Gesundheitliche Risiken gefährden finanzielle Unabhängigkeit

Veröffentlichung: 10.11.2025, 11:11 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Krankheit und Berufsunfähigkeit zählen zu den größten Bedrohungen der finanziellen Freiheit – werden aber häufig verdrängt. Der Financial Freedom Report 2025 der LV 1871 zeigt: Viele Deutsche überschätzen Inflationsrisiken, unterschätzen gesundheitliche Gefahren und vertrauen im Ernstfall auf den Staat.

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LV 1871-Vorstand Hermann Schrögenauer und Prof. Dr. Julia Pitters, Professorin für Wirtschaftspsychologie mit Schwerpunkt Finanz-Psychologie an der IU Internationalen Hochschule.LV 1871-Vorstand Hermann Schrögenauer und Prof. Dr. Julia Pitters, Professorin für Wirtschaftspsychologie mit Schwerpunkt Finanz-Psychologie an der IU Internationalen Hochschule.LV 1871

Finanzielle Unabhängigkeit steht hoch im Kurs – doch die größten Gefahren für sie liegen näher, als viele glauben. Laut dem aktuellen Financial Freedom Report 2025 der LV 1871 sehen 53,2 Prozent der Befragten Krankheit und 37,4 Prozent Berufsunfähigkeit als Hauptbedrohungen ihrer finanziellen Freiheit. Gleichzeitig unterschätzen viele das tatsächliche Risiko: 45,2 Prozent gehen davon aus, im Laufe ihres Lebens nicht berufsunfähig zu werden. Nur 37,1 Prozent rechnen mit einem gegenteiligen Verlauf.

„Viele unterschätzen nach wie vor das Risiko einer Berufsunfähigkeit. Dabei stellt Krankheit eine reale Bedrohung für die finanzielle Unabhängigkeit dar“, warnt LV 1871-Vorstand Hermann Schrögenauer. Psychische Erkrankungen seien inzwischen die häufigste Ursache, gefolgt von Problemen am Bewegungsapparat.

Illusion der Sicherheit

Nur 25,5 Prozent der Befragten verfügen über eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Fast die Hälfte (43,9 Prozent) würde im Ernstfall auf Ersparnisse zurückgreifen – und 52,4 Prozent könnten maximal sechs Monate ohne Einkommen überbrücken. Besonders prekär ist die Lage bei körperlich tätigen Berufstätigen: 27,8 Prozent von ihnen hätten weniger als einen Monat finanzielle Reserve.

Trotz dieser Befunde setzen viele auf externe Hilfe. 53,6 Prozent erwarten staatliche Unterstützung, während ein Fünftel gar nicht einschätzen kann, wie lange die eigenen Mittel reichen würden. Schrögenauer mahnt: „Wer seine finanzielle Unabhängigkeit bewahren will, darf nicht allein auf staatliche Leistungen setzen. Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist das Fundament einer soliden Finanzplanung.“

Wahrnehmungsparadox: Falsche Risiken im Fokus

Prof. Dr. Julia Pitters, Wirtschaftspsychologin und wissenschaftliche Begleiterin der Studie, erklärt das Phänomen mit einem psychologischen Mechanismus: „Wir sehen ein klares Wahrnehmungsparadox. Finanzielle Unabhängigkeit gewinnt an Bedeutung, doch persönliche Risiken wie Krankheit oder Berufsunfähigkeit werden systematisch unterschätzt. Stattdessen prägen Themen wie Inflation das Risikobewusstsein – weil sie in den Medien stärker präsent sind.“

Diese sogenannte Verfügbarkeitsheuristik führt dazu, dass abstrakte, aber reale Gefahren wie Berufsunfähigkeit verdrängt werden. Folge: Notwendige Entscheidungen zur Absicherung werden vertagt – bis es zu spät ist.

Eigenverantwortung statt Staatserwartung

Der Report zeigt zugleich einen Generationenwandel. Während ältere Befragte stärker auf staatliche Unterstützung vertrauen, betonen Jüngere häufiger Eigenverantwortung. 26,6 Prozent der 18- bis 29-Jährigen sind überzeugt, dass jeder selbst für seine Absicherung zuständig ist. Für Schrögenauer ein positives Signal: „Unabhängige Maklerinnen und Makler spielen hier eine Schlüsselrolle. Sie können Risiken klar benennen und helfen, individuelle Lösungen zu finden.“

Die Ergebnisse zeigen deutlich: Gesundheitliche Risiken sind kein Randthema, sondern der blinde Fleck vieler Finanzplanungen. Wer finanzielle Freiheit ernst meint, muss sie gegen Krankheit absichern – nicht erst, wenn der Ernstfall schon eingetreten ist.

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