Erbstreit um 20 Millionen Euro: BGH bestätigt Urteil im Fall Carossa-Nachlass

Veröffentlichung: 06.11.2025, 12:11 Uhr - Lesezeit 4 Minuten

Ein gefälschtes Testament, ein prominenter Dichternachlass und eine Freiheitsstrafe von über fünf Jahren: Der Bundesgerichtshof (BGH) hat das Urteil des Landgerichts Passau im Fall um das Millionen-Erbe des Schriftstellers Hans Carossa rechtskräftig bestätigt. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die Bedeutung fälschungssicherer Nachlassregelungen – und auf die Grenzen des Vertrauens in Betreuer und Pflegepersonen.

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Der Bundesgerichtshof (BGH) hat das Urteil des Landgerichts Passau im Fall um das Millionen-Erbe des Schriftstellers Hans Carossa rechtskräftig bestätigt.Der Bundesgerichtshof (BGH) hat das Urteil des Landgerichts Passau im Fall um das Millionen-Erbe des Schriftstellers Hans Carossa rechtskräftig bestätigt.DALL-E

Der Bundesgerichtshof hat das Urteil des Landgerichts Passau im sogenannten „Carossa-Erbstreit“ bestätigt. Eine ehemalige Betreuerin des vermögenden Erben und Nachlassverwalters Niels K. wurde rechtskräftig zu fünf Jahren und sechs Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass sie nach dem Tod ihres Pflegeklienten zwei gefälschte Testamente beim Nachlassgericht eingereicht hatte, um sich selbst als Alleinerbin einzusetzen.

Der Nachlass hatte einen Wert von mindestens 20 Millionen Euro – darunter das umfangreiche literarische Archiv des Dichters Hans Carossa (1878–1956). Die Sammlungen umfassen handschriftliche Manuskripte, Briefe, medizinische Aufzeichnungen und Erstauflagen des Autors, dessen Nachlass kulturhistorisch von erheblichem Wert ist.

Nach den Feststellungen des Landgerichts versuchte die Angeklagte, sich durch Vorlage der gefälschten Testamente einen Erbschein zu verschaffen, der ihr Zugriff auf das Vermögen verschafft hätte. Zudem habe sie gegenüber dem Nachlassgericht falsche eidesstattliche Versicherungen abgegeben und versucht, die Existenz anderer letztwilliger Verfügungen zu verschleiern.

Die Beweisführung beruhte auf einem graphologischen Gutachten des Bayerischen Landeskriminalamts sowie zahlreichen Widersprüchen in den Aussagen der Angeklagten. Der BGH wies ihre Revision zurück – das Urteil ist damit rechtskräftig.

Stiftungen als Erben: Rechtliche Bedeutung und Schutzmaßnahmen

Besonderes Augenmerk gilt der Tatsache, dass der Erblasser laut Testament eine öffentliche Stiftung zur Alleinerbin eingesetzt hatte. Fälle wie dieser zeigen, welche Bedeutung der sorgfältigen Verwahrung, Beurkundung und Überprüfung von Testamenten zukommt. Gerade wenn Stiftungen, Vereine oder gemeinnützige Organisationen bedacht werden, sollten Nachlassverfügungen notariell hinterlegt und regelmäßig auf ihre Wirksamkeit geprüft werden.

Juristisch ist der Fall auch deshalb bemerkenswert, weil die Täterin zugleich Pflegeperson und Betreuerin war – ein Umstand, der die Debatte um Interessenkonflikte und Kontrollmechanismen in der Betreuung neu belebt.

Kultureller Wert des Carossa-Archivs

Das Archiv Hans Carossa gilt als eines der bedeutendsten privaten Literaturarchive Deutschlands. Es enthält Autografen, Korrespondenzen und Werke des Dichters, die nach bisherigen Schätzungen einen erheblichen finanziellen und kulturellen Wert darstellen. Das Erbe sollte in eine Stiftung übergehen, um der Öffentlichkeit zugänglich zu bleiben.

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