Grundfähigkeitsversicherung: Was „Gehen“ wirklich bedeutet

Wie viel Bewegung braucht es, um als „gehfähig“ zu gelten? Das IVFP zeigt im aktuellen Grundfähigkeitsrating 2025, wie unterschiedlich Versicherer diesen scheinbar einfachen Leistungsauslöser definieren – und warum das Beispiel Gehen exemplarisch für die Komplexität der Grundfähigkeitsversicherung steht.

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Grundfähigkeiten: Was 'Gehen' bedeuten kann.Grundfähigkeiten: Was 'Gehen' bedeuten kann.DALL-E

Wenn 400 Meter zum Maßstab werden

Die Fähigkeit Gehen zählt zu den zentralen Leistungsauslösern in der Grundfähigkeitsversicherung (GFV). Doch was auf den ersten Blick eindeutig wirkt, ist in der Praxis erstaunlich vielschichtig.
Im Rahmen des Grundfähigkeitsratings 2025 hat das Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) untersucht, wie unterschiedlich Versicherer diesen Auslöser fassen – und wie sich diese Definitionen auf Preis und Leistung auswirken.

In die Bewertung flossen Kriterien wie Distanz, Pausenregelung, Hilfsmittel und Zeitvorgabe ein. Beispiel: Einige Versicherer verlangen, dass Versicherte mindestens 400 Meter auf ebener Fläche ohne Pause zurücklegen können, andere erlauben Zwischenstopps oder den Einsatz von Gehhilfen.

Mehr als eine medizinische Messgröße

Die Analyse zeigt: Der Begriff Gehen ist keine rein medizinische Größe, sondern spiegelt auch die Philosophie des Versicherers wider. Einige Anbieter legen den Fokus auf objektive Bewegungsparameter, andere auf die funktionale Alltagsfähigkeit. Diese Unterschiede machen es Kundinnen und Kunden – und auch Vermittlern – schwer, Tarife fair zu vergleichen.

Mit der IVFP-Methodik wird das erstmals möglich: Jede Teilkomponente – von der Distanz über die Dauer bis hin zur Nutzung von Hilfsmitteln – erhält eine gewichtete Bewertung, die zu einem Gesamtergebnis führt. So entsteht eine nachvollziehbare Grundlage für den Preis-Leistungs-Vergleich.

Individuell, Baukasten oder All-in-One

Das Beispiel Gehen zeigt auch, wie die drei Konzepte der GFV-Tarifwelt (individuell, Baukasten, All-in-One) in der Praxis greifen:

  • Bei individuellen Konzepten kann die Fähigkeit Gehen einzeln abgesichert werden – flexibel, aber beratungsintensiv.
  • Das Baukasten-Modell fasst sie meist mit weiteren Bewegungsfähigkeiten zusammen.
  • All-in-One-Tarife sichern standardmäßig ein breites Set an körperlichen Grundfähigkeiten ab – mit weniger Gestaltungsfreiheit, aber hoher Abdeckung.

Kleine Definition, große Wirkung

„Ein individuell zusammengestellter Tarif ist in der Regel nicht viel teurer als der eines All-in-One-Anbieters“, erklärt Georg Goedeckemeyer, Leiter Rating beim IVFP.
Gerade das Beispiel Gehen zeige, wie entscheidend klare Definitionen für die Markttransparenz seien. Denn schon kleine Unterschiede bei den Leistungsauslösern können darüber entscheiden, ob im Ernstfall gezahlt wird – oder nicht.

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