Allianz Trade: Nahostkonflikt treibt Insolvenzen weltweit nach oben

Veröffentlichung: 22.04.2026, 14:04 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Die globale Insolvenzentwicklung verschärft sich: Allianz Trade hebt seine Prognose für 2026 deutlich an und erwartet nun einen Anstieg der Unternehmensinsolvenzen um 6 Prozent – doppelt so stark wie vor der Eskalation des Nahostkonflikts prognostiziert. Weltweit könnten dadurch bis 2027 rund 15.000 zusätzliche Firmenpleiten entstehen. Auch Deutschland ist betroffen: Die Fallzahlen dürften 2026 auf 24.650 steigen und damit den höchsten Stand seit 2012 erreichen.

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Milo Bogaerts
CEO von Allianz Trade für Deutschland, Österreich und die SchweizMilo Bogaerts CEO von Allianz Trade für Deutschland, Österreich und die SchweizAllianz Trade
„Der Welthandel, Exporte und die deutsche Wirtschaft wurden erneut ausgebremst“

sagt Milo Bogaerts, CEO von Allianz Trade für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Die Folgen seien

„nicht nur an der Zapfsäule und bei der Inflation zu spüren“,

sondern zeigten sich zunehmend in steigenden Insolvenzzahlen.

Geopolitik als Kostenschock im Unternehmenssektor

Ökonomisch wirkt der Nahostkonflikt wie ein externer Kostenschock entlang globaler Wertschöpfungsketten. Steigende Energiepreise, höhere Transportkosten und zunehmende Unsicherheit schlagen direkt auf Inputkosten und Finanzierungsbedingungen durch. Gleichzeitig dämpfen geopolitische Risiken Investitionen und Nachfrage.
Damit verschiebt sich die Insolvenzdynamik: Nicht mehr nur Zinsniveau und Konjunktur bestimmen das Ausfallrisiko, sondern zunehmend geopolitische Störungen. Unternehmen mit geringer Preissetzungsmacht, hoher Verschuldung oder kapitalintensiven Geschäftsmodellen geraten dabei besonders unter Druck.

Resilienz versus Effizienz der Globalisierung

Die aktuelle Entwicklung legt eine strukturelle Schwäche der globalisierten Produktionsweise offen. Effizienzgewinne durch Just-in-time, niedrige Lagerhaltung und internationale Arbeitsteilung erhöhen zugleich die Anfälligkeit gegenüber exogenen Schocks. Die Blockade zentraler Handelsrouten wie der Straße von Hormus wirkt dabei als systemischer Engpass.
Politisch entsteht ein Zielkonflikt: Während offene Märkte Wachstum sichern sollen, erzwingen geopolitische Risiken eine stärkere Absicherung von Lieferketten – mit entsprechend höheren Kosten. Diese Reallokation wird nicht staatlich gesteuert, sondern über steigende Insolvenzen im Markt erzwungen.

Insolvenzen als Anpassungsmechanismus

Die prognostizierten zusätzlichen Insolvenzen sind Ausdruck eines Anpassungsprozesses. Steigende Kosten treffen auf eine schwächere Nachfrage und verschärfte Finanzierungsbedingungen. Besonders betroffen sind zyklische und energieintensive Branchen wie Bau, Industrie und Transport sowie konsumabhängige Sektoren.
Allianz Trade verweist zudem auf eine zunehmende Belastung des Arbeitsmarkts: 2026 könnten weltweit rund 2,2 Millionen Arbeitsplätze direkt von Insolvenzen betroffen sein. Insolvenzen fungieren damit nicht nur als Marktauslese, sondern als Übertragungsmechanismus makroökonomischer Schocks auf Beschäftigung und Einkommen.

Geopolitik wird zum Kreditrisiko

Für Kreditversicherer und Finanzierer verschiebt sich die Risikobewertung grundlegend. Politische Konflikte werden zu einem zentralen Parameter für Zahlungsausfälle und Liquiditätsrisiken. Die klassische Bonitätsprüfung einzelner Unternehmen reicht nicht mehr aus, wenn systemische Schocks ganze Branchen gleichzeitig treffen.
Am Ende entsteht eine neue Risikologik: Insolvenzen sind nicht mehr primär das Ergebnis unternehmerischer Fehlentscheidungen, sondern zunehmend Folge externer Schocks. Der Nahostkonflikt wirkt dabei wie ein Katalysator – er beschleunigt eine Entwicklung, in der geopolitische Unsicherheit zum bestimmenden Faktor wirtschaftlicher Stabilität wird.

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