Rente mit 60 oder 70? – Wie sich die Deutschen an längeres Arbeiten gewöhnen
Fast die Hälfte der Deutschen will mit spätestens 60 Jahren in Rente gehen – gleichzeitig steigt die Bereitschaft, bis 70 zu arbeiten. Der Financial Freedom Report 2025 der LV 1871 zeigt: Die Akzeptanz für ein höheres Rentenalter wächst, während das Vertrauen in den Staat sinkt.
Der Traum vom frühen Ruhestand bleibt bestehen – doch die Realität verschiebt sich. Laut dem aktuellen Financial Freedom Report 2025 der LV 1871 wünschen sich 49,3 Prozent der Befragten einen Renteneintritt mit spätestens 60 Jahren. Zugleich steigt die Bereitschaft, länger zu arbeiten: 26,6 Prozent können sich vorstellen, erst mit 70 in Rente zu gehen (2024: 22,5 Prozent). Damit wächst die Akzeptanz für ein späteres Arbeitsende spürbar.
„Die immer mehr in den Fokus rückende öffentliche Debatte über die Erhöhung des Rentenalters scheint die Akzeptanzschwelle zu verschieben. Nach dem Motto ‚the more you hear it, the more you like it‘ gewöhnen sich die Befragten langsam an eine Erhöhung des Renteneintrittsalters“, erklärt Prof. Dr. Julia Pitters, Wirtschaftspsychologin und wissenschaftliche Begleiterin der Studie.
Generationenunterschiede beim Ruhestandsideal
Vor allem die jungen Erwachsenen zeigen ein ambivalentes Verhältnis zum Arbeiten: 15,5 Prozent der 18- bis 29-Jährigen möchten spätestens mit 50 aufhören, während 30,5 Prozent sich vorstellen können, bis 70 zu arbeiten. Damit spiegelt sich eine Generation wider, die zwischen Freiheitsdrang und Realismus schwankt.
Beruflich unterscheiden sich die Einstellungen deutlich: 60,5 Prozent der Angestellten wünschen sich die Rente bis 60, während 69,8 Prozent der Beamten bereit wären, bis 70 zu arbeiten. Für LV 1871-Vorstand Hermann Schrögenauer ist das kein Zufall: „Unsere Studie zeigt eine diverse Sachlage: Einerseits wollen die meisten weiterhin früh in Rente gehen, andererseits sind zunehmend auch Jüngere bereit, länger zu arbeiten. Für die Vorsorge heißt das genauso wie für die Absicherung: Wir brauchen Flexibilität statt Einheitslösungen.“
Verantwortung verschiebt sich
Der Report zeigt zudem eine wachsende Skepsis gegenüber staatlicher Absicherung. Während über die Hälfte der Bevölkerung (53,6 Prozent) im Ernstfall auf staatliche Unterstützung vertraut, sehen vor allem Jüngere die Eigenverantwortung im Vordergrund. 26,6 Prozent der 18- bis 29-Jährigen sind überzeugt, dass jede Person selbst für ihre finanzielle Sicherheit sorgen muss.
Die Kombination aus wachsendem Kostenbewusstsein, Reformdebatten und individuellen Freiheitsansprüchen führt zu einem neuen Vorsorgeverständnis. Finanzielle Unabhängigkeit wird zunehmend als persönliche Aufgabe begriffen – und weniger als staatlich garantierte Sicherheit.
Wie Prof. Dr. Julia Pitters es formuliert: „Freiheit wird zunehmend durch ökonomische Stabilität definiert. Zwischen den Generationen zeigt sich ein klarer Trend zu mehr Eigenverantwortung – und das ist psychologisch wie gesellschaftlich ein Wendepunkt.“
Themen:
LESEN SIE AUCH
Finanzielle Freiheit: Generation Z zwischen Ideal und Realität
Altersvorsorge: Deutsche wollen mehr sparen
Private Altersvorsorge: Beratung in weniger als zwei Stunden?
Inflation: Weniger Menschen zahlen in die betriebliche Altersversorgung ein
Unsere Themen im Überblick
Themenwelt
Wirtschaft
Management
Recht
Finanzen
Assekuranz
Wohneigentum: Die stille Verschiebung vom Einkommens- zum Vermögensproblem
Maklerpools 2025: „BIG 4“ bauen Vorsprung aus
Sicherheitsrisiko auf der Straße – warum die Logistikbranche Ladungsdiebstahl unterschätzt
Exportnation im Stresstest: Warum deutsche Unternehmen wachsen wollen – obwohl das Risiko steigt
Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk
Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.














