Erbschaft: „Es ist gefährlich, die eigene Altersvorsorge darauf zu stützen“

Veröffentlichung: 08.09.2025, 10:09 Uhr - Lesezeit 3 Minuten

Jeder Siebte plant, die eigene Rente über ein künftiges Erbe zu finanzieren – in Hessen sogar fast jeder Vierte. Doch Experten warnen: Auf Erbschaften als Altersvorsorge zu setzen, ist riskant und kann schnell zur Falle werden.

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Karsten Dietrich, Vorstand Personenversicherung bei AXA DeutschlandKarsten Dietrich, Vorstand Personenversicherung bei AXA DeutschlandAXA

Eine aktuelle Auswertung des AXA Vorsorge Reports zeigt, dass 15 Prozent der Deutschen davon ausgehen, bis zum Renteneintritt eine Erbschaft zu erhalten und diese für ihre Altersvorsorge zu nutzen. Doch die Erwartungshaltung unterscheidet sich deutlich nach Bundesländern.

Am stärksten ausgeprägt ist sie in Hessen, wo fast jeder Vierte (23 Prozent) angibt, sich auf ein Erbe für die eigene Altersplanung zu verlassen. Auch in Baden-Württemberg (18 Prozent) liegt der Wert über dem Bundesdurchschnitt. In Nordrhein-Westfalen und Bayern dagegen rechnen jeweils nur 14 Prozent der Befragten mit einer solchen finanziellen Unterstützung im Alter.

Erbschaftssteuer in der politischen Diskussion

Parallel dazu sorgt die politische Debatte um die Erbschaftssteuer für zusätzliche Unsicherheit. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hatte jüngst eine Reform gefordert, die stärker auf regionale Unterschiede zugeschnitten sein soll. Gerade in Bundesländern mit hoher Erwartungshaltung – wie Hessen oder Baden-Württemberg – könnten mögliche steuerliche Veränderungen die tatsächliche finanzielle Absicherung im Alter erheblich beeinflussen.

Experten warnen vor trügerischer Sicherheit

Fachleute raten daher, Erbschaften nicht als verlässliche Vorsorgestrategie einzuplanen. Denn viele Faktoren sind kaum kalkulierbar: vom Zeitpunkt der Erbschaft über die Höhe bis hin zu steuerlichen Rahmenbedingungen. Hinzu kommt, dass Eltern oder Angehörige Vermögen im Alter selbst benötigen könnten – etwa zur Finanzierung von Pflege, falls keine entsprechende Versicherung abgeschlossen wurde.

„Ein Erbe ist unsicher. Wer wann wie viel erbt und zu welchen steuerlichen Bedingungen, ist kaum vorauszusehen. Es ist gefährlich, die eigene Altersvorsorge darauf zu stützen“, betont Karsten Dietrich, Vorstand Personenversicherung bei AXA Deutschland. „Wer finanziell unabhängig im Ruhestand sein möchte, sollte auf eigene, planbare Vorsorgestrategien setzen.“

Über den AXA Vorsorge Report
Für die Studie hat das Meinungsforschungsinstitut YouGov im Auftrag von AXA vom 1. bis 4. August 2025 insgesamt 2.009 Personen in Deutschland online befragt. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren.

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