Umstritten, aber wirksam: Wie die Entfernungspauschale Pendler entlastet

Veröffentlichung: 07.07.2025, 10:07 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Kritisiert als klimaschädlich, genutzt von Millionen: Die Entfernungspauschale bleibt ein steuerliches Entlastungsinstrument mit breiter Wirkung – und laut aktueller Studien ohne messbare Umweltschäden.

(PDF)
cms.fxljfDALL-E

Pendlerpauschale bleibt umstritten – entlastet aber spürbar

Die Entfernungspauschale steht seit Jahren in der Kritik. Umweltverbände bemängeln, sie bevorzuge Autofahrer und behindere die Verkehrswende. Dennoch profitieren jedes Jahr Millionen Berufspendler steuerlich – unabhängig vom gewählten Verkehrsmittel.

Der Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe e. V. (VLH) verweist auf aktuelle Studien, die eine umweltschädliche Wirkung nicht belegen. Die vielfach geäußerte Kritik, die Entfernungspauschale fördere klimaschädliches Verhalten, weist der Lohnsteuerhilfeverein VLH zurück.

„Es gibt keinen wissenschaftlich belegten Nachweis für eine umweltschädliche Wirkung der Entfernungspauschale“, betont VLH-Vorstandsmitglied Uwe Rauhöft.

Eine empirische Untersuchung von Professor Dr. Frank Hechtner (FAU Erlangen-Nürnberg) und Professor Dr. Kay Blaufus (Leibniz Universität Hannover) aus dem Jahr 2023 kommt zu dem Ergebnis: Weder die Höhe noch der Wegfall der Pauschale haben einen nennenswerten Einfluss auf die Wohnortwahl oder die Länge des Arbeitswegs. Selbst eine Veränderung um zehn Cent pro Kilometer würde die durchschnittliche Pendelstrecke nur um rund 330 Meter verkürzen – ein vollständiger Wegfall lediglich um 1,8 Kilometer.

Zudem weist die VLH auf den verkehrsmittelunabhängigen Charakter der Pauschale hin.

„Weil die Entfernungspauschale vom gewählten Verkehrsmittel unabhängig ist, kann der steuerliche Vorteil bei Fahrgemeinschaften, Mitfahrern, Nutzern öffentlicher Verkehrsmittel oder Fahrradfahrern die tatsächlichen Kosten manchmal sogar übersteigen. Damit wird umweltfreundliches Verhalten belohnt“, so Rauhöft.

Steuerlich begünstigt: Auto, Fahrrad oder Bahn – alles zählt

Die Entfernungspauschale gilt unabhängig vom Verkehrsmittel – auch für Fahrgemeinschaften, öffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad. Die steuerliche Erstattung kann in manchen Fällen sogar über den tatsächlichen Kosten liegen – etwa bei günstigen Monatskarten oder Mitfahrgelegenheiten.

Mehrheit fährt mit dem Auto – Entlastung für breite Bevölkerung

Laut Statistischem Bundesamt fuhren 2024 rund 65 Prozent der Beschäftigten mit dem Auto zur Arbeit. Öffentliche Verkehrsmittel nutzten 16 Prozent, 10 Prozent das Fahrrad. Für sie alle gilt: Jeder Kilometer der einfachen Wegstrecke zur ersten Tätigkeitsstätte kann steuerlich geltend gemacht werden.

Beispielrechnung zeigt Potenzial zur Steuerersparnis

Für den Weg zur ersten Tätigkeitsstätte erkennt das Finanzamt pauschal 30 Cent je vollem Kilometer der einfachen Strecke an – und zwar für jeden tatsächlich gefahrenen Arbeitstag. Ab dem 21. Kilometer steigt die Pauschale auf 38 Cent. Maßgeblich ist dabei stets die kürzeste Straßenverbindung. Die Regelung gilt unabhängig davon, ob der Weg mit dem eigenen oder einem zur Verfügung gestellten Auto zurückgelegt wird.

Ein Rechenbeispiel zeigt das Entlastungspotenzial: Wer im Jahr 2024 an 220 Tagen jeweils 20 Kilometer zur Arbeit fährt, kann 1.320 Euro als Werbungskosten geltend machen – und überschreitet damit bereits den Arbeitnehmerpauschbetrag von 1.230 Euro. Bei einer einfachen Strecke von 45 Kilometern summiert sich die Entfernungspauschale auf 3.410 Euro:

  • 220 Arbeitstage × 20 km × 0,30 € = 1.320 €
  • 220 Arbeitstage × 25 km × 0,38 € = 2.090 €
  • Gesamtbetrag Werbungskosten: 3.410 €

Entfernungspauschale als steuerlicher Ausgleich ohne Umweltwirkung

Trotz ökologischer Bedenken bleibt die Entfernungspauschale ein bewährtes Instrument zur finanziellen Entlastung von Berufspendlern. Sie honoriert den Weg zur Arbeit unabhängig vom Verkehrsmittel und wird von der Mehrheit der Steuerpflichtigen genutzt – ohne nachweisbaren Einfluss auf das Mobilitätsverhalten.

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Kalender 31Kalender 31playstuff – stock.adobe.com
Steuern

Noch keine Steuererklärung gemacht?

Steuerzahler*innen haben für die Abgabe der Steuererklärung 2021 drei Monate länger Zeit, nämlich bis zum 31. Oktober 2022. Was passiert, wenn die Frist verpasst wird? Welche neuen Steuervorteile gibt es? Der Lohnsteuerhilfeverein VLV erklärt die wichtigsten Details.
Experten
Steuern

VLH erinnert: Bei beruflich genutzten Hunden sind viele Kosten absetzbar

Beruflich genutzte oder medizinisch notwendige Hunde verursachen Kosten – viele davon sind steuerlich absetzbar. Die VLH erklärt, welche Nachweise nötig sind.
Welche typischen Ausbildungskosten steuerlich berücksichtigt werden könnenWelche typischen Ausbildungskosten steuerlich berücksichtigt werden könnenDALL-E
Steuern

Berufsstart: Welche Ausgaben lassen sich von der Steuer absetzen

Ob Berufsausbildung oder Studium - mit dem Start ins Berufsleben gehen meist auch finanzielle Belastungen einher. Was viele junge Menschen und ihre Familien nicht wissen: Zahlreiche Ausbildungskosten können unter bestimmten Umständen steuerlich geltend gemacht werden. Der Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe e.V. erklärt, welche Voraussetzungen und gesetzliche Grundlagen dabei entscheidend sind.
Fahrer-257838439-AS-Alfons-VenFahrer-257838439-AS-Alfons-VenAlfons Ven – stock.adobe.com
Flotte Fahrzeuge

Pendlerpauschale und Mobilitätsprämie: So funktioniert's ab 2021

Das Klima muss gerettet werden, deshalb erhöht der Staat ab 2021 die Pendlerpauschale. Das ist, etwas verkürzt wiedergegeben, einer der Klimaschutz-Beschlüsse der Bundesregierung. Heißt: Ab 1. Januar 2021 steigt die Pendlerpauschale ab dem 21. Kilometer von 30 auf 35 Cent für jeden Kilometer der einfachen Fahrt zur Arbeit. Und: Für Geringverdiener gibt es die Mobilitätsprämie.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht