Finanztip zieht „fünf Lehren aus dem Riester-Desaster“

Veröffentlichung: 24.09.2025, 09:09 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Über fünf Millionen Riester-Verträge wurden bereits gekündigt – allein 2025 könnte ein Rekordjahr werden. Der Geldratgeber Finanztip hält die Riester-Rente für gescheitert und formuliert fünf zentrale Lehren für die Zukunft der privaten Altersvorsorge.

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Der Geldratgeber Finanztip hält die Riester-Rente für gescheitert und formuliert fünf zentrale Lehren für die Zukunft der privaten Altersvorsorge.Der Geldratgeber Finanztip hält die Riester-Rente für gescheitert und formuliert fünf zentrale Lehren für die Zukunft der privaten Altersvorsorge.DALL-E

Rekord bei Kündigungen

Die Riester-Rente steht vor einem historischen Tiefpunkt: Mehr als fünf Millionen Verträge wurden seit Einführung vorzeitig beendet – rund jeder vierte der insgesamt 20 Millionen Abschlüsse. Zwischen Januar und August 2025 kamen fast 220.000 Kündigungen hinzu. Sollte sich der Trend fortsetzen, wird das laufende Jahr zum Rekordjahr für Riester-Kündigungen.

„Die Riester-Rente startete vor fast 25 Jahren mit dem Versprechen, die Rentenlücke zu schließen und den Menschen eine verlässliche Altersvorsorge zu bieten“, sagt Saidi Sulilatu, Chefredakteur von Finanztip. „Dieses Vorhaben ist gescheitert.“

Kritik an der Frühstartrente

Parallel arbeitet das Bundesfinanzministerium an der Frühstartrente, die ab 2026 starten soll. Sie sieht eine staatliche Zulage von zehn Euro pro Monat für Kinder zwischen sechs und 18 Jahren vor. Eine umfassende Riester-Reform ist jedoch nicht in Sicht.

Sulilatu kritisiert: „Die Frühstartrente in der diskutierten Form verfehlt das Ziel einer breiten Vorsorge. Altersvorsorge ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe – nicht nur eine Kinderzulage.“

Die fünf Lehren aus dem Riester-Desaster

Finanztip hat ein Positionspapier vorgelegt, das konkrete Reformvorschläge enthält. Kern sind fünf Lehren, die aus den Schwächen der Riester-Rente gezogen werden müssen:

  • Niedrigere Kosten, mehr Rendite
    Riester litt unter hohen Verwaltungskosten, Intransparenz und komplizierten Regeln. Künftig brauche es standardisierte ETF-Produkte mit maximal 0,5 Prozent Gesamtkosten pro Jahr – einschließlich Fondsverwaltung und Depotführung. Nur so bleibt mehr Rendite für die Sparer*innen.
  • Produkte ohne Garantien zulassen
    Die 100-Prozent-Beitragsgarantie hat in Zeiten niedriger Zinsen verhindert, dass Kapital wachsen konnte. Eine moderne Altersvorsorge muss flexible Varianten erlauben – mit oder ohne Garantie. Nur so können Verbraucher selbst entscheiden, ob sie Sicherheit oder Ertragschancen bevorzugen.
  • Flexiblere Auszahlungen
    Bei Riester war das Kapital meist gebunden: Verrentung, komplizierte Wohnförderung, kein Vererben. Finanztip fordert mehr Wahlfreiheit: Teilentnahmen, flexible Modelle und vererbbare Auszahlungen, damit die Vorsorge planbarer und vertrauenswürdiger wird.
  • Breite Beteiligung durch Opt-out-Modelle
    Riester setzte auf freiwillige Teilnahme, viele Menschen blieben außen vor. Automatische Einbeziehung (Opt-out) könne helfen, gerade Geringverdienende und finanzferne Gruppen einzubeziehen, die stark von Altersarmut bedroht sind.
  • Einfache Steuer- und Förderregeln
    Komplizierte Anträge, Einkommensprüfungen und unübersichtliche Steuervorteile haben viele abgeschreckt. Finanztip schlägt transparente, pauschale Förderung vor, absetzbare Zusatzbeiträge und klare Freibeträge – ohne bürokratische Hürden.

„Teure Versäumnisse der Vergangenheit müssen korrigiert werden“, fasst Sulilatu zusammen.

Rentenlücke bleibt groß

Wie dringend Reformbedarf besteht, zeigen Finanztip-Berechnungen: Eine 30-jährige Frau mit 2.700 Euro netto benötigt rund eine Million Euro Vermögen, um ihren Lebensstandard bis ins hohe Alter zu halten. Selbst mit gesetzlicher Rente bleibt eine Lücke von mehr als 500.000 Euro.

Wer frühzeitig investiert, kann diese Lücke schließen. Ein Beispiel: Bei einem Einstieg mit 30 Jahren müsste die Frau monatlich rund 430 Euro in einen weltweiten ETF investieren. Beginnt sie erst mit 40, steigt der notwendige Betrag auf fast 690 Euro. „Je früher man das Investieren anfängt, desto weniger Druck hat man später“, so Sulilatu.

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