Die deutsche Wirtschaft im Dezember 2025: Stabilisierung unter Spannung

Veröffentlichung: 16.12.2025, 06:12 Uhr - Lesezeit 8 Minuten

Die deutsche Konjunktur zeigt zum Jahresende 2025 Anzeichen einer binnenwirtschaftlichen Stabilisierung – getragen von einer anziehenden Industrieproduktion, einer sich konsolidierenden Inflationsentwicklung und einer robusten Nachfrage nach Investitionsgütern im Inland. Gleichzeitig bleibt das außenwirtschaftliche Umfeld angespannt, die Auftragseingänge aus dem Ausland schwächen sich ab, und die Erwartungen der Unternehmen trüben sich ein. Der private Konsum zeigt sich zögerlich. Auf dem Arbeitsmarkt dominiert Stagnation. Die wirtschaftliche Lage bleibt geprägt von strukturellen Belastungen – und einer auffällig hohen Zahl an Unternehmensinsolvenzen.

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Die wirtschaftliche Lage in Deutschland zum Jahresende 2025 ist nicht rezessiv, aber auch nicht resilient.Die wirtschaftliche Lage in Deutschland zum Jahresende 2025 ist nicht rezessiv, aber auch nicht resilient.Adobe

Insolvenzen auf Höchststand: ein Frühindikator der Konsolidierung

18.125 Unternehmensinsolvenzen meldet das BMWK für die ersten drei Quartale 2025 – ein Anstieg um 11,7% im Vergleich zum Vorjahr und der höchste Wert seit 2014. Die monatlichen Zahlen variieren: Im September ging die Zahl der beantragten Verfahren leicht zurück (–2% gegenüber August), und auch der IWH-Insolvenztrend zeigt im November einen Rückgang um 17%. Doch der Trend bleibt erhöht. Die Zahl der betroffenen Beschäftigten sank zwar im Monatsvergleich, was auf eine stärkere Belastung kleinerer Unternehmen schließen lässt. Die Ursachen liegen tiefer: gedämpfte Nachfrage, gestiegene Kosten, geopolitische Unsicherheiten – und strukturelle Überhänge in überalterten oder margenarmen Geschäftsmodellen.

Die Statistik zeigt eine Konsolidierung mit scharfen Kanten: Rückgänge der betroffenen Beschäftigten (–11,9%) und der Forderungen (–12%) deuten auf kleinere Fallgrößen hin, nicht auf Entwarnung. Vielmehr steht ein Selektionsprozess am unteren Rand der Unternehmenslandschaft bevor – mit Relevanz für regionale Wertschöpfungsketten und Fachkräftestrukturen.

Produktion steigt – aber nicht flächendeckend

Die Ausbringung im Produzierenden Gewerbe legte im Oktober preis- und kalenderbereinigt um 1,8% gegenüber dem Vormonat zu. Besonders stark war der Zuwachs bei Investitionsgütern (+2,1%) und im Bauwesen (+3,3%). Die Energieproduktion setzt ihren Aufwärtstrend fort. Doch der Dreimonatsvergleich bleibt negativ: –1,5% im Gewerbe, –1,9% in der Industrie. Die Auftragslage ist uneinheitlich: Während Inlandsbestellungen um 9,9% zulegten – begünstigt durch einen Großauftrag im Verteidigungsbereich – sanken die Auslandsorders um 4,0%. Ohne Großaufträge bleibt nur ein verhaltenes Plus. Besonders auffällig: Rückgänge bei elektrischen Ausrüstungen, Optik und Maschinenbau.

Die Industrie zeigt technologische Streuung: Während EDV und pharmazeutische Produkte zulegen, verliert die Automobilindustrie – erneut. Die Exportabhängigkeit der Investitionsgüterindustrie trifft auf ein Umfeld, das von Unsicherheit, Handelskonflikten und wachsender regionaler Konkurrenz geprägt ist.

