Abschaffung der Steuererklärung: Wunsch nach Einfachheit opfert Steuergerechtigkeit
Die Deutsche Steuer-Gewerkschaft (DSTG) hat sich dafür ausgesprochen, die Steuererklärung für Arbeitnehmer sowie für Rentner abzuschaffen. Der Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe e. V. (VLH) nimmt dazu klar Stellung: Eine Abschaffung der Steuererklärung würde zwangsläufig zu einer weitreichenden Pauschalierung führen – mit der Folge steuerlicher Ungleichbehandlung und spürbarer Nachteile für viele Steuerpflichtige.
Vereinfachung ja – aber nicht durch Abschaffung
Der VLH sieht die Forderung nach einer Vereinfachung der Steuererklärung als berechtigt und notwendig an. Eine vollständige Abschaffung der Steuererklärung wird aber als falscher Weg angesehen, da viele Steuerpflichtige mit höheren Aufwendungen deutlich schlechter gestellt werden würden.
Vorausgefüllte Steuererklärung bietet großes Potenzial
Bereits heute liegen der Finanzverwaltung viele Daten vor – etwa zu Löhnen, Versicherungen oder Sozialleistungen –, die im Rahmen der sogenannten vorausgefüllten Steuererklärung automatisiert verarbeitet werden können. Hier steckt enormes Potenzial für weitere Vereinfachungen, betont Uwe Rauhöft, Vorstandsmitglied des VLH. Es müsste vielmehr einen Ausbau dieses digitalen Service geben, anstatt einer vollständigen Pauschalierung.
Grobe Pauschalen benachteiligen viele Steuerzahler
Eine weitreichende Pauschalierung steuerlich relevanter Aufwendungen würde nach Einschätzung der VLH für viele Steuerpflichtige einer faktischen Steuererhöhung gleichkommen. Wer hohe Werbungskosten, Krankheits- oder Kinderbetreuungskosten hat, profitiert heute davon, diese individuell ansetzen zu können, erklärt Rauhöft. Würden solche Aufwendungen rein pauschal berücksichtigt werden, gibt es viele Steuerpflichtige, die schlechter gestellt werden und möglicherweise mehr Steuern zahlen, was nicht Ziel einer solchen Maßnahme sein darf.
Rentenbesteuerung: VLH lehnt Quellenabzug ab
Auch die von der DSTG geforderte Abschaffung der Steuererklärung für Rentner durch einen automatischen Quellenabzug stößt bei der VLH auf Ablehnung. Zwar sieht auch die VLH beim Thema Rentenbesteuerung dringenden Handlungsbedarf, jedoch sei der Vorschlag eines automatischen Steuerabzugs über die Rententräger nicht praktikabel. Der Quellensteuerabzug würde direkt beim Rentenversicherungsträger erfolgen, das hätte einen enormen Mehraufwand zur Folge.
VLH fordert zielführende Vereinfachung statt Symbolpolitik
Die VLH befürwortet ausdrücklich eine vereinfachte, digitale und bürgerfreundliche Steuererklärung – lehnt jedoch eine vollständige Abschaffung entschieden ab. Steuergerechtigkeit darf nicht dem Wunsch nach Einfachheit geopfert werden. Statt populistischen Schnellschüssen brauche es tragfähige Lösungen, die auf den realen Lebenssituationen der Steuerpflichtigen beruhen und diese auch vollumfänglich berücksichtigen.
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