VOTUM: Symbolpolitik reicht nicht – Kritik an „Finance Europe“-Label

Veröffentlichung: 21.07.2025, 05:07 Uhr - Lesezeit 3 Minuten

Ein freiwilliges Finanzlabel soll Europas Kapitalmärkte stärken – doch was, wenn dahinter nur Symbolpolitik steckt? VOTUM fordert mehr als schöne Etiketten.

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Ein freiwilliges Finanzlabel soll Europas Kapitalmärkte stärken – doch was, wenn dahinter nur Symbolpolitik steckt? VOTUM fordert mehr als schöne Etiketten (Symbolbild).Ein freiwilliges Finanzlabel soll Europas Kapitalmärkte stärken – doch was, wenn dahinter nur Symbolpolitik steckt? VOTUM fordert mehr als schöne Etiketten (Symbolbild).DALL-E

Mit deutlichen Worten reagiert der VOTUM Verband unabhängiger Finanzdienstleister auf die aktuelle EU-Finanzmarktpolitik. Die deutsch-französische Initiative zur wirtschaftspolitischen Neuausrichtung sei zu begrüßen, doch ohne echte Reformen drohe sie zum Etikettenschwindel zu verkommen, so die zentrale Botschaft des Verbandes.

VOTUM warnt vor einem „weiter so“ im Gewand einer Modernisierung. Während in einem gemeinsamen Beitrag von Lars Klingbeil und Éric Lombard betont wird, dass man Meldepflichten um 25 Prozent abbauen wolle, verhandelt die EU im Rahmen der Retail Investment Strategy neue, zusätzliche Berichtspflichten – ein Widerspruch, der dem Verband sauer aufstößt.

„Der glaubwürdigste Aufbruch für einen echten Bürokratieabbau wäre die Einstellung des Trilogs zur Retail Investment Strategy. Keiner ihrer Regulierungsansätze ist geeignet, Europa wettbewerbsfähiger zu machen“, kritisiert Martin Klein, Geschäftsführender Vorstand von VOTUM.

Auch das geplante Label „Finance Europe“ stößt auf Skepsis. Zwar verfolgt es das Ziel, mehr Kapital in europäische Unternehmen zu lenken, doch VOTUM sieht darin keinen substanziellen Beitrag zur Kapitalmarktunion. Die Mindestinvestitionsquote von 70 Prozent in den Europäischen Wirtschaftsraum schränke die Diversifikation ein, erhöhe die Haftungsrisiken für Vermittler und sei ohne steuerliche Flankierung kaum wirkungsvoll.

„Zusammengefasst bedeutet das ‚Finance Europe‘-Label – (unklare) Steuervorteile für Europatriotismus“, bringt es Klein auf den Punkt. Kundinnen und Kunden müssten künftig zwischen steuerbegünstigter Kapitalbindung und flexibler, globaler Allokation wählen – ein Entscheidungsszenario, das Berater vor neue Herausforderungen stellt.

VOTUM fordert stattdessen konkrete Reformen: Weniger Bürokratie, mehr Innovationsförderung, bessere Rahmenbedingungen für mittelständische Akteure. Europa brauche Projekte mit Substanz – nicht neue Label mit Schönwetterwirkung.

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