Frankfurt am Main, DeutschlandFrankfurt am Main, DeutschlandVon Oliver Wendel c_ow

Inflationserwartungen sinken – Vertrauen stabilisiert sich nur zögerlich

Veröffentlichung: 27.02.2026, 18:02 Uhr - Lesezeit 6 Minuten

Die Inflationserwartungen der Verbraucher im Euroraum haben sich zu Jahresbeginn weiter abgeschwächt. Das zeigt die Januar-Erhebung der „Consumer Expectations Survey“ der Europäischen Zentralbank (EZB). Während kurzfristige Erwartungen zurückgingen, blieben mittelfristige Einschätzungen stabil. Das Gesamtbild deutet auf eine allmähliche Normalisierung – allerdings ohne klare Entspannung bei Einkommen, Wachstum und Kreditbedingungen.

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Kurzfristige Inflationserwartungen rückläufig

Die wahrgenommene Inflation der vergangenen zwölf Monate sank im Median auf 3,0 Prozent nach 3,2 Prozent im Dezember. Die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate gaben ebenfalls um 0,2 Prozentpunkte auf 2,6 Prozent nach.

Für den Drei-Jahres-Horizont verharrten die Erwartungen bei 2,6 Prozent. Die Fünf-Jahres-Erwartungen sanken leicht auf 2,3 Prozent (zuvor 2,4 Prozent). Die Unsicherheit über die Preisentwicklung blieb unverändert.

Auffällig bleibt die Einkommensdifferenz: Haushalte mit niedrigem Einkommen berichten weiterhin höhere Inflationswahrnehmungen und -erwartungen als einkommensstärkere Gruppen. Gleichwohl verlaufen die Trends über alle Einkommensklassen hinweg weitgehend parallel. Jüngere Befragte schätzen die Inflation durchweg niedriger ein als ältere.

Strukturell relevant ist vor allem die Stabilität der mittelfristigen Erwartungen. Sie signalisiert, dass die geldpolitische Verankerung grundsätzlich intakt bleibt – auch wenn das Niveau über dem Zwei-Prozent-Ziel liegt.

Einkommen leicht optimistischer, Konsumerwartungen unverändert

Die nominalen Einkommenserwartungen für die kommenden zwölf Monate stiegen leicht auf 1,2 Prozent (Dezember: 1,1 Prozent). Treiber waren die oberen drei Einkommensquintile.

Die erwartete Ausgabenentwicklung blieb hingegen stabil: Für die kommenden zwölf Monate rechnen die Befragten weiterhin mit einem nominalen Anstieg von 3,4 Prozent. Die wahrgenommene Ausgabendynamik der vergangenen zwölf Monate verharrte bei 4,9 Prozent.

Damit bleibt die Schere zwischen erwarteter Einkommens- und Ausgabenentwicklung bestehen – ein Hinweis auf anhaltenden Druck auf reale Budgets.

Konjunktur- und Arbeitsmarkterwartungen stagnieren

Die Erwartungen an das Wirtschaftswachstum in den kommenden zwölf Monaten blieben bei minus 1,1 Prozent. Auch die Arbeitslosenquote wird in zwölf Monaten unverändert bei 11,0 Prozent gesehen.

Die Differenzierung nach Einkommen zeigt erneut strukturelle Unterschiede: Niedrigeinkommenshaushalte erwarten eine Arbeitslosenquote von 13,5 Prozent, einkommensstarke Haushalte lediglich 9,5 Prozent.

Gleichzeitig deuten Detaildaten auf eine leichte Verbesserung der individuellen Arbeitsmarkteinschätzung hin. Arbeitslose schätzen ihre Wahrscheinlichkeit, innerhalb von drei Monaten eine Stelle zu finden, höher ein als noch im Herbst. Beschäftigte bewerten das Risiko eines Arbeitsplatzverlusts etwas niedriger. Der aggregierte Ausblick bleibt dennoch verhalten.

Immobilienpreise steigen in der Erwartung weiter

Die Befragten rechnen mit einem Anstieg der Immobilienpreise um 3,7 Prozent binnen zwölf Monaten (Dezember: 3,6 Prozent). Die Erwartungen divergieren leicht zwischen Einkommensgruppen, bleiben aber insgesamt robust.

Die Hypothekenzinserwartungen verharrten bei 4,7 Prozent. Gleichzeitig nahm der Anteil der Haushalte zu, die eine Verschärfung der Kreditbedingungen berichten oder erwarten. Der Anteil der Haushalte mit Kreditanträgen ging im Quartalsvergleich zurück.

Hier zeigt sich ein Spannungsfeld: stabile Zinserwartungen bei gleichzeitig wahrgenommener restriktiver Kreditvergabe. Das spricht weniger für einen geldpolitischen Effekt als für eine vorsichtigere Risikosteuerung der Banken.

Einordnung

Die Januar-Daten zeichnen ein Bild vorsichtiger Stabilisierung. Kurzfristige Inflationserwartungen sinken, mittelfristige bleiben verankert, das Vertrauen in den Arbeitsmarkt verbessert sich leicht. Gleichzeitig bleiben Wachstumserwartungen negativ, reale Einkommensperspektiven angespannt und Kreditbedingungen restriktiver.

Für die Geldpolitik bedeutet das: Die Erwartungen entfernen sich nicht vom Ziel, nähern sich ihm aber auch nur langsam.

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