Exportrückgang, Konsumflaute, steigende UnsicherheitSommerflaute in Sicht: Die deutsche Konjunktur zwischen Hoffnung und Unsicherheit

Veröffentlichung: 30.07.2025, 10:07 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

(PDF)
Konjunktur schwächelt: Exportrückgang, Konsumflaute, steigende Unsicherheit – was die deutsche Wirtschaft jetzt braucht.Konjunktur schwächelt: Exportrückgang, Konsumflaute, steigende Unsicherheit – was die deutsche Wirtschaft jetzt braucht.Adobe

Die deutsche Wirtschaft zeigt im Sommer 2025 ein fragiles Bild. Nach einem verhalten positiven Jahresauftakt gerät der konjunkturelle Aufschwung ins Stocken. Die jüngsten Zahlen aus dem Monatsbericht des Bundeswirtschaftsministeriums offenbaren ein zunehmend diffuses Bild zwischen kurzfristiger Erholung und strukturellen Risiken – getrieben von geopolitischen Spannungen, einer restriktiven US-Handelspolitik und zögerlicher Inlandsnachfrage.

Außenwirtschaft unter Druck

Die anhaltenden US-Zollmaßnahmen wirken sich spürbar auf den Außenhandel aus. Im Mai 2025 sanken die nominalen Exporte um 3,8% und die Importe sogar um 4,5% im Vergleich zum Vormonat. Besonders besorgniserregend ist der Rückgang der Ausfuhren in die USA um 7,7%, was die empfindliche Abhängigkeit vom transatlantischen Handel verdeutlicht. Die Folge: eine sich eintrübende Exportdynamik trotz gestiegener Auftragseingänge aus Drittstaaten außerhalb der EU.

Zurückhaltung ist angesagt

Im Inland bleibt der private Konsum ein Unsicherheitsfaktor. Trotz leicht verbesserter Einkommenserwartungen und stabiler Inflation – zuletzt bei 2,0% – zeigt sich die Kauflaune der Verbraucher:innen gedämpft. Frühindikatoren wie das GfK-Konsumklima stagnieren auf niedrigem Niveau, während die Sparneigung auf den höchsten Stand seit über einem Jahr gestiegen ist. Die Einzelhandelsumsätze (ohne Kfz) sanken im Mai real um 0,9% – ein deutliches Signal für eine zunehmende Zurückhaltung der Haushalte.

Industrie mit Licht und Schatten

Die Industrieproduktion legte im Mai gegenüber dem Vormonat um 1,2% zu, getragen von einer kräftigen Steigerung der Energieproduktion (+10,8%) und einer moderaten Erholung der industriellen Fertigung (+1,4%). Dagegen ging die Bauproduktion um 3,9% zurück. Auch die Auftragseingänge zeigen sich volatil: Während die Inlandsnachfrage um 7,8% einbrach, konnte die Nachfrage aus dem Ausland mit einem Plus von 2,9% zulegen – insbesondere Investitionsgüter wurden verstärkt nachgefragt.

Arbeitsmarkt und Unternehmensklima unter Druck

Trotz leicht steigender Erwerbstätigkeit bleibt die Situation am Arbeitsmarkt angespannt. Die Zahl der Arbeitslosen stieg im Juni saisonbereinigt um 11.000 Personen, während die Unterbeschäftigung leicht zurückging. Frühindikatoren wie das IAB-Arbeitsmarktbarometer und das ifo-Beschäftigungsbarometer bleiben schwach und deuten auf keine baldige Entspannung hin.

Gleichzeitig steigen die Unternehmensinsolvenzen weiter. Im April 2025 wurden 2.125 Verfahren registriert – ein Plus von 6,6% gegenüber dem Vormonat. Der IWH-Insolvenztrend zeigt zwar einen leichten Rückgang im Juni, doch im Vergleich zum Vorjahr liegt die Zahl der Insolvenzen um mehr als 22% höher. Diese Entwicklung verweist auf strukturelle Herausforderungen und eine hohe Kostenbelastung, insbesondere im Mittelstand.

Unsicherheit bleibt prägend

Der Nowcast des BIP signalisiert für das zweite Quartal 2025 einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,2%, für das dritte Quartal wird ein leichter Anstieg von 0,2% prognostiziert. Diese gedämpften Erwartungen spiegeln die fragile Lage wider. Die verlängerte US-Zollpause bis zum 1. August könnte kurzfristig für Stabilität sorgen – doch eine dauerhafte handelspolitische Einigung bleibt aus. Hinzu kommen globale Unsicherheiten, etwa im chinesisch-amerikanischen Handel, die sich zunehmend auch auf Europa auswirken.


(PDF)

LESEN SIE AUCH

Die offizielle Bewertung des BMWK bestätigt, dass die deutsche Wirtschaft trotz einzelner positiver Signale in Konsum- und Preisdaten strukturell belastet bleibt.Die offizielle Bewertung des BMWK bestätigt, dass die deutsche Wirtschaft trotz einzelner positiver Signale in Konsum- und Preisdaten strukturell belastet bleibt.Foto: Adobestock
Wirtschaft

Wirtschaftliche Lage im April: Strukturprobleme und geopolitische Risiken dominieren

Deutschlands Wirtschaft im Frühjahr 2025 unter Druck: Die neue BMWK-Analyse zeigt eine fragile Industrie, steigende Insolvenzen und massive Unsicherheiten durch US-Zölle. Einzelhandel stabilisiert, doch die erhoffte Konjunkturwende bleibt aus.
Der Anstieg des HCOB Flash PMI Deutschland ist ein ermutigendes Signal.Der Anstieg des HCOB Flash PMI Deutschland ist ein ermutigendes Signal.Foto: Adobestock
Wirtschaft

Industrie gibt Gas, Services auf der Bremse: Erste Erholung – aber noch kein Aufschwung

Die deutsche Wirtschaft sendet im März 2025 erste positive Signale. Besonders die Industrie zeigt sich deutlich erholt. Der HCOB Flash Composite PMI kletterte auf 50,9 Punkte – der höchste Stand seit Mai 2024 und ein Zeichen dafür, dass sich die Wirtschaft zum dritten Mal in Folge leicht nach oben bewegt.
Adobe
Wirtschaft

Wirtschaft auf der Kippe: Warum Deutschland 2025 wirtschaftlich stagniert – und was die Daten verraten

Deutschlands Wirtschaft stagniert: BIP bei null, Industrie schwach, Konsum gedämpft. Ein analytischer Blick auf die Konjunkturdaten Herbst 2025.
Binnenwirtschaft mit Impulsen, aber keine gesamtwirtschaftliche DynamikBinnenwirtschaft mit Impulsen, aber keine gesamtwirtschaftliche DynamikAdobe
Wirtschaft

Deutsche Wirtschaft stagniert – strukturelle Risiken bleiben virulent

Die deutsche Wirtschaft stagniert im Herbst 2025. Schwache Industrie, fragile Nachfrage, stabile Inflation – Impulse kommen nur vereinzelt aus der Binnenwirtschaft.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht