Statistischen Bundesamts für das dritte Quartal:Deutsche Wirtschaft stagniert – strukturelle Risiken bleiben virulent

Laut Schnellmeldung des Statistischen Bundesamts stagnierte das preis-, saison- und kalenderbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal 2025 gegenüber dem Vorquartal. Die endgültige Bestätigung wird für den 25. November erwartet. Damit setzt sich die Phase schwachen Wachstums fort, nachdem das zweite Quartal nachträglich leicht von –0,3% auf –0,2% revidiert wurde.

(PDF)
Binnenwirtschaft mit Impulsen, aber keine gesamtwirtschaftliche DynamikBinnenwirtschaft mit Impulsen, aber keine gesamtwirtschaftliche DynamikAdobe

Getragen wurde die Stabilisierung erneut von der Binnenwirtschaft, vor allem durch gestiegene Ausrüstungsinvestitionen. Die private Konsumnachfrage blieb dagegen weitgehend verhalten, obwohl die Pkw-Neuzulassungen auf einen Erholungseffekt hindeuten. Der Außenbeitrag wirkte leicht negativ – insbesondere rückläufige Exporte in energieintensiven Branchen und in Richtung China belasteten.

Arbeitsmarkt stagniert – saisonbereinigte Beschäftigung sinkt

Die Erwerbstätigkeit sank im September saisonbereinigt um 20.000 Personen, die SV-pflichtige Beschäftigung im August um 17.000. Die Arbeitslosenzahl blieb im Oktober mit einem Rückgang um 1.000 Personen praktisch unverändert. Der Stellenabbau in Industrie und Handel setzte sich fort. Frühindikatoren wie das IAB-Arbeitsmarktbarometer stagnieren, einzig der ifo-Beschäftigungsindikator für den Dienstleistungssektor zeigt eine gewisse Stabilisierung.

Inflation stabilisiert sich – Dienstleistungen bleiben teuer

Im Oktober lag die Inflationsrate bei 2,3%, nach 2,4% im Vormonat. Energie wirkte erneut preisdämpfend (–0,9%), während Dienstleistungen mit +3,5% als zentraler Preistreiber wirken. Die Kerninflationsrate blieb mit 2,8% erhöht. Die Teuerung bei Nahrungsmitteln ging zurück (+1,3%).

Bis zum Jahresende wird eine stabile Inflationsrate knapp über 2% erwartet – unterstützt durch moderate Lohnentwicklungen und nachlassenden Rohstoffpreisdruck. Eine Rückkehr zu den Zielwerten ist möglich, aber noch nicht erreicht.

Unternehmensinsolvenzen steigen weiter – strukturelle Ursachen

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen erreichte im Juli 2.197 Verfahren – ein Anstieg von 12,3% gegenüber dem Vormonat und der höchste Stand seit Oktober 2013. Laut IWH-Insolvenztrend stiegen die Zahlen im Oktober erneut leicht. Als Ursachen gelten schwache Binnenkonjunktur, gestiegene Kosten und geopolitische Unsicherheiten.

Zwar wird zum Jahresende ein vorübergehender Rückgang erwartet, doch ab Januar dürfte der Trend wieder nach oben zeigen. Die strukturellen Belastungen bleiben bestehen.

Produktion: kurzfristige Erholung, strukturelle Schwäche

Die Industrieproduktion legte im September mit +1,9% gegenüber dem Vormonat zu, was vor allem auf einen Basiseffekt nach dem schwachen August (–3,7%) zurückzuführen ist. Besonders deutlich fiel der Anstieg in der Automobilindustrie aus (+12,3%). Auch Datenverarbeitungsgeräte, optische Erzeugnisse und Pharma zeigten Zuwächse. Im gewichtigen Maschinenbau sowie in der Metallerzeugung setzte sich der Rückgang jedoch fort.

Quartalsweise bleibt das Bild negativ: Im dritten Quartal lag die Produktion im Produzierenden Gewerbe 0,8% unter dem Vorquartal. Energie legte leicht zu (+0,5%), Bau und Industrie fielen zurück. Energieintensive Branchen stagnieren oder bauen ab – ein strukturelles Muster, das sich bereits durch das gesamte Jahr zieht.

Auftragslage volatil – keine Trendwende

Nach vier Rückgängen in Folge stiegen die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe im September um 1,1%. Ohne Großaufträge lag das Plus sogar bei 1,9%. Im Quartalsvergleich ergibt sich dennoch ein deutliches Minus von 3,0%. Während die Auslandsnachfrage zulegte, insbesondere aus dem Nicht-Euroraum (+4,3%), fielen die Inlandsaufträge um 2,5%.

Die Branchendynamik ist uneinheitlich: Zuwächse bei Bekleidung, Fahrzeugbau und elektrischen Ausrüstungen – Rückgänge bei Metallerzeugung, Papier und Chemie. Die Auftragseingänge bleiben damit unbeständig und abhängig von kurzfristigen Effekten, nicht von robustem Wachstum.

