PKV-Beitragsmeldung ab 2026: Neue ELStAM-Regelung, Pflichten und Risiken im Überblick

Veröffentlichung: 19.11.2025, 13:11 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Zum 1. Januar 2026 verändert sich ein zentraler Ablauf im Zusammenspiel zwischen privater Krankenversicherung, Steuerverwaltung und Arbeitgebern: Die papiergebundene Bescheinigung über geleistete Beiträge entfällt. Stattdessen übermitteln private Krankenversicherer die relevanten Daten direkt an das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt). Dieses leitet sie über das ELStAM-Verfahren an die Arbeitgeber weiter.

(PDF)
Schnittstellen wie ELStAM ↔ BZStSchnittstellen wie ELStAM ↔ BZStDALL E prompted by experten

Ein Systemwechsel in drei Ebenen

Die Neuregelung betrifft drei Gruppen: Versicherte, Arbeitgeber und Versicherer. Für Versicherte bedeutet sie: keine jährliche Einreichung von Papiernachweisen mehr. Für Arbeitgeber: technische Umstellung bei der Lohnabrechnung. Für Versicherer: monatliche Datenübermittlung an das BZSt.

Die dahinterliegende Struktur ist eindeutig: Automatisierung ersetzt Individualaufwand. Doch sie verlangt klare Daten, funktionierende Schnittstellen – und Disziplin im Detail.

So funktioniert das Verfahren ab 2026

  • Private Krankenversicherer melden bis zum 20. November des Vorjahres die voraussichtlichen Beiträge zur Kranken- und Pflegepflichtversicherung.
  • Die Daten fließen über das BZSt in die ELStAM-Merkmale der Versicherten ein.
  • Arbeitgeber rufen diese Merkmale regelmäßig ab und berücksichtigen sie im Rahmen des Lohnsteuerabzugs.
  • Beitragsänderungen im laufenden Jahr müssen von der PKV umgehend nachgemeldet werden.

Für die steuerliche Abwicklung werden zwei neue Merkmale eingeführt (§ 39 Abs. 4 Nr. 4 EStG):

  1. Der Betrag, für den ein steuerfreier Arbeitgeberzuschuss möglich ist.
  2. Der Betrag, der bei der Vorsorgepauschale zu berücksichtigen ist.

Widerspruch gegen die Übermittlung – mit klaren Folgen

Versicherte können der Datenübermittlung widersprechen. Doch der Preis ist hoch: In diesem Fall darf der Arbeitgeber keine Daten verarbeiten – weder digital noch per Papier. Folge: Kein Zuschuss, keine steuerliche Berücksichtigung. Die Lohnsteuer steigt. Eine Rückabwicklung über die Steuererklärung ist nicht vorgesehen.

Sonderfälle und Einschränkungen

  • Für mitversicherte Ehepartner erfolgt keine eigene Meldung. Alle Beiträge werden dem Hauptversicherten zugeordnet.
  • Policen bei ausländischen Versicherern sind vom elektronischen Verfahren ausgeschlossen. Hier bleibt es bei Papiernachweisen – verbunden mit einem Freibetragsantrag beim Finanzamt.
  • Für Steuerklassen V und VI sowie bei unvollständigen Daten kann das Verfahren zu steuerlichen Nachteilen führen.

Zwischenlösung bis Ende 2027

Für technische Pannen bleibt ein Zeitfenster: In den Jahren 2026 und 2027 dürfen Papierbescheinigungen ausnahmsweise weiter verwendet werden – aber nur, wenn die elektronische Übermittlung fehlschlägt. Nicht jedoch bei aktivem Widerspruch.

Was jetzt zu tun ist

Die Reform erfordert Vorbereitung auf mehreren Ebenen:

  • Lohnabrechnungssysteme anpassen: Software muss die neuen ELStAM-Merkmale verarbeiten können.
  • Versichertendaten prüfen: Steuer-ID, Geburtsdatum, Adresse – fehlerhafte Angaben verhindern die Datenübertragung.
  • Kommunikation verbessern: Beschäftigte müssen wissen, was der Widerspruch bedeutet – und warum ein sauberer Datensatz entscheidend ist.