Konsum: Stimmung bleibt flach, Strukturprobleme tief

Die preisbereinigten Umsätze im Einzelhandel sanken im Oktober um 0,3%, wobei die Umsätze mit Nicht-Lebensmitteln erneut zurückgingen. Das Bild bleibt differenziert: Die privaten Pkw-Neuzulassungen steigen deutlich (+10,3% gegenüber Vorjahr), das Konsumklima laut GfK hellt sich leicht auf, die Anschaffungsneigung nimmt zu. Gleichzeitig trübt sich das HDE-Konsumbarometer ein – auf den tiefsten Stand des Jahres. Das ifo-Geschäftsklima im Handel sinkt spürbar.

Was bleibt, ist Unsicherheit. Verbraucher reagieren auf Preisverzerrungen – besonders im Lebensmittelsektor – mit selektivem Konsumverhalten. Die Ausgabenstruktur verschiebt sich: mehr für Notwendiges, weniger für Diskretionäres. Das Weihnachtsgeschäft bleibt hinter den Erwartungen zurück – auch, weil der Wettbewerb durch ausländische Online-Plattformen strukturell zunimmt.

Preisentwicklung: Dienstleistungsinflation überlagert Entspannung

Die Inflationsrate beträgt im November 2,3% – unverändert zum Vormonat, aber deutlich unter den Sommerwerten. Die Preisentwicklung verlagert sich: Dienstleistungen steigen weiter kräftig (+3,5%), während Warenpreise nur moderat zulegen (+1,1%). Energie wirkt weiterhin dämpfend, allerdings weniger stark.

Die strukturelle Entkopplung zwischen Güter- und Dienstleistungspreisen wird zur zentralen Herausforderung für die Inflationssteuerung. Die Kernrate bleibt erhöht – nicht wegen Importpreisen, sondern wegen Lohn- und Kostendruck im Inland. Besonders Tarifabschlüsse im Pflegebereich wirken preisbildend. Der Rückgang der Erzeugerpreise entlastet zwar die vorgelagerten Stufen, erreicht aber bislang kaum den Endverbraucher.

Arbeitsmarkt: kein Impuls, keine Entspannung

Die Arbeitslosigkeit stagniert im November. Erwerbstätigkeit und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung bewegen sich auf Vorjahresniveau. Kurzarbeit steigt, bleibt aber auf moderatem Niveau. Die Zahl offener Stellen bleibt niedrig. Das ifo-Beschäftigungsbarometer sinkt, vor allem im Verarbeitenden Gewerbe und im Handel.

Der Arbeitsmarkt verharrt in einem defensiven Gleichgewicht: keine Eskalation, aber auch kein Impuls. Wachsende Unsicherheit, steigende Insolvenzen und strukturelle Verschiebungen – etwa im Einzelhandel – könnten diese Balance in den kommenden Monaten stören. Ein Arbeitsmarkt, der stillsteht, signalisiert kein Vertrauen.

Außenhandel: Überschuss steigt, Perspektive nicht

Die Exporte stiegen im Oktober nominal um 1,2%, getragen vom EU-Geschäft (+3,8%). Die Importe gingen leicht zurück (–0,4%), was den Handelsüberschuss auf 10,1Mrd. Euro erhöht. Doch die Orderlage bleibt volatil. Insbesondere Bestellungen aus dem Nicht-Euroraum sanken deutlich.

Die ifo-Exporterwartungen kippen ins Negative (–3,4 Saldenpunkte). In der Automobilindustrie rechnet man wieder mit rückläufigem Export. Auch der Maschinenbau sieht keine Dynamik. Die Welthandelszahlen bleiben robust, doch Deutschland profitiert nur selektiv – zu groß ist die Abhängigkeit von stagnierenden Partnern und hochpreisigen Exportgütern.

Stabil, aber nicht selbsttragend

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland zum Jahresende 2025 ist nicht rezessiv, aber auch nicht resilient. Die Binnenkonjunktur zeigt Tendenzen der Stabilisierung – getragen durch fiskalische Impulse und Investitionsgüternachfrage. Doch außenwirtschaftliche Risiken, strukturelle Verwerfungen im Mittelstand und eine zähe Konsumstimmung bremsen das Gesamtbild.

Quelle: BMWK, Bericht zur wirtschaftlichen Lage in Deutschland, Dezember 2025


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