Außenwirtschaft unter Druck – Exporte uneinheitlich

Im September stiegen die nominalen Exporte gegenüber dem Vormonat um 0,7%. Die Erholung betraf vor allem das EU- und US-Geschäft, während die Exporte nach China erneut zurückgingen. Das Quartalsergebnis bleibt negativ: Die Ausfuhren sanken um 1,6%. Gleichzeitig fielen auch die Importe im Quartalsvergleich um 2,0%. Der Handelsüberschuss stagnierte.

Einflussreich bleibt die US-Handelspolitik: Der effektive US-Importzoll liegt laut Yale Budget Lab bei 18% – dem höchsten Niveau seit den 1930er Jahren. Die Exportaussichten deutscher Unternehmen bleiben laut ifo-Umfrage gedämpft, mit Rückgängen in energieintensiven Branchen. Nur die Automobilindustrie zeigt eine optimistischere Perspektive für das Auslandsgeschäft.

Konsumklima fragil – Zuversicht bleibt aus

Der Einzelhandel stagnierte im September weitgehend. Während der Lebensmittelhandel leicht zulegte, setzte sich die Schwäche bei Nicht-Lebensmitteln fort. Die Neuzulassungen von Pkw durch Privatpersonen stiegen zwar im Oktober um 12% gegenüber dem Vorjahr, doch Konsumindikatoren wie das GfK-Konsumklima (–24,1 Punkte) und das HDE-Konsumbarometer trübten sich im November erneut ein.

Die Einkommenserwartungen fielen deutlich, Sorgen um Inflation und Arbeitsplätze dominieren. Das Geschäftsklima im Einzelhandel hellte sich minimal auf, bleibt aber im negativen Bereich. Eine Erholung des privaten Konsums ist derzeit nicht in Sicht.

Stabilisierung ohne Dynamik

Die deutsche Wirtschaft befindet sich Ende 2025 in einem Zustand der anhaltenden Stagnation. Impulse aus dem Dienstleistungssektor und vereinzelt aus der Automobilindustrie reichen nicht aus, um die strukturellen Schwächen der Industrie, die Unsicherheiten im Welthandel und die Zurückhaltung der Konsumenten auszugleichen. Die Auftragslage bleibt volatil, die Exportaussichten getrübt, der Arbeitsmarkt unter Spannung.



(PDF)

LESEN SIE AUCH

Adobe
Wirtschaft

Wirtschaft auf der Kippe: Warum Deutschland 2025 wirtschaftlich stagniert – und was die Daten verraten

Deutschlands Wirtschaft stagniert: BIP bei null, Industrie schwach, Konsum gedämpft. Ein analytischer Blick auf die Konjunkturdaten Herbst 2025.
Konjunktur schwächelt: Exportrückgang, Konsumflaute, steigende Unsicherheit – was die deutsche Wirtschaft jetzt braucht.Konjunktur schwächelt: Exportrückgang, Konsumflaute, steigende Unsicherheit – was die deutsche Wirtschaft jetzt braucht.Adobe
Wirtschaft

Sommerflaute in Sicht: Die deutsche Konjunktur zwischen Hoffnung und Unsicherheit

Die deutsche Wirtschaft verliert im Sommer 2025 an Schwung. Außenhandelsrückgänge, verhaltener Konsum und ein stagnierender Arbeitsmarkt bremsen die konjunkturelle Erholung. Wie es weitergeht, hängt maßgeblich von internationalen Entwicklungen und politischem Handeln ab.
Die offizielle Bewertung des BMWK bestätigt, dass die deutsche Wirtschaft trotz einzelner positiver Signale in Konsum- und Preisdaten strukturell belastet bleibt.Die offizielle Bewertung des BMWK bestätigt, dass die deutsche Wirtschaft trotz einzelner positiver Signale in Konsum- und Preisdaten strukturell belastet bleibt.Foto: Adobestock
Wirtschaft

Wirtschaftliche Lage im April: Strukturprobleme und geopolitische Risiken dominieren

Deutschlands Wirtschaft im Frühjahr 2025 unter Druck: Die neue BMWK-Analyse zeigt eine fragile Industrie, steigende Insolvenzen und massive Unsicherheiten durch US-Zölle. Einzelhandel stabilisiert, doch die erhoffte Konjunkturwende bleibt aus.
Frankfurt-565161796-AS-MiguelAngelFrankfurt-565161796-AS-MiguelAngelMiguelAngel – stock.adobe.com
Wirtschaft

Deutsche Wirtschaft hat Talsohle noch nicht durchschritten

Nachdem das BIP im letzten Quartal 2022 um 0,4 Prozent geschrumpft ist, prognostiziert das DIW Berlin auch für das laufende erste Quartal einen erneuten leichten Rückgang der Wirtschaftsleistung. Ab dem Q2 ist dann von zunehmend positiven Raten auszugehen.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht