenkassen, Maßnahmen zur Gesundheitsförderung und Prävention zu unterstützen – etwa in sogenannten Lebenswelten wie Schulen oder Kindertagesstätten. Ziel ist es, gesundheitliche Risiken möglichst früh zu reduzieren und langfristige Krankheitsfolgen zu vermeiden. Programme zur Förderung von Medienkompetenz und zum verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien können daher Teil dieser Präventionsstrategie sein.

Praxisbeispiele: Präventionsprogramme der Krankenkassen

Ein Beispiel ist die Mobil Krankenkasse, die das Präventionsprogramm „Medienhelden“ fördert und Schulen bei der Umsetzung unterstützt. Das Projekt richtet sich an Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe und soll für Themen wie Cybermobbing, respektvolle Online-Kommunikation und einen verantwortungsvollen Umgang mit sozialen Medien sensibilisieren. Unterrichtseinheiten, Rollenspiele und Perspektivwechsel sollen Jugendliche dabei unterstützen, Konflikte im digitalen Raum frühzeitig zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren. Ergänzend existieren Angebote für Eltern, die deren Medienerziehungskompetenz stärken sollen.

Auch die KKH Kaufmännische Krankenkasse engagiert sich in diesem Bereich. Mit dem Präventionsprogramm „Max & Mina“, das unter anderem mit Unterstützung der KKH bundesweit verbreitet wird, richtet sich ein Angebot vor allem an jüngere Schülerinnen und Schüler. Ziel ist es, bereits im Kindesalter ein Bewusstsein für den sicheren Umgang mit digitalen Medien zu entwickeln. Thematisiert werden unter anderem Cybermobbing, respektvolle Kommunikation im Internet sowie mögliche gesundheitliche Folgen übermäßiger Mediennutzung.

Darüber hinaus beteiligen sich mehrere Betriebskrankenkassen an Initiativen wie dem Präventionsprogramm „Echt dabei – Gesund groß werden im digitalen Zeitalter“. Dieses richtet sich an Kinder, Eltern und pädagogische Fachkräfte und vermittelt Strategien für eine gesundheitsförderliche Nutzung digitaler Medien im Alltag.

Prävention als strategisches Handlungsfeld

Die Förderung von Präventionsangeboten gehört zum gesetzlichen Auftrag der Krankenkassen. Programme zur Medienkompetenz zeigen, wie dieser Auftrag auch auf neue gesundheitliche Herausforderungen im digitalen Alltag von Kindern und Jugendlichen angewendet werden kann.

Gleichzeitig liegt ein präventiver Ansatz auch im Interesse der Versicherer. Wenn gesundheitliche Risiken frühzeitig reduziert werden, können langfristige Behandlungsbedarfe und damit verbundene Kosten vermieden werden. Prävention wird damit nicht nur zu einer gesundheitspolitischen Aufgabe sondern auch zu einer strategischen Investition in die Stabilität des Gesundheitssystems.

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Die Expertenkommission fordert strengere Regeln für digitale Plattformen. Die eigentliche Herausforderung liegt jedoch im Gesundheitswesen, das die Folgen auffangen soll.Die Expertenkommission fordert strengere Regeln für digitale Plattformen. Die eigentliche Herausforderung liegt jedoch im Gesundheitswesen, das die Folgen auffangen soll.Experten
Politik

Der digitale Kinderschutz wird zum Stresstest für das Gesundheitssystem

Die Expertenkommission zum digitalen Kinder- und Jugendschutz fordert mehr Prävention, Regulierung und Versorgung. Der Bericht zeigt erhebliche Belastungen für das Gesundheitssystem auf.
ArgoImages / pixabay
Gesellschaft

Social Media für Kinder: Die Mehrheit will Schutz statt Verbote

Wie Kinder und Jugendliche soziale Netzwerke nutzen sollten, wird derzeit intensiv diskutiert. Ein Bündnis aus zwölf Organisationen spricht sich nun gegen pauschale Social-Media-Verbote aus. Stattdessen fordern die Beteiligten mehr Medienkompetenz, wirksamere Aufsicht und sichere digitale Räume für junge Nutzer. Auch eine aktuelle Umfrage zeigt: Die Bevölkerung setzt eher auf Schutzmaßnahmen als auf Verbote.
Viele Verbraucher sehen Defizite beim Schutz junger Menschen vor digitalen Risiken und finanziellen Fehlentwicklungen.Viele Verbraucher sehen Defizite beim Schutz junger Menschen vor digitalen Risiken und finanziellen Fehlentwicklungen.Redaktion experten.de / KI-generiert
Verbraucher

Verbraucherschutz: Vertrauen in die Politik sinkt weiter

Die Mehrheit der Deutschen sieht die Politik in der Pflicht, Verbraucher zu schützen. Gleichzeitig schwindet das Vertrauen, dass sie dieser Aufgabe tatsächlich gerecht wird. Besonders beim Schutz von Kindern und Jugendlichen in digitalen Medien, bei Finanzthemen und Ernährung sehen viele Bürger erhebliche Defizite. Das zeigt der Verbraucherreport 2026 des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv).
Bildunterschrift: Bildrechte: GettyImages/Katarzyna Bialasiewicz
Gesundheitsvorsorge

DAK-Report: Angststörungen bei Jugendlichen in Sachsen auf Höchststand

DAK-Gesundheit: Immer mehr Jugendliche in Sachsen leiden an Angststörungen, Depressionen und Essstörungen. Der DAK-Report 2024 zeigt dramatische Entwicklungen bei Mädchen.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"
Ausgabe 07/26

"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"

Klaus Liebig und Robert Schmidt, Geschäftsführer der vfm Gruppe
"Nicht laut, aber immer noch relevant"
Ausgabe 05/26

"Nicht laut, aber immer noch relevant"

Wibke Becker - Generalbevollmächtigte & Leiterin Maklervertrieb - Continentale - Mannheimer - EUROPA
"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht