DAK-Report: Angststörungen bei Jugendlichen in Sachsen auf Höchststand

Veröffentlichung: 30.01.2026, 14:01 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Die DAK-Gesundheit Sachsen dokumentiert in ihrem aktuellen Kinder- und Jugendreport 2024 einen besorgniserregenden Anstieg psychischer Erkrankungen bei Jugendlichen – mit einem klaren Schwerpunkt auf Mädchen zwischen 15 und 17 Jahren. Besonders stark betroffen sind Angststörungen: Rund 67 von 1.000 DAK-versicherten Mädchen in Sachsen waren 2024 in Behandlung – ein Zuwachs von 73 % gegenüber 2019. Die Zahl chronischer Verläufe stieg im gleichen Zeitraum um 88 %.

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cms.dxzgcBildunterschrift: Bildrechte: GettyImages/Katarzyna Bialasiewicz

Psychische Erkrankungen werden häufiger – und langfristiger

Der Report basiert auf der Auswertung von Abrechnungsdaten von über 19.100 Kindern und Jugendlichen, die bei der DAK-Gesundheit in Sachsen versichert sind. Bei den chronischen Angststörungen zeigt sich: Im Jahr 2024 mussten 15,4 von 1.000 Mädchen jedes Quartal behandelt werden – 2019 waren es noch 8,2. Zusätzlich stieg die Zahl der Komorbiditäten deutlich: Die gleichzeitige Diagnose von Angststörung und Depression hat sich mehr als verdoppelt (+175 %).

Plateau bei psychischen Belastungen – keine Trendwende

Insgesamt wurden 2024 rund 25 von 1.000 DAK-versicherten Kindern und Jugendlichen in Sachsen wegen einer Angststörung ambulant oder stationär behandelt – das entspricht etwa 12.300 jungen Menschen landesweit. Besonders betroffen: Mädchen mit sozialen Phobien und Panikstörungen. Seit 2021 zeigt sich eine stabile, aber erhöhte Inzidenz ohne Rückgang.

DAK-Landeschef fordert gesundheitspolitische Konsequenzen

„Die Hoffnung auf Entlastung hat sich nicht erfüllt“, sagt DAK-Landeschef Stefan Wandel. Die Belastung junger Menschen ziehe sich in das Erwachsenenalter – mit Auswirkungen auf Familien, Bildungsbiografien und Arbeitsleben. Wandel fordert eine strukturelle Antwort: „Gesundheitsthemen müssen verbindlich im Schulalltag verankert werden.“

Fachärztliche Praxis bestätigt: Eltern überfordert, Versorgungslage angespannt

Dr. Melanie Ahaus, Kinder- und Jugendärztin in Sachsen, beschreibt eine Praxisrealität, in der psychische Erkrankungen längst zum Alltag gehören – selbst bei Grundschülern. Leistungsdruck, Schulverweigerung und Angststörungen seien weit verbreitet. Wartezeiten in der psychotherapeutischen Versorgung seien zu lang. Ahaus fordert auch eine klare Elternverantwortung – etwa im Umgang mit digitalen Medien.

Landesschülerrat: Schulen brauchen multiprofessionelle Teams

Auch der Landesschülerrat Sachsen verlangt strukturelle Maßnahmen. Vorsitzende Lina Zeeh kritisiert, dass mentale Gesundheit im Bildungssystem bislang unterrepräsentiert ist. Sie fordert Schulsozialarbeit, psychologische Betreuung und Entlastung durch weniger Prüfungsdruck.

Weitere Ergebnisse: Depressionen und Essstörungen auf hohem Niveau

Auch andere Erkrankungen zeigen weiter hohe Belastungswerte. Bei Depressionen lagen die Fallzahlen jugendlicher Mädchen 2024 noch immer 26 % über dem Vorpandemieniveau. Essstörungen betrafen rund 1.000 Mädchen – ein Anstieg von 57 % gegenüber 2019.

Häufige Fragen zum DAK-Kinder- und Jugendreport Sachsen

Was ist der DAK-Kinder- und Jugendreport?

Eine wissenschaftlich begleitete Auswertung von Abrechnungsdaten DAK-versicherter Kinder und Jugendlicher. Im Fokus 2024: psychische Erkrankungen in Sachsen.

Wie stark sind Mädchen betroffen?

Bei 15- bis 17-jährigen Mädchen stieg die Zahl der Behandlungen wegen Angststörungen seit 2019 um 73 %. Die Zahl chronischer Verläufe stieg um 88 %.

Was sind Komorbiditäten?

Das gleichzeitige Auftreten mehrerer Erkrankungen. Die Kombination aus Angststörung und Depression stieg bei Mädchen um 175 %.

Welche Maßnahmen fordert die DAK?

Verbindliche Gesundheitsbildung an Schulen, gezielte Prävention, Aufklärung der Eltern und Ausbau multiprofessioneller Betreuungsteams.

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