Ein Schritt in Richtung Automatisierung – mit Rückfragen

Das Ziel der Reform ist klar: Weniger Verwaltungsaufwand, höhere Datenqualität, mehr Effizienz im Steuerverfahren. Doch das neue Verfahren ist nicht nur digital – es ist strukturell anspruchsvoller. Es verlangt korrekte Daten, technische Verlässlichkeit und ein Verständnis für die Mechanik dahinter.

Die Transparenz wächst – aber auch die Abhängigkeit vom System.


(PDF)

LESEN SIE AUCH

Das ändert sich in 2026 für PKV-VersicherteDas ändert sich in 2026 für PKV-Versicherte
Gesundheitsvorsorge

Privat versichert 2026: Das sollten Sie jetzt wissen

Was ändert sich 2026 für Privatversicherte? Der PKV-Verband hat die wichtigsten Neuregelungen rund um Beiträge, Wechselgrenzen, Sozialtarife und digitale Prozesse zusammengestellt - und expertenReport für Sie übersichtlich aufbereitet.
Mit einem neuen Schreiben schafft das BMF Rechtssicherheit bei der Vorsorgepauschale für gesetzlich krankenversicherte Dienstordnungsangestellte und stärkt die einheitliche Anwendung im Lohnsteuerabzug.Mit einem neuen Schreiben schafft das BMF Rechtssicherheit bei der Vorsorgepauschale für gesetzlich krankenversicherte Dienstordnungsangestellte und stärkt die einheitliche Anwendung im Lohnsteuerabzug.Experten, KI
Gesundheitsvorsorge

BMF beseitigt Zweifelsfragen bei der Vorsorgepauschale für Dienstordnungsangestellte

Das Bundesfinanzministerium schafft Klarheit bei der Vorsorgepauschale für gesetzlich krankenversicherte Dienstordnungsangestellte. Die Regelung gilt ab 2026.
Vertriebsvorständin Julia PalteVertriebsvorständin Julia PalteConcordia
Unternehmen

Concordia: Krankenversicherung legt zweistellig zu

Die Concordia Versicherungen haben 2025 erneut überdurchschnittlich zugelegt. Die Beitragseinnahmen stiegen konzernweit um 8,7 Prozent auf mehr als 1,1 Milliarden Euro und damit stärker als der Gesamtmarkt. Besonders dynamisch entwickelte sich die Krankenversicherung. Gleichzeitig setzt der Versicherer seinen Transformationskurs fort und betont die Bedeutung persönlicher Beratung im Zeitalter von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz.
Assekurata-Geschäftsführer Dr. Reiner WillAssekurata-Geschäftsführer Dr. Reiner WillAssekurata
Krankenversicherung

PKV: Steigende Gesundheitskosten werden zur Belastungsprobe

Die private Krankenversicherung wächst weiter – doch gleichzeitig steigen die Leistungsausgaben in rasantem Tempo. Der aktuelle Marktausblick von Assekurata zeigt: Die Branche profitiert zwar von Rekordbeiträgen, zunehmenden Wechseln aus der GKV und dem Boom der betrieblichen Krankenversicherung. Gleichzeitig geraten Profitabilität, Beitragsstabilität und Prozesse immer stärker unter Druck.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"
Ausgabe 07/26

"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"

Klaus Liebig und Robert Schmidt, Geschäftsführer der vfm Gruppe
"Nicht laut, aber immer noch relevant"
Ausgabe 05/26

"Nicht laut, aber immer noch relevant"

Wibke Becker - Generalbevollmächtigte & Leiterin Maklervertrieb - Continentale - Mannheimer - EUROPA
"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht