Auch jenseits der Regelaltersgrenze ist ein Teil der älteren Bevölkerung beruflich aktiv – besonders dann, wenn Qualifikation und Gesundheit stimmen. Eine neue DIW-Studie zeigt: Ältere leisten einen messbaren Beitrag in Berufen mit Fachkräftemangel. Doch das Potenzial ist längst nicht ausgeschöpft – es fehlt an passenden politischen Rahmenbedingungen.
Gesundheit und Bildung als Schlüsselfaktoren für Erwerbsbeteiligung im höheren Alter
Die Auswertung zeigt: Je besser die gesundheitliche Verfassung, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen über 66 Jahren einer Erwerbstätigkeit nachgehen. In der Altersgruppe von 66 bis 69 Jahren ist etwa jede fünfte Person mit guter oder sehr guter Gesundheit noch beruflich aktiv. Ebenso steigt die Erwerbsbeteiligung mit dem Qualifikationsniveau.
Besonders häufig sind ältere Erwerbstätige selbstständig: Rund 37 Prozent der arbeitenden Menschen ab 66 Jahren üben eine selbstständige Tätigkeit aus – das ist ein deutlich höherer Anteil als in der Gesamtbevölkerung, wo nur rund neun Prozent aller Erwerbstätigen selbstständig sind. Damit zeigt sich: Wer im höheren Alter weiterarbeitet, tut dies besonders häufig außerhalb klassischer sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung.
Ältere Beschäftigte sind auch in Bereichen mit Fachkräftemangel vertreten
Ein weiteres Ergebnis der Studie betrifft die Rolle Älterer in sogenannten Engpassberufen, also Tätigkeitsfeldern mit nachgewiesenem oder drohendem Fachkräftemangel. Rund 23 Prozent der älteren Erwerbstätigen arbeiten in Berufen, in denen die Nachfrage das Angebot bereits heute übersteigt – ein Anteil, der mit dem der jüngeren Erwerbsbevölkerung vergleichbar ist. In Berufen, in denen ein Fachkräftemangel lediglich prognostiziert wird, sind Ältere dagegen unterrepräsentiert (30 Prozent gegenüber 40 Prozent bei den unter 66-Jährigen).
Forderung nach besseren Rahmenbedingungen für Erwerbstätigkeit im Rentenalter
Die DIW-Forscher leiten aus den Ergebnissen politischen Handlungsbedarf ab: Ziel müsse es sein, die Voraussetzungen dafür zu verbessern, dass mehr Menschen auch jenseits der Regelaltersgrenze im Erwerbsleben verbleiben können – freiwillig und unter fairen Bedingungen. Genannt werden unter anderem gesundheitsfördernde Maßnahmen, gezielte Weiterbildungsangebote im höheren Erwerbsalter sowie Reformen im Steuer- und Sozialrecht.
Ein Blick auf Länder mit höheren Erwerbsquoten im Alter – etwa Schweden – zeigt laut DIW, dass das Potenzial bei weitem nicht ausgeschöpft ist. Konkret wird unter anderem eine Reform der Minijobregelung vorgeschlagen. Auch gezielte arbeitsmarktpolitische Unterstützung für Rentnerinnen und Rentner könnte dazu beitragen, die Erwerbsquote zu erhöhen – insbesondere bei älteren Frauen, deren Beteiligung weiterhin vergleichsweise niedrig ist.
Aktivrente greift an der Lebensrealität vieler Älterer vorbei
Die Ergebnisse der DIW-Studie werfen auch ein kritisches Licht auf aktuelle politische Debatten zur Aktivrente. Was dabei übersehen wird: Ein erheblicher Teil der erwerbstätigen Älteren – immerhin 37 Prozent – ist selbstständig tätig und würde von den Steuerentlastungen nicht profitieren. Die Aktivrente gilt ausschließlich für sozialversicherungspflichtige Beschäftigte. Wer ernsthaft das Ziel verfolgt, mehr ältere Menschen im Erwerbsleben zu halten, muss realitätsnähere Konzepte vorlegen und auch die große Gruppe der Selbstständigen konsequent mitdenken.
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