Immobilienkredite: Sind neue Regeln sinnvoll?
Immobilien stehen nach wie vor hoch im Kurs, unterstützt von einem nachhaltig anhaltenden niedrigen Zinsniveau. Trotzdem oder gerade deshalb wird eine weitere Überhitzung des Immobilienmarktes von den Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft mit Argwohn betrachtet. Dies sei unnötig, wie nun eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln bestätigt. Der deutsche Immobilienmarkt sei einer der Stabilsten in der Welt.
Deutsche Häuslebauer sind vorsichtig, denn 78 Prozent derer, die hierzulande eine Immobilie besitzen, bringen weniger als 20 Prozent ihres Einkommens für Zins und Tilgung auf. Lediglich vier Prozent müssen mehr als 40 Prozent aufwenden. Größere Summen leihen sich vor allem vermögendere Haushalte, eine Rückzahlung dürfte damit gesichert sein. Verglichen mit anderen europäischen Ländern sind die deutschen Haushalte durch Immobilienfinanzierungen weniger belastet. Dennoch zieht die Politik in Erwägung, engere Grenzen für die Kreditvergabe zu ziehen. Diskutiert wird u.a. eine verbindliche Vorgabe wie viel Prozent seines Einkommens ein Schuldner maximal ausgeben darf, um einen Kredit zu bedienen. Diese Maßnahme soll vor überverhältnismäßig hohen Schulden schützen und auch Zahlungsausfälle verhindern.
Laut IW-Studie ist diese Vorsicht jedoch nicht geboten, da die Verschuldung der Privathaushalte in Deutschland seit einigen Jahren merklich abnimmt. Lag die Schuldenquote im Jahr 2000 noch bei 106 Prozent des verfügbaren Einkommens, sank sie bis 2015 auf 84,5 Prozent. Mittlerweile haben sich die Immobilienpreise in den städtischen und ländlichen Regionen weitestgehend im Einklang mit den Mieten und Einkommen entwickelt. Eine Ausnahme bilden hier die begehrten Millionenmetropolen Berlin, Hamburg und München. Dort verteuert sich der Wohnraum nach wie vor massiv, was zur Folge hat, dass sich die Immobilienpreise vom Einkommen der Einwohner deutlich abgekoppelt haben.
Neue Regeln für die Kreditvergabe zur Immobilienfinanzierung würden aber auch zu einer weiteren Belastung der Kreditinstitute führen. Denn davon wären letztendlich die Kreditvergabe und somit deren Zinseinnahmen sowie der Aufbau des Eigenkapitals betroffen. Eine Maßnahme, die unter aktuellen Gegebenheiten sicherlich zu hinterfragen ist. Schließlich lesen Bauherren und Immobilienkäufer gegenwärtig unter anderem auf Online-Portalen, dass sich klassische Bausparverträge und die Finanzierung über eine Lebensversicherung zurzeit nicht lohnen würden, da beide Varianten nicht mehr die Vorteile böten, wie noch vor einigen Jahren.
Bild: © K.F.L. / fotolia.com